Betriebsvereinbarungen

Betriebsvereinbarungen sind schriftliche Vereinbarungen, die vom Be­triebs­in­haber und dem Betriebsrat in Angelegenheiten abgeschlossen werden, deren Regelung durch Gesetz oder Kollektivvertrag der Be­triebs­ver­ein­bar­ung vorbehalten ist. Bei manchen Maßnahmen braucht der Be­triebs­in­haber die Zustimmung des Betriebsrates, bei anderen nicht.

Hier darf der Arbeitgeber ohne Betriebsrat keine Maßnahmen setzen:

  • Einführung einer betrieblichen Disziplinarordnung
  • Einführung von detaillierten Personalfragebögen die über die allgemeinen An­gaben zur Person und fachliche Voraussetzungen hinaus gehen
  • Einführung von Kontrollmaßnahmen und technischen Systemen zur Kon­trolle der Arbeitnehmer, sofern diese die Menschenwürde berühren
  • Einführung und Regelung von Akkord- oder Stücklöhnne sowie akkord­ähn­lich­en Prämien und Entgelten, die auf statistischen Verfahren, Daten­er­fass­ungs­ver­fahren, Kleinstzeitverfahren oder ähnlichen Ent­gelt­find­ungs­sys­tem­en beruhen

Wichtig!

Diese Betriebsvereinbarungen können, wenn keine Geltungsdauer ver­ein­bart wurde, jederzeit schriftlich gekündigt werden.

Zustimmung des Betriebsrats ersetzbar durch Spruch der Schlichtungsstelle

Auch die Einführung von Systemen zur automatisationsunterstützen Er­mitt­lung, Verarbeitung und Übermittlung von personenbezogenen Daten der Ar­beit­nehm­er bedarf zu ihrer Rechtswirksamkeit der Zustimmung des Be­triebs­rats, sofern sie über die Ermittlung von allgemeinen Angaben zur Person und fach­lich­en Voraussetzung hinausgehen.

Das gilt auch für Systeme zur Beurteilung der Arbeitnehmer, sofern damit Daten erhoben werden, die nicht durch die betriebliche Verwendung ge­recht­fert­igt sind. In diesen beiden Fällen kann die Zustimmung des Betriebsrats aller­dings durch eine Entscheidung der Schlichtungsstelle ersetzt werden.

Erzwingbare Betriebsvereinbarungen 

Die generelle Regelung dieser Angelegenheiten durch den Betriebsinhaber ist grundsätzlich auch ohne Zustimmung des Betriebsrates und ohne Abschluss einer entsprechenden Betriebsvereinbarung möglich. Will der Betriebsrat andere Regelungen als der Betriebsinhaber erreichen und das Mit­wirk­ungs­recht der Arbeitnehmerschaft geltend machen, so kann er – wenn keine Ein­ig­ung mit dem Betriebsinhaber zustande kommt – die Schlichtungsstelle an­ruf­en.

Das betrifft beispielsweise folgende Angelegenheiten:

  • allgemeine Ordnungsvorschriften
  • Beschäftigung von überlassenen Arbeitnehmern
  • Arbeitszeitregelungen
  • Benützung von Betriebseinrichtungen und Betriebsmitteln 
  • Sozialplan

Die Schlichtungsstelle

Zur Entscheidung von Streitigkeiten über den Abschluss, die Änderung oder Auf­hebung von Betriebsvereinbarungen in Angelegenheiten, in welchen das Arbeitsverfassungsgesetz eine Schlichtungsstelle vorsieht, ist diese auf Antrag eines der Streitteile am Sitz des Arbeits- und Sozialgerichts einzurichten. Die Entscheidung dieser Schlichtungsstelle gilt dann als Betriebsvereinbarung.

Freiwillige Betriebsvereinbarungen

In bestimmten Angelegenheiten kann eine Betriebsvereinbarung zwischen Be­triebs­rat und Betriebsinhaber abgeschlossen werden - der Abschluss ist aller­dings nicht erzwingbar. Kommt eine Vereinbarung zwischen Betriebsrat und Be­triebs­in­haber nicht zustande, dann können die entsprechenden An­ge­legen­heit­en durch Weisung des Arbeitgebers bzw. durch Vereinbