Arbeitnehmerin lässt sich online beraten. © fizkes , stock.adobe.com
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13.12.2022

Bestellung auf Pump

Gerade in der Vorweihnachtszeit werben Versandhändler verlockend mit Ratenzahlungen. Vorsicht, shoppen im Versandhandel auf Teilzahlung kommt sehr teuer, warnt die AK. Ein AK Stichproben-Test bei vier Versandhändlern und vier weiteren Unternehmen mit Ratenkauf-Angeboten zeigt: Die Effektivzinsen betragen laut Homepage-Check zwischen null und 21,7 Prozent pro Jahr. Zudem können Kosten für Versicherungen („Ratenschutz“) anfallen.

Das verlangen Versandhändler bei Teilzahlung

Versandhändler Effektivzins pro Jahr
Universal.at         21,70%
Ottoversand.at       21,70%
Quelle.at            21,70%
Neckermann.at        21,70%
Klarna.com/at        10,46 % (feste Laufzeit)/18,46 % (flex. Rate) 1)
Mediamarkt.at 0,00 % fix bis 20 Monate/9,9 % fix bis 72 Monate 2)
Hornbach.at           0,00 % bei 12, 18, 24 Monaten Laufzeit. Bei alternativer Wunschlaufzeit 12 bis 60 Monate: 6,9 % (zB. 36 Monate)
Ikea.com              Klassische Finanzierung: 6,99 % (fix) für 36 Monate 0,00 % für Einkäufe ab 4.000 bis 10.000 Euro für Laufzeit 12, 24, 36 Monate  

1) Klarna-Ratenkauf: flexible Raten bei Kredit von 500 Euro und Rückzahlung über Zeitraum von 12 M. laut AGB; 
2) jeweils über Kreditrahmen mit Mastercard. Kreditrahmen nach Zinsbindung bzw. Folgeverfügungen: 16,9 %

Tipp

Mehr FQAs zu steigenden Kreditzinsen finden Sie hier 

Versandhändler verlangen Zinsen bis zu 21,7% pro Jahr

Die AK Konsumentenschützer:innen kritisieren: „Die Zinssätze für Ratenkäufe, also Teilzahlung im Versandhandel sind sehr hoch. Alle vier untersuchten Versandhändler verlangen beim Ratenkauf einen Effektivzinssatz von 21,7 Prozent pro Jahr. Bei den exemplarisch ausgesuchten Unternehmen mit Ratenkauf-Angeboten differieren die Zinsen je nach Kreditmodell – auffallend sind die angebotenen Optionen je Unternehmen: Neben Null-Prozent-Finanzierungen gibt es laut Homepage Effektivzinssätze zwischen 6,9 und 18,46 Prozent pro Jahr.“

Achtung, Null-Prozent-Finanzierungen sind häufig an Bedingungen oder Sonderaktionen geknüpft. Insbesondere die Werbung bei Versandhändlern klingt verlockend, etwa 1,65 Prozent pro Monat. Das schaut nach wenig aus, aber aufs Jahr umgerechnet kommt das sehr teuer. Oder die Zinsen werden flockig umschrieben mit „sicher, flexibel, einfach“ und „keine Kreditgebühr“ oder „keine Bearbeitungs- und Kontoführungsgebühren“.

„Achtung, in Zeiten steigender Kreditzinsen ist auf die Kosten der Verschuldung genau zu achten“, warnen die Expert:innen. „Auffallend ist, dass die Zinsen für Versandhändler auch in Phasen der Niedrigzinsen unverändert hoch geblieben sind. Damit zählen Ratenkäufe im Versandhandel zu den teuersten Kreditformen.“ Zum Vergleich: Eine Kontoüberziehung beim Gehaltskonto innerhalb des Rahmens kostet von 5,9 bis 13,75 Prozent. Laut AK Bankenrechner beträgt der Durchschnitt bei einem Gehaltskonto 10,5 Prozent. Wenn der Rahmen überzogen wird, dann kommen zusätzlich vier bis fünf Prozent dazu – in Summe sind es dann bis zu 18,75 Prozent.

