18.10.2018

Equal Pay Day: „12-Stunden-Tag schadet Frauen“

Am 20. Oktober ist Equal Pay Day. Nach Berechnungen der Lohnsteuerstatistik beträgt die Lohnschere 19,9 Prozent. In den letzten Jahren gab es einige Verbesserungen, die für den Abbau der Einkommensschere wichtig sind. Zuletzt wurden aber auch Maßnahmen umgesetzt, die sich nachteilig auf die Einkommensschere auswirken werden. AK Präsidentin Renate Anderl sagt: „Der 12-Stunden-Tag schadet im Hinblick auf das Einkommen Frauen, weil er die traditionelle Rollenaufteilung zwischen Eltern verfestigt.“ Sie fordert von der Regierung: „Beim Abbau von Einkommensnachteilen darf es keine Rückschritte geben.“ 

Beim Equal Pay Day werden die Einkommen ganzjährig vollzeitbeschäftigter Frauen und Männer verglichen. Faktoren für niedrigere Fraueneinkommen sind: Ausbildungs- und Berufswahl, unterschiedliche Bewertung von Arbeit mit Menschen im Gegensatz zu Arbeit an Maschinen, Berufsunterbrechungen für die Familie, ungleiche Karrierechancen, Lücken beim Angebot an Kinderbetreuung und Pflege. 

Nicht berücksichtigt bei der Berechnung des Equal Pay Day sind Teilzeitkräfte. Die hohe Teilzeitquote bei Frauen verstärkt aber alle oben genannten Faktoren bei einer anschließenden Vollzeitbeschäftigung.

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Verschlechterungen

Zuletzt wurden Maßnahmen umgesetzt, die sich nachteilig auf die Einkommensschere auswirken werden. Die Einführung des 12-Stunden-Tages im Arbeitszeitgesetz erschwert die partnerschaftliche Aufteilung. Eine aktuelle FORBA-Studie zeigt, dass jede zusätzliche Überstunde des Mannes das Potential für Ungleichverteilung in der Partnerschaft um 13 Prozent erhöht. 

Da beim Familienbonus jene mit dem höchsten Einkommen am meisten unterstützt werden, könnte auch dadurch die Lohnschere zwischen den Geschlechtern weiter aufgehen.

Verbesserungen

In den letzten Jahren gab es einige Verbesserungen, die auf den Abbau der Einkommensschere wirken. Dazu zählt mehr Flexibilität beim Kinderbetreuungsgeld, was zu kürzeren Karenzdauern und mehr Väterbeteiligung geführt hat. So zeigt das AK Wiedereinstiegsmonitoring für Geburten 2012 im Vergleich zu 2006 einen Rückgang der Karenzdauer der Frauen von 732 Tagen auf 607 Tage, also um vier Monate. Die Zahl der Väter, die ihre Erwerbstätigkeit wegen Kinderbetreuung unterbrochen haben, ist von 3.600 auf 9.600 angestiegen. 

Seit 2017 gibt es die Möglichkeit für Väter gleich nach der Geburt den Familienzeitbonus zu beziehen. Allerdings gibt es nach wie vor Hürden: der „Bonus“ wird vom Kinderbetreuungsgeld abgezogen und es gibt keinen arbeitsrechtlichen Anspruch auf einen Papamonat. 

Verbessert hat sich auch das Angebot an Kinderbetreuung. Die Betreuungsquote hat sich von 2007 auf 2017 bei Kindern unter drei Jahren mehr als verdoppelt (2007: 11,8 Prozent, 2017: 26,1 Prozent). 

Weitere wichtige Schritte zur Verringerung der Einkommensschere haben Gewerkschaften und Wirtschaftskammer gesetzt mit der Einführung des Mindestlohns von 1.500 Euro brutto in Kollektivverträgen. Dazu kamen die Einführung von Einkommensberichten und Informationen zur Bezahlung in Stelleninseraten sowie die Einführung einer Frauenquote von mindestens 30 Prozent bei börsennotierten und großen Unternehmen mit mehr als 1.000 ArbeitnehmerInnen.

Forderungen

AK Präsidentin Renate Anderl fordert: „Beim Abbau von Einkommensnachteilen darf es keine Rückschritte geben.“ Besonders dringlich sind aus ihrer Sicht folgende Maßnahmen: 

  • Gesetzliche Anrechnung der Karenzzeit auf die Gehaltsvorrückungen: In einigen Kollektivverträgen ist es gelungen, Anrechnungsbestimmungen einzuführen, die in sich in den kommenden Jahren positiv auf die Einkommensentwicklung insbesondere von Frauen mit Kindern auswirken werden. Nun ist der Gesetzgeber am Zug, die Bestimmung für alle Eltern rechtlich zu verankern. 

  • Verknüpfung der Einkommensberichte mit einem Frauenförderplan zum Abbau von Benachteiligungen und voller Lohntransparenz im Betrieb. 

  • Gehaltsangaben in Stelleninseraten müssen die Ist-Löhne bzw. die Bandbreite des Verdienstes aufzeigen anstatt nur die Mindesteinkommen. 

  • Weiterhin Ausbau von Kinderbetreuung, dafür sollen mehr Mittel vorgesehen werden.  

  • Ebenfalls notwendig ist ein aufgabenorientierter Finanzausgleich, womit es zu einem fairen Ausgleich zwischen Gemeinden, die viel oder nur wenig in Kinderbetreuung investieren, kommt. 

  • Auch ein rascher Ausbau von Ganztagsschulen und vermehrte Investitionen in Pflegeangebote sind notwendig.