Info zur Bezahlung in Stell­en­in­serat­en

Verpflichtende Angaben

In jeder Stellenanzeige muss stehen, wie viel man im inserierten Job min­des­tens verdienen kann – egal, ob nach einer geringfügig beschäftigten Aushilfe gesucht wird oder es sich um eine unbefristete Stelle handelt. Das Min­des­t­ent­gelt kann unterschiedlich geregelt sein, zum Beispiel durch Kollektivvertrag, Ge­setz, Satzung oder Mindestlohntarif. In Bereichen, in denen es keinen Kollektivvertrag gibt, muss das Entgelt angegeben werden, das als Min­dest­grund­lage für die Vertragsverhandlung dienen soll.

Wissen ArbeitgeberIn (oder die Arbeitsvermittlungsfirma) bereits zum Zeit­punkt der Stellenausschreibung, dass für die ausgeschriebene Position z.B. auch Zulagen zustehen, muss auch das in den Inseratentext aufgenommen werden.

Gibt es Ausnahmen von der Verpflichtung?

Ja. Bei ArbeitnehmerInnen in hohen Führungspositionen (z.B. Ge­schäfts­führ­er­Inn­en und Vorstandsmitglieder einer Kapitalgesellschaft) müssen keine Be­zahl­ungs­infor­mationen angegeben werden.

Orientierungshilfe

Die ausgeschriebene Entlohnung dient allerdings nur der Orientierung: Zu­sätz­liche finanzielle Einstufungskriterien wie Berufserfahrung und Vordienstzeiten können Sie dem Inserat in der Regel nicht entnehmen. Ist die Berufserfahrung allerdings Voraussetzung für die ausgeschriebene Position, muss auch das klar in der angeführten Entlohnung enthalten sein.

Sanktionen, wenn das Inserat nicht passt...

Entspricht ein Inserat diesen Kriterien nicht, gibt es Sanktionen: Beim erst­malig­en Verstoß gegen das Gebot der „diskriminierungsfreien Stellen­aus­schreib­ung“ erfolgt eine Ermahnung durch die Bezirksverwaltungsbehörde. Im Wiederholungsfall wird eine Verwaltungsstrafe von bis zu 360 Euro verhängt.

Wer kann die Strafe einfordern?

Den Antrag auf Verhängung einer Strafe können StellenbewerberInnen oder die Gleichbehandlungsanwaltschaft stellen.

Tipp

Die Broschüre der Gleichbehandlungsanwaltschaft informiert über gesetzeskonforme Stellenausschreibungen.

Die AK fordert, das Gesetz nachzuschärfen:

  • Um echte Einkommenstransparenz zu erreichen muss das Ist-Gehalt bzw. eine Bandbreite der möglichen Bezahlung im Stelleninserat stehen.
  • Bei Teilzeitstellen muss das Arbeitsausmaß angegeben sein, sonst ist die An­gabe des Einkommens nicht aussagekräftig. Auch bei All-in-Verträgen und bei Überstundenpauschalen muss das Gehalt transparent im Verhältnis zur Arbeitszeit ausgewiesen werden.
  • "ArbeitnehmerInnen zweiter Klasse" darf es nicht geben - auch für freie Dienst­nehmerInnen muss die Einkommenstransparenz gültig sein!
  • Der öffentliche Bereich soll endlich nachziehen. Daher sollten künftig auch Länder und Gemeinden von der Einkommenstransparenz umfasst sein.
  • Arbeiterkammer und Gewerkschaften sollten das Recht bekommen, un­voll­ständige Angaben anzeigen zu können.

Tipp

In der Praxis hat sich eingebürgert, dass bei Stelleninserate nur der geringstmögliche Verdienst angegeben wird. Doch was ist meine Arbeit wirklich wert - in meiner Branche, in meinem Bundesland, mit meiner Berufserfahrung? Was wäre eine faire Entlohnung? Der Gehaltsrechner bietet eine Orientierungsmöglichkeit.

Das könnte Sie auch interessieren

2 Arbeitskolleginnen haben offensichtlich Meinungsverschiedenheiten © Jeanette Dietl, Fotolia.com

Diskriminierung

Wann spricht man von Diskriminierung am Arbeitsplatz? Wann ist sie verboten? Und welche Ansprüche haben Sie konkret, wenn Sie diskriminiert wurden?

Mann hält sich die Hand auf die Stirn © helix, fotolia.com

Arbeitslos: Was nun?

Was tun, wenn der Job weg ist? Die wichtigsten Infos über das richtige Vorgehen beim AMS, entscheidende Fristen und den Bezug des Arbeitslosengelds.