7.5.2018

Be­steuer­ung von In­sol­venz­ent­gelt und Pflicht­ver­an­lag­ung

Wer Geld aus dem Insolvenz-Entgelt-Fonds bekommen hat und über der Steuergrenze liegt, muss eine Arbeitnehmerveranlagung machen. Warten Sie aber nicht auf den Brief vom Finanzamt. Besser ist es, selbst aktiv zu werden und so mögliche Zinsen zu vermeiden. Wir haben für Sie zusammengefasst, was Sie alles beachten müssen!

Vom zugesprochenen Bruttobetrag wurde vom Insolvenz-Entgelt-Fonds nach Abzug der Sozialversicherung eine pauschale vorläufige Lohnsteuer an das Finanzamt abgeführt. Dabei wurden 20 Prozent steuerfrei belassen, vom Rest wurden vorläufig 15 Prozent Lohnsteuer entrichtet.

ACHTUNG

Die endgültige Besteuerung erfolgt im Wege der Arbeit­nehm­er­ver­an­lag­ung, zu der Sie bei Überschreiten der Steuergrenze verpflichtet sind.

Nur einkommensteuerpflichtige Jahresbezüge von insgesamt 11.000 Euro sind steuerfrei. Falls Sie darüber hinausgehende Bezüge haben, die gestaffelt mit 36,5 bis 50 Prozent oder für Bezüge ab 01.01.2016 mit 25 bis 55 Prozent endgültig besteuert werden, haben Sie mit einer Nachzahlung zu rechnen.

Insolvenz-Entgelt für Ansprüche aus Vorjahren

Warten Sie nicht auf den Brief vom Finanzamt!

Haben Sie heuer noch Insolvenz-Entgelt für Ansprüche aus Vorjahren erhalten, würde Sie bei Zahlung in der ersten Jahreshälfte das Finanzamt er­fahr­ungs­ge­mäß im Spätsommer auffordern, eine Arbeitnehmerveranlagung auszufüllen. Darauf sollten Sie aber nicht warten, da vom Finanzamt bei der Zustellung von Bescheiden für Nachforderungen ab 30. September Zinsen verrechnet werden können. Wir empfehlen daher je nach dem Zeitpunkt der Auszahlung zur rasch­en Abgabe einer Arbeitnehmerveranlagung ab nachfolgenden Terminen:

Erfolgte die Auszahlung im ...
Abgabe der Arbeitnehmerveranlagung sollte erfolgen ...
1. Quartalab 01.05.
2. Quartal
ab 01.08.
3. Quartalab 01.11.
4. Quartalab 01.02. des nächsten Jahres

Haben Sie für das Vorjahr bereits eine Arbeitnehmerveranlagung gemacht, wird das Finanzamt automatisch eine Wiederaufnahme veranlassen.

Insolvenz-Entgelt für Ansprüche aus dem laufenden Jahr

Werden Sie selbst aktiv!

Wenn Sie (auch) Insolvenz-Entgelt für Ansprüche aus dem laufenden Jahr er­halt­en haben, müssen Sie nächstes Jahr bis spätestens 30. September eine Arbeit­nehmerveranlagung beantragen. Um Zinsen für Nachforderungen zu ver­meiden, raten wir die Veranlagung aber bereits ab 1. März des kommenden Jahres abzugeben.

Auch wenn Ihre einkommensteuerpflichtigen Jahresbezüge die Steuergrenze von 11.000 Euro nicht überschritten haben, raten wir Ihnen eine Arbeit­nehm­er­ver­an­lag­ung abzugeben, da Sie dann die vorläufige Steuer und Negativ­steu­er gutgeschrieben erhalten.

TIPP

Beim Ausfüllen der Veranlagung zählt der Insolvenz-Entgelt-Fonds nicht als bezugsauszahlende Stelle.

Kontrollieren Sie den Bescheid

Bei Erhalt des Bescheides vom Finanzamt sollten Sie unbedingt kontrollieren, ob von der insolventen Arbeitgeberin/vom insolventen Arbeitgeber auch nur tatsächlich noch ausbezahlte Bezüge dem Finanzamt gemeldet wurden. Im Zuge von Insolvenzen kommt es gelegentlich vor, dass von der Arbeit­ge­ber­in/ vom Arbeitgeber auch Bezüge, die von ihr/ihm gar nicht mehr ausbezahlt wurden, sondern tatsächlich als Insolvenz-Entgelt erstattet wurden, an das Fin­anzamt gemeldet werden. Derartige Doppelmeldungen können vom Fin­anz­amt nicht erkannt werden und erhöhen die Nachforderung unter Umständen erheblich.

Sollten Sie unsicher sein, ob die Nachforderung korrekt ist, helfen Ihnen die Steuerexperten/-innen der Arbeiterkammer in Ihrem Bundesland gerne weiter und prüfen Ihren Bescheid vom Finanzamt.

ACHTUNG

Sollten Sie für offene Ansprüche, die vom Insolvenz-Entgelt-Fonds mangels Sicherung nicht bezahlt werden, eine Quote von der In­sol­venz­ver­walter­in/ vom Insolvenzverwalter erhalten, so ist diese/dieser verpflichtet einen Jahreslohnzettel an das Finanzamt zu übermitteln, sofern diese höher als 100 Euro ist. Auch für dieses Entgelt wird vom Finanzamt Lohnsteuer vorgeschrieben.


Das könnte Sie auch interessieren

Insolvenzverfahren: Schritt für Schritt

Von der Anmeldung Ihrer Ansprüche über die Prüfung Ihrer Forderungen bis zur Auszahlung des Insolvenzentgeltes.

Arbeitsverhältnis im Insolvenzfall

Was passiert mit Ihnen, wenn die Firma in Konkurs geht? Welche Varianten es nach einer Insolvenz gibt und was sie für die ArbeitnehmerInnen bedeuten.

Insolvenz-Entgelt

ArbeitnehmerInnen sind bei einer Insolvenz ihrer Firma durch den Insolvenz-Entgeltfonds abgesichert.