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12.5.2026

Geldfallen im Netz – so werden Konsument:innen abgezockt!

Phishing, Anlagebetrug im Web, dubiose Finanzsanierer oder selbsternannte Finfluencer:innen – die Tricks werden immer raffinierter. Für Konsument:innen wird es zunehmend schwieriger, den Betrug und Abzocke zu erkennen. Und oft geht es um viel Geld. Das zeigen aktuelle Fälle aus der AK Konsument:innenberatung.


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Phishing wird immer raffinierter

Phishing umfasst verschiedene Formen digitalen Zahlungsbetrugs. Kriminelle geben sich oft als Bankmitarbeiter:innen oder Polizei aus, um an Kontodaten zu gelangen.

Ein Fall aus der AK Konsument:innenberatung zeigt die Folgen: Herr S. überwies auf Anweisung eines angeblichen Bankmitarbeiters mehrere Tausend Euro auf ein vermeintliches „Treuhandkonto“ – tatsächlich ein Betrug. Trotz sofortiger Sperrversuche und Anzeige war ein Großteil des Geldes verloren. Nach Intervention der Arbeiterkammer ersetzte die Bank nur ein Drittel des Schadens.

Grundsätzlich gilt: Handeln Kund:innen nicht grob fahrlässig, müssen Banken bei nicht autorisierten Zahlungen haften. In der Praxis wird Betroffenen jedoch oft vorgeworfen, Zahlungen selbst autorisiert oder grob fahrlässig gehandelt zu haben.

Kritik gibt es auch an der Transaktionsüberwachung der Banken. Gerade ungewöhnliche Mehrfachabbuchungen müssten erkannt und gestoppt werden. Das Oberlandesgericht Linz stellte kürzlich fest, dass eine Bank ihre Schutz- und Sorgfaltspflichten verletzt hatte, weil ihr Überwachungssystem unzureichend war. Die Entscheidung stärkt die Rechte von Phishing-Opfern.

Digitaler Anlagebetrug – Krypto- und Plattformbetrug boomen

Betrüger:innen knüpfen meist über Social Media oder Dating-Apps Kontakt und bauen gezielt Vertrauen auf. Danach drängen sie ihre Opfer zu Investitionen auf dubiosen Online-Plattformen, oft mit Sitz im Ausland.

Typisch sind kleine Einstiegsinvestments mit angeblichen Sofortgewinnen. Wer später sein Geld auszahlen lassen will, wird hingehalten, unter Druck gesetzt oder komplett ignoriert.

Ein Fall aus der AK Konsument:innenberatung: Herr T. investierte nach anfänglichen „Gewinnen“ insgesamt 1.255 Euro auf einer betrügerischen Plattform. Als er sein Geld zurückforderte, brach der Kontakt ab. Trotz Screenshots, Anzeige bei der Polizei und Meldung an die Bank blieb das Geld verloren – der Täter saß im Ausland und war nicht greifbar.

Dubiose Finanzsanierer – teure Hilfe ohne Nutzen

Dubiose Finanzsanierungsunternehmen werben gezielt bei Menschen in Geldnot – oft über Google-Anzeigen. Wer nach „Kredit“ sucht, landet häufig zuerst bei Vermittlern und schließlich bei sogenannten Finanzsanierern. Viele Betroffene glauben, es gehe um eine Kreditvermittlung, zahlen aber hohe Gebühren für angebliche „Schuldensanierung“.

In der AK Beratung berichten Konsument:innen immer wieder von falschen Versprechen, Druck am Telefon und erschwerten Vertragsrücktritten. Statt finanzieller Hilfe entstehen oft zusätzliche Schulden.

Die Arbeiterkammer spricht von klarer Abzocke, teils sogar von Betrugsverdacht. Problematisch: Manche Anbieter verfügen nicht einmal über eine Gewerbeberechtigung und tauchen nach Klagen unter neuem Namen wieder auf.

Ein Urteil des Verwaltungsgerichtshofes aus 2025 stärkt die Position der AK: Finanzielle Schuldensanierung darf nur von Rechtsanwälten und staatlich anerkannten Schuldenberatungen angeboten werden. Zudem veröffentlichte die AK OÖ eine Warnliste dubioser Anbieter

Finfluencer:innen – schnelle Reichtumsversprechen, hohe Risiken

Auf Social Media werben Finfluencer:innen mit schnellem Geld, KI-gestütztem Einkommen oder Millionen-Gewinnen durch Trading. Besonders junge Menschen unterschätzen dabei oft die Risiken und zahlen viel Geld für fragwürdige Coachings.

Kritisch sieht die AK vor allem fehlende Transparenz bei Provisionen, unrealistische Gewinnversprechen und riskante Finanzprodukte, die als einfacher Weg zum Wohlstand dargestellt werden. Viele Finfluencer:innen verfügen zudem über keine fundierte Finanz-Ausbildung.

Neu ist: Die AK ist nun „Trusted Flagger“. Damit kann sie rechtswidrige oder dubiose Inhalte auf Plattformen wie Meta offiziell melden und deren Entfernung einfordern. 

So können Sie sich vor Abzocke schützen

  • Unterschreiben Sie nichts, was Sie nicht verstehen.
  • Misstrauen Sie außergewöhnlich hohen Renditeversprechen.
  • Geben Sie keine sensiblen Daten am Telefon oder online weiter.
  • Ist ein Schaden passiert, stoppen Sie sofort weitere Überweisungen oder Abbuchungen. Kontaktieren Sie rasch Ihre Bank und versuchen Sie eine Rückbuchung. Machen Sie zusätzlich eine Anzeige bei der Polizei und sichern Sie Beweise.
  • Verweigert eine Bank bei Online-Bankingbetrug die Erstattung des Schadens, wenden Sie sich an eine Konsument:innenschutzeinrichtung.

AK Forderungen

Die AK fordert stärkere Aufsichtsbehörden, eine bessere Zusammenarbeit der Behörden und mehr Prävention.

1. Banken sollen bei Phishing stärker in die Verantwortung genommen werden, statt Kund:innen die Schuld zuzuschieben.

  • Bei Online-Bankingbetrug sollen Banken das Geld unverzüglich erstatten. Werfen sie Kund:innen grob fahrlässiges Verhalten vor oder wird behauptet, die Transaktion sei von Kund:innen autorisiert, sollen Banken dies in einem gesonderten Verfahren beweisen
  • Es braucht strengere Vorschriften für Transaktionsüberwachungssysteme.

2. Bei Anlagebetrug ist eine bessere Zusammenarbeit der Behörden nötig, um betrügerische Plattformen schneller zu schließen. Auch mehr Finanzbildung ist hier notwendig.

3. Für dubiose Finanzsanierer sind zusätzliche Schutzregeln im Konsumentenschutzgesetz notwendig. Verträge mit dubiosen Finanzsanierern sollen nichtig sein. Auch das Regierungsprogramm sieht Maßnahmen gegen dubiose Finanzsanierer vor.

4. In der EU-Kleinanlegerstrategie wird es klare Regeln für Produkte, Kosten und erstmals auch für Finfluencer:innen geben. Ein Gesetzestext wird derzeit im EU-Parlament ausgearbeitet. Finfluencer:innen brauchen strengere Vorschriften – das muss in der EU-Kleinanlegerstrategie verankert werden:

  • Banken und Wertpapierfirmen stärker in die Pflicht nehmen (klare Verträge, Inhaltskontrolle);
  • Klare Guidelines und Haftung für Finfluencer:innen bei irreführenden Inhalten;
  • Soziale Medien müssen unseriöse Werbung schneller entfernen;
  • Zusätzlich: Register für Finfluencer:innen, bessere Behördenkooperation und mehr Finanzbildung.

5. Online-Plattformen müssen betrügerische Inhalte schneller löschen.




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