29.12.2017

Weiterverwendungspflicht: Weiter­arbeit nach Ende der Lehre

Ist die Lehrzeit vorbei, stellt sich für viele die Frage, ob sie weiter im Betrieb arbeiten oder sich nach einem neuen Arbeitsplatz umsehen wollen.

Grundsätzlich gilt, dass der/die Lehrberechtigte seinen/ihren ehemaligen Lehrling mindestens noch 3 Monate weiter beschäftigen muss. Der Lehrling kann hingegen sofort den Arbeitsplatz wechseln - falls er oder sie das will.

Weiterverwendungszeit

Normale Weiterverwendungszeit

Der/Die Lehrberechtigte ist verpflichtet, den ehemaligen Lehrling im Betrieb im erlernten Beruf 3 Monate weiter zu verwenden. Voraussetzung dafür ist, dass das Lehrverhältnis durch Zeitablauf (Lehrzeitende laut Lehrvertrag) oder durch die erfolgreich abgelegte Lehrabschlussprüfung (Lehrzeitende = der der Prüfung folgende Sonntag) geendet hat.

Die Weiterverwendungszeit beginnt also unmittelbar nach Ende der Lehrzeit. Unabhängig davon, ob die Lehrabschlussprüfung bereits abgelegt wurde oder nicht bzw. die Prüfung positiv oder negativ absolviert wurde.

Die Weiterverwendungspflicht betrifft ausschließlich den Lehrberechtigten/die Lehrberechtigte. Der Lehrling kann am Ende der Lehrzeit entscheiden, ob er die Weiterverwendungszeit in Anspruch nimmt oder nicht.

Diese Wahlmöglichkeit entfällt, wenn schon im Lehrvertrag eine Befristung des Arbeitsvertrages für die Dauer der Weiterverwendungszeit abgeschlossen wurde.

Kürzere Weiterverwendungszeit

Wenn vom Lehrling nicht die gesamte Lehrzeit im gleichen Lehrbetrieb zu­rück­ge­legt wurde, gilt folgende Regelung:

  • Beträgt die beim letzten Lehrberechtigten zurückgelegte Lehrzeit die Hälfte oder weniger als die halbe Lehrzeit, so steht dem Lehrling auch nur die halbe Weiterverwendungszeit (1,5 Monate) zu.

Längere Weiterverwendungszeit

Durch Bestimmungen in den Kollektivverträgen kann die Dauer der Weiter­ver­wend­ungs­zeit auch mehr als 3 Monate betragen. So legen zum Beispiel die Kollektivverträge für Arbeiter im Metallgewerbe und in der Metallindustrie die Dauer der Weiterverwendungspflicht mit 6 Monaten fest. In manchen Kollektiv­ver­träg­en wird auch geregelt, dass das Ende der Weiter­ver­wend­ungs­zeit auf den Monatsletzten zu erstrecken ist.

Erlassung der Weiterverwendungspflicht, Be­willig­ung zur Kündigung

Die Weiterverwendungspflicht kann einem/einer Lehrberechtigten erlassen werden oder die Bewilligung zu Kündigung vor Ablauf der Weiter­ver­wend­ungs­zeit erteilt werden, wenn erhebliche wirtschaftliche Gründe vorliegen und der/ die Lehrberechtigte diese Erlassung bzw. Bewilligung zeitgerecht beantragt hat.
Dieser Antrag ist bei der Wirtschaftskammer einzubringen, diese muss im Ein­vernehmen mit der Arbeiterkammer innerhalb von 14 Tagen entscheiden.

Entscheidet die Wirtschaftskammer nicht fristgerecht oder kommt es zu kein­em Einvernehmen zwischen den Interessensvertretungen, so muss die Be­zirks­ver­walt­ungs­be­hörde nach nochmaliger Anhörung von Wirtschafts- und Arbeiterkammer die endgültige Entscheidung treffen.

Wichtig

  • Eine berechtigte vorzeitige Auflösung des Arbeitsvertrages während der Weiterverwendungszeit (Entlassung, vorzeitiger Aus­tritt) oder eine einvernehmliche Lösung ist natürlich möglich.

  • Wurde keine Befristung für die Weiterverwendungszeit ab­ge­schloss­en, kann der Arbeitnehmer/die Arbeitnehmerin das Arbeits­ver­hältnis auch durch Kündigung auflösen (Kündigungsfristen- und Termine beachten).

  • Außerdem wird der Ablauf der Weiterverwendungszeit gehemmt, wenn in diesem Zeitraum der Arbeitnehmer den Präsenz-, Aus­bild­ungs- oder Zivildienst bzw. die Arbeitnehmerin den Aus­bild­ungs­dienst antritt. Dies bedeutet, dass sich nach dem Präsenz-, Aus­bild­ungs- oder Zivildienst die nicht verbrauchte Weit­er­ver­wend­ungs­zeit als wiederum kündigungsgeschützte Zeit anschließt.

  • Obig angeführte Bestimmungen gelten auch für Personen, die im Rahmen der Berufsausbildung mit verlängerter Lehrzeit oder Teil­qua­li­fi­zierung in einem Lehrbetrieb ausgebildet werden.