Die AK rät: „Achten Sie auf teure Versicherungspakete, den Effektivzinssatz und die Summe aller Ratenzahlungen, also den „Gesamtbetrag“. Der Effektivzinssatz zeigt die tatsächliche Kostenbelastung. Beim Verzug mit den Zahlungen können Mahnspesen, etwa 9,95 Euro, anfallen. Im Verzugsfall sofort Kontakt mit der Bank oder dem Unternehmen aufnehmen, um teure Kosten zu vermeiden!“

Höhere Kreditzinsen – Was Konsument:innen tun können!

Wer sich höhere monatliche Kreditrückzahlungen leisten kann, soll durch die steigenden Kreditzinsen durchtauchen. Wer mit seinen Zahlungen dennoch ins Trudeln kommt, kann etwa mit der Bank eine längere Laufzeit vereinbaren oder auf einen Fixzins umsteigen, rät die AK. Achtung, für Änderungen beim Ratenplan fallen happige Spesen an. Die AK hat die wichtigsten Fragen und Antworten zu steigenden Zinsen für Kreditverträge zusammengefasst.

Wie darf die Bank bei steigenden Zinsen die variabel verzinsten Kreditverträge anheben? Das darf nur im Rahmen der Zinsanpassungsklausel geschehen, die im Kreditvertrag festgehalten ist. Zumeist ist der vertragliche Kreditzinssatz an den Leitzinssatz Euribor (European Interbank Offered Rate) gebunden.

Das sollten Sie bei steigenden Kreditzinsen tun: 

  • Durchtauchen: Wenn sich höhere monatliche Rückzahlungen ausgehen, dann tauchen Sie durch den Zinsanstieg durch.

Sollte es mit der Rückzahlung der Kreditraten eng werden, dann gibt es mehrere Möglichkeiten für eine „erleichterte“ Rückzahlung. Aber Vorsicht, es fallen immer saftige Spesen an: 

  • Laufzeit verlängern: Können Sie sich die höheren monatlichen Raten nur mehr schwer oder nicht leisten, vereinbaren Sie mit der Bank eine verlängerte Laufzeit. Achtung auf allfällige Spesen für Ratenplanänderungen! Diese können bis zu 300 Euro kosten! 

  • Auf Fixzins wechseln: Steigen Sie auf einen Fixzinssatz um (um weitere Zinserhöhungen zu verhindern). Achten Sie auf die Konditionen – nicht den erstbesten Zinssatz akzeptieren, sondern Fixzinsangebote bei anderen Banken einholen und diese mit dem Fixzinsangebot der Bank vergleichen! 

  • Vorsicht bei Zahlungsschwierigkeiten: Vermeiden Sie bei Zahlungsschwierigkeiten Mahnspesen und sonstige Betreibungskosten. Setzen Sie kurzfristig die Raten aus (etwa durch Stundung). Achtung, Stundungsspesen möglich – bis zu 250 Euro! 

  • Rate kurzfristig senken: Wollen Sie Ihre Rate kurzfristig senken (und die Zahlungen später „nachholen“), sind Spesen für Ratenplanänderungen möglich! Grundsätzlich: Spesen sind verhandelbar. 

  • Umschulden mit Spesen: Überlegen Sie Ihren Kredit umzuschulden, wenn es ein deutlich günstigeres Kreditangebot bei der Hausbank oder einer Konkurrenzbank gibt. Vorsicht, nicht nur auf die Zinshöhe, sondern auch auf einmalig anfallende Nebenkosten sowie verlangte Sicherheiten (vor allem Versicherungen) ein Auge werfen. 

  • Teil- oder Sondertilgung reduziert Kreditsaldo: Ihre einbezahlte Summe reduziert den Kreditsaldo, was eine neue niedrigere Rate nach sich zieht. Je höher die Teiltilgung, desto effektiver die Auswirkung auf (ausständige) Zinslast und Ratenhöhe. Ein Beispiel: Bei einem Wohnkredit, bei dem 162.000 Euro offen sind (Zinssatz: 3,5 Prozent) bringt eine Sondertilgung von 20.000 Euro eine Zinsersparnis für die Restlaufzeit (10 Jahre) von rund 3.700 Euro.

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