Mehrere geringfügige Beschäftigungen

Für viele ein böses Erwachen: Wer zwei oder mehr geringfügige Jobs hat, muss oft mit einer Nachzahlung bei der Sozialversicherung rechnen. Die gute Nachricht: Bei der Arbeitnehmer:innenveranlagung können Sie sich wieder einen Teil davon zurückholen. Hier die Details.



Muss ich Sozialversicherung nachzahlen?

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Was Sie steuerlich bedenken sollten

Die Grenze, bis zu der es sich um eine geringfügige Beschäftigung handelt, liegt 2023 bei 500,91 Euro monatlich. Beim Finanzamt müssen Sie sich jedoch nicht melden, wenn Ihr Gesamteinkommen unter der jährlichen Steuergrenze von 12.756 Euro (Wert 2023; bis 2022: 12.000 Euro) bleibt. Hier zählen nur die laufenden Bezüge. Das Urlaubs- und Weihnachtsgeld zählen für die Steuergrenze nicht dazu.

Tipp

Wenn Sie für die geringfügigen Beschäftigungen Sozial­ver­sicher­ungs­bei­träge nachzahlen müssen, kann es für Sie von Vorteil sein, die Ar­beit­nehmer:­innenveranlagung beim Fin­anz­amt einzureichen. Sie bekommen vom Finanzamt einen Sozialversicherungsbonus ("Negativsteuer") erstattet. Sie können die nachbezahlten Sozialversicherungsbeiträge in dem Jahr geltend machen, indem Sie sie an die Österreichische Gesundheitskasse bezahlt haben. Der Sozialversicherungsbonus errechnet sich mit einem bestimmten Prozentsatz der Sozial­ver­sich­er­ungs­bei­träge. Sollten Sie zumindest ein Monat Anspruch auf ein Pendlerpauschale haben, erhöht sich der Sozialversicherungsbonus noch zu­sätzlich.

Negativsteuer für Beschäftigte mit Lohnsteuerabzügen

Ab dem Veranlagungsjahr 2020 gibt es auch für Arbeitnehmer:innen, die über der Steuergrenze verdienen, eine Art Negativsteuer, den sogenannten SV-Bonus. Dieser wird in Form des Zuschlags zum Verkehrsabsetzbetrag gewährt, der unter der Steuergrenze auch als Negativsteuer ausbezahlt wird. Der Zuschlag zum Verkehrsabsetzbetrag wird zwischen bestimmten Einkommensgrenzen gleichmäßig auf Null reduziert. Erst wenn das Einkommen einen gewissen Betrag überschreitet, gibt es keinen SV-Bonus mehr. Der Zuschlag zum Verkehrsabsetzbetrag muss nicht gesondert beantragt werden, sondern wird automatisch berücksichtigt.

JahrZuschlag zum VerkehrsabsetzbetragReduktion des Zuschlags auf Null Euro bei Einkommen zwischen
2020400 Eurozwischen 15.500 Euro und 21.500 Euro
2021 und 2022650 Eurozwischen 16.500 Euro und 24.500 Euro
2023684 Eurozwischen 16.832 Euro und 25.774 Euro
Die Einkommensgrenzen und die Höhe des Zuschlags zum Verkehrsabsetzbetrag werden jährlich erhöht.

Teuerungsabsetzbetrag für 2022:

Arbeitnehmer:innen mit geringem Einkommen erhalten einmalig für 2022 zusätzlich zum Zuschlag zum Verkehrsabsetzbetrag noch einen Teuerungsabsetzbetrag über die ANV. Dieser beträgt 500 Euro bis zu einem Einkommen von 18.200 Euro. Darüber hinaus wird er bis zu einem Einkommen von 24.500 Euro gleichmäßig auf Null verringert. Für Pensionist:innen, die 2022 keine außerordentliche Einmalzahlung bei der Pensionsauszahlung erhalten, steht bis zu Pensionsbezügen von 20.500 Euro ebenfalls ein Teuerungsabsetzbetrag von 500 Euro zu. Bei höheren Pensionsbezügen verringert sich der Teuerungsabsetzbetrag für PensionistInnen bis zu Bezügen von 25.500 Euro gleichmäßig auf Null.

Der Zuschlag zum Verkehrsabsetzbetrag und der Teuerungsabsetzbetrag müssen nicht gesondert beantragt werden, sondern werden automatisch berücksichtigt.

So hoch ist die Negativsteuer

JahrArbeitnehmer:innen ohne Pendlerpauschale Arbeitnehmer:innen mit Pendlerpauschale Pensionist:innen
Anteil SVMax.Anteil SVMax.Anteil SVMax.
bis 201950 %400 Euro50 %500 Euro50 %110 Euro
202050 %800 Euro50 %900 Euro75 %300 Euro
202155 %1.050 Euro55 %1.150 Euro80 %550 Euro
202270 %1.550 Euro70 %1.610 Euro100 %550 Euro bzw. 1.050 Euro*
202355 %1.105 Euro55 %1.250 Euro80 %579 Euro

*) bei Teuerungsabsetzbetrag

Auswirkungen bei der Sozialversicherung

Wird mit zwei oder mehreren geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen die Ge­ring­fügig­keits­grenze überschritten, müssen Sie Beiträge an die Österreichische Gesundheitskasse nachbezahlen, aller­dings nur in den Monaten, in denen Sie die Geringfügigkeitsgrenze überschreiten. Die Nach­zahl­ung für die Kranken- und Pensionsversicherung beträgt 14,12 % der  geringfügigen Bruttomonatsbezüge. Zusätzlich wird 0,5 % für die Arbeiterkammerumlage nachgefordert. Insgesamt wird für die laufenden Bezüge daher 14,62 % nachgefordert. Auch für das Urlaubs- und Weihnachtsgeld werden Sozialversicherungsbeiträge nachgefordert. Für diese Sonderzahlungen beträgt die Nachforderung nur 14,12 %, weil die AK-Umlage entfällt.

Der Vorteil: Sie sind damit auch voll krank­en­ver­sichert und erwerben Pensionszeiten.

Was Sie melden müssen

Die Sozialversicherung meldet sich im Folgejahr automatisch. Sie können sich aber auch selbst im laufenden Jahr melden und die fälligen Beiträge monatlich zahlen. Zur Ar­beit­nehmer­:innen­ver­an­lag­ung verpflichtet sind Sie, wenn Sie mit mehreren geringfügigen Arbeitsverhältnissen die jähr­liche Steuergrenze von 12.756 Euro (Wert 2023; bis 2022: 12.000 Euro) überschreiten (ohne Urlaubs- und Weihnachtsgeld). In diesem Fall müssen Sie bis zum 30. September des Folgejahres eine Arbeitnehmer:innenveranlagung beim Finanzamt ein­reichen (=Pflichtveranlagung).

Ein Beispiel

Eine teilzeitbeschäftigte Angestellte verdient in zwei ganzjährigen geringfügigen Be­schäftig­ung­en 350 Euro und 250 Euro monatlich, insgesamt also 600 Euro pro Monat. Weil sie damit die Ge­ring­fügig­keits­grenze überschreitet, erhält sie eine Nachforderung für die Sozialversicherungsbeiträge:

SV-Nachforderung für die 12 monatlichen Gehälter (350 Euro + 250 Euro) x 0,1462 x 12 = 1.052,64 Euro
SV-Nachforderung für Weihnachts- und Urlaubsgeld(350 Euro + 250 Euro) x 0,1412 x 2 = 169,44 Euro
SV-Nachforderung gesamt1.222,08

Sie muss also 1.222,08 Euro Sozialversicherung für das gesamte Jahr nachzahlen. Eine Ver­pflicht­ung zur Arbeitnehmer:innenveranlagung hat sie jedoch nicht, da ihr Jahreseinkommen unter 12.756 Euro liegt (12 x 350 Euro + 12 x 250 Euro = 7.200 Euro). Weihnachts- und Urlaubsgeld ist hier nicht mitzurechnen.

Sie kann die Beiträge allerdings bei der Arbeitnehmer:innenveranlagung geltend machen, und zwar in dem Jahr, in dem sie die Beiträge bezahlt hat, und bekommt einen Teil als Negativsteuer erstattet.

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