Kurzarbeit

Von Kurzarbeit spricht man, wenn in einem Betrieb die Arbeitszeit zeitlich begrenzt herabgesetzt wird. Damit Sie nicht gekündigt werden müssen und Ihr Betrieb und die Wirtschaft insgesamt die Corona-Krise verkraften, haben die Sozialpartner bestehend aus Arbeiterkammer, Gewerkschaften und Wirtschaftskammer ein besonderes Modell ausverhandelt.

Sollte Ihnen daher die (vorübergehende) Auflösung Ihres Arbeitsverhältnisses angeboten werden, weisen Sie Ihren Arbeitgeber ausdrücklich auf diese Alternative hin!

ein erfolg der sozialpartner

Ihre Arbeitszeit kann auf bis zu null Stunden verringert werden. Trotzdem bekommen Sie fast Ihren ganzen Lohn oder Ihr ganzes Gehalt weiterbezahlt. 

Muss ich vor der Kurzarbeit Urlaub und Zeitguthaben verbrauchen?

Die Richtlinie zur Corona-Kurzarbeit besagt, dass Alturlaube aus Vorjahren und offene Zeitausgleichsguthaben vor oder während der Kurzarbeit „tunlichst“, also soweit zumutbar, abzubauen sind.  Im Gegenzug gibt es dafür einen besonders großzügigen Lohnausgleich (80-90 Prozent) seitens des AMS. Den Alturlaub zu verbrauchen, hat auch den Vorteil, dass in der Zeit des Urlaubs das volle Entgelt zusteht und nicht nur 80% bis 90%. Die Kurzarbeit sollte man daher nicht an der Frage des Urlaubsverbrauchs scheitern lassen. Dazu sind die Vorteile der Kurzarbeit viel zu bedeutend.

Anmerkung: Ihr Urlaubsjahr beginnt üblicherweise mit Ihrem ersten Arbeitstag in Ihrer Firma. Dieses Datum finden Sie im Arbeitsvertrag.  In manchen Verträgen wird das Urlaubsjahr auch jeweils auf das Kalenderjahr ab dem 1. Jänner umgestellt. Sehen Sie in Ihren Arbeitsverträgen nach. Wenn es einen Betriebsrat gibt, fragen Sie nach. 

Mein Arbeitsverhältnis wurde leider vor Einführung der Corona-Kurzarbeit gelöst. Kann ich dennoch Kurzarbeit in Anspruch nehmen?

Das AMS verlangt für die Gewährung einer Kurzarbeitsbeihilfe, dass Sie bei Ihrem Arbeitgeber seit mindestens einem Monat ununterbrochen beschäftigt sind. Dieser volle Monat ist dann die Grundlage für die Berechnung Ihrer Beihilfe.

Das bedeutet für Sie:

  • Sind Sie bereits von der Krankenkasse (ÖGK) abgemeldet worden und offiziell arbeitslos, können Sie zu Ihrem Arbeitgeber zurückkehren – Ihr Arbeitgeber bekäme im ersten Monat aber keine Förderung vom AMS. Sie würden somit erst ab dem zweiten Monat in Kurzarbeit einsteigen.
  • Sind Sie noch nicht von der Krankenkasse (ÖGK) abgemeldet worden (etwa, weil Sie noch in der Kündigungsfrist sind), können Sie im Einvernehmen mit Ihrem Arbeitgeber die Beendigung rückgängig machen und sofort in Kurzarbeit einsteigen. 

Wie lange kann Corona-Kurzarbeit dauern?

Zunächst ist der Zeitraum für Corona-Kurzarbeit auf drei Monate begrenzt. Bei Bedarf kann die Kurzarbeit um weitere drei Monate verlängert werden.

Wie kann meine Arbeitszeit verringert werden?

Im gesamten Zeitraum der Kurzarbeit (z.B. 3 Monate) müssen Sie mindestens zehn Prozent Ihrer bisherigen Arbeitszeit arbeiten. Die Arbeitszeit kann aber auch aufgeteilt werden, sodass Sie am Anfang vielleicht null Stunden in der Woche arbeiten, später entsprechend mehr.  

Ein Beispiel:

Ein Betrieb führt für 3 Monate (13 Wochen) Kurzarbeit ein. Davon ist auch eine Vollzeitkraft mit 38,5 Wochenstunden Normalarbeitszeit betroffen.

10 % von 38,5 Stunden sind 3,85 Stunden. Mit 13 Wochen multipliziert bedeutet das, dass die Vollzeitkraft im gesamten Zeitraum der Kurzarbeit mindestens 50,05 Stunden (also 50 Stunden und 3 Minuten) arbeiten muss.

Wann diese 50 Stunden und 3 Minuten erbracht werden, wird im Betrieb festgelegt und hängt natürlich von der weiteren Entwicklung der Pandemie ab.

Es wäre also möglich, in den ersten 11 Wochen gar nicht zu arbeiten. Die Vollzeitkraft bekäme dafür 80-90% ihres bisherigen Einkommens vom AMS ersetzt, der Arbeitgeber hätte 11 Wochen lang gar keine Personalkosten.

In der 12. Woche könnte beispielsweise 11 Stunden und 33 Minuten gearbeitet werden, um in der letzten Woche wieder, wie gewohnt, 38,5 Stunden zu leisten.  

Sollte sich in der Zwischenzeit herausstellen, dass in Ihrem Betrieb nun doch mehr gearbeitet werden muss, als zu Beginn geplant, wird das AMS das am Ende des Monats ohnehin aus den übermittelten Arbeitszeitaufzeichnungen herauslesen. Auf Ihr monatliches Pauschalentgelt hat das aber keine unmittelbare Auswirkung: Sie bekommen weiterhin 80-90% an garantierter Nettoersatzrate ausbezahlt. Die Meldung an das AMS bezieht sich daher nur auf die Förderung, die Ihr Arbeitgeber während der Kurzarbeit erhält.

Gilt die Verringerung meiner Arbeitszeit als Freizeit?

Grundsätzlich gilt die freiwerdende Zeit als Freizeit und steht Ihnen zur freien Verfügung. Sie können in dieser Zeit auch einem anderen Arbeitsverhältnis nachgehen und Geld dazuverdienen. Beachten Sie in diesem Zusammenhang aber aufrechte gesetzliche bzw. einzelvertragliche Konkurrenzverbote!  

Kann ich während der Kurzarbeitsphase gekündigt werden?

Während der Dauer der Kurzarbeit muss Ihr Betrieb die Zahl an MitarbeiterInnen halten, die zum Zeitpunkt des Antrags auf Kurzarbeit bestanden hat. Dasselbe gilt für Betriebsteile, wenn diese örtlich oder organisatorisch so sehr getrennt sind, dass unterschiedliche Kollektivverträge gelten.

Betriebsbedingte Kündigungen dürfen frühestens nach der Behaltefrist (1 Monat nach Ende der Kurzarbeit) ausgesprochen werden. Davon kann das Arbeitsmarktservice nur ausnahmsweise absehen, wenn wichtige Gründe vorliegen, welche die Aufrechterhaltung des Beschäftigtenstandes unmöglich erscheinen lassen.

Personenbezogene Kündigungen sind hingegen immer möglich. Der Arbeitgeber ist jedoch verpflichtet, die Kündigung des konkreten Beschäftigten dem AMS zu begründen und den Beschäftigtenstand durch Einstellung einer neuen Arbeitskraft aufrecht zu erhalten.

Wenn Sie selbst kündigen oder bei einvernehmlicher Lösung von Arbeitsverhältnissen besteht für den Dienstgeber keine Verpflichtung zur Auffüllung des Beschäftigtenstandes. Das Gleiche gilt, wenn die Voraussetzungen für eine vorzeitige Lösung des Dienstverhältnisses durch den Dienstgeber (fristlose Entlassung) vorliegen.

Im Falle einer einvernehmlichen Lösung müssen Sie nachweislich Gelegenheit haben, sich mit Betriebsrat oder Gewerkschaft bzw. Arbeiterkammer über die Auflösung des Arbeitsverhältnisses zu beraten. Hatten Sie diese Gelegenheit nicht, ist der Beschäftigtenstand im Betrieb vom Arbeitgeber aufzufüllen. Dies ändert nichts an der Rechtswirksamkeit Ihrer einvernehmlichen Lösung! 

Gibt es nach der Kurzarbeitsphase einen Kündigungsschutz?

In den Kurzarbeitsvereinbarungen wird eine Behaltepflicht für die Zeit nach der Kurzarbeit von einem Monat festgelegt. Diese Behaltefrist nach der Kurzarbeit gilt natürlich nur für die ArbeitnehmerInnen, die von der Kurzarbeit betroffen waren.

Sollten Sie während der Kurzarbeit oder vor Ablauf der Behaltefrist gekündigt werden, kann die Kündigung bei Gericht bekämpft werden.

Wichtig: Mit der Klage lösen sie einen Gerichtsprozess aus, der für Sie mit Kosten verbunden sein kann! Bitte kontaktieren Sie davor unbedingt die für Sie zuständige Arbeiterkammer oder Gewerkschaft und lassen Sie sich umfassend beraten – auch um sicherzustellen, dass wir Ihnen Rechtsschutz gewähren können und die Gerichtskosten teilweise oder zur Gänze übernehmen. 

Kann ich während der Kurzarbeitsphase selbst kündigen?

Sie können während der Kurzarbeit jederzeit unter Einhaltung der geltenden Fristen selbst kündigen bzw. eine einvernehmliche Auflösung ihres Dienstverhältnisses vorschlagen.  

Kann ich auch mit einem befristeten Arbeitsvertrag, bei Leiharbeit, in Teilzeit oder als Lehrling Kurzarbeit bekommen?

Ja! Wenn Sie Teilzeit arbeiten, muss Ihre Arbeitszeit entsprechend verringert werden.

Wenn Sie in Altersteilzeit sind, wird Ihre bereits verringerte Arbeitszeit nochmals herabgesetzt. Sie bekommen dann weiter den Einkommensausgleich für die Altersteilzeit. Von Ihrem Betrieb bekommen Sie die Stunden bezahlt, die Sie weiterhin arbeiten. Den Rest auf bis zu 90 Prozent übernimmt das AMS.

LeiharbeitnehmerInnen können ebenfalls kurzarbeiten.

Einerseits kann Ihr Arbeitskräfteüberlasser (also Ihr Arbeitgeber) Kurzarbeit einführen, die dann für das gerade nicht überlassene Personal gilt. Andererseits kann Ihr Beschäftigerbetrieb, der für die Stammbelegschaft Kurzarbeit einführen will, auch seine LeiharbeitnehmerInnen einbeziehen, wenn er mit derenLeihunternehmer (Arbeitskräfteüberlasser, also deren Arbeitgeber) eine eigene Kurzarbeitsvereinbarung abschließt.

Wichtig: Sie dürfen in der ausgefallenen Arbeitszeit vom Arbeitskräfteüberlasser nicht in ein anderes Unternehmen „verliehen“ werden!

Als Lehrling erhältst du sogar die volle Lehrlingsentschädigung weiter ausbezahlt.

Ich bin geringfügig beschäftigt. Gilt Kurzarbeit auch für mich? 

Die Corona-Kurzarbeit gibt es für alle, die in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben. Wer nur geringfügig beschäftigt war, kann deshalb keine Corona-Kurzarbeit beantragen. Leider sind geringfügig Beschäftigte da nicht abgesichert. Allerdings darf Ihr Chef Sie nicht einfach kündigen. Es gelten für Sie die Kündigungsfristen laut Kollektivvertrag. Im Gastgewerbe sind das 14 Tage. Zumindest für die Kündigungsfrist muss der Chef Ihr Gehalt weiterzahlen.  

Ich bin bereits in Alterspension und arbeite nebenbei. Kann ich auch in Kurzarbeit gehen?

An dieser Stelle wird unterschieden:

Nicht förderbar sind

  • Beschäftigte, die eine Pension aus einem der Versicherungsfälle des Alters bereits beziehen bzw. denen eine solche zumindest zuerkannt wurde; 
  • Beschäftigte, die das Regelpensionsalter erreicht haben und die die Voraussetzungen für eine Alterspension erfüllen 

Förderbar sind jedoch

  • Beschäftigte, die aufgrund des Alters (63+) der Arbeitslosenversicherungspflicht nicht unterliegen (darunter fallen auch beschäftigte Personen, die das Regelpensionsalter zwar erreicht haben, aber die Voraussetzungen für eine Alterspension nicht erfüllen). 

Darf ich während der Kurzarbeit Überstunden machen? 

Ja, wenn das in der Kurzarbeitsvereinbarung mit dem Betrieb festgelegt wird. In der Kurzarbeitsvereinbarung müssen dann die Betriebsbereiche genannt werden, in denen Überstundenarbeit erlaubt ist.

Achtung: Von (zuschlagspflichtigen) Überstunden spricht man dann, wenn die bisherige gesetzliche bzw. kollektivvertragliche Normalarbeitszeit (in der Regel 38,5 bzw. 40 Stunden) überschritten wird.

Es kann auch in einzelnen Wochen der Kurzarbeit mehr als die gekürzte Arbeitszeit gearbeitet werden. Diese Arbeitsstunden sind von Ihrer pauschalen Nettoersatzrate (80/85/90 Prozent) grundsätzlich abgegolten.. Die Kurzarbeitsbeihilfe, die Ihr Arbeitgeber bekommt, wird je nach Ihrer tatsächlich geleisteten Arbeitszeit ohnehin durch die monatlichen Abrechnungen vom AMS angepasst, also erhöht oder verringert.  

Was passiert, wenn ich während der Kurzarbeit krank werde?

Wenn Sie krank werden, bekommen Sie Ihre Entgeltfortzahlung - wie üblich - vom Arbeitgeber im Ausmaß Ihres garantierten Kurzarbeitsentgelts (80/85/90 Prozent) ausbezahlt..

Kann ich während Kurzarbeit in Urlaub gehen?

Ja, das geht.  Nicht möglich ist es aber, nur an jenen Tagen Urlaubstage zu konsumieren, während derer gearbeitet wird, und für die Tage, an denen die Arbeit ausfällt, nicht. Mit z. B. drei Urlaubstagen eine ganze Woche frei zu bekommen, ist also nicht möglich.

Was passiert, wenn mein Arbeitgeber während der Kurzarbeit insolvent wird?

In diesem Fall wird die Kurzarbeit beendet. Erklären Sie sich weiterhin arbeitsbereit und melden Sie sich unverzüglich bei der AK.

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Ihre Arbeitszeit kann auf bis zu null Stunden verringert werden. Trotzdem bekommen Sie fast Ihren ganzen Lohn oder Ihr ganzes Gehalt weiterbezahlt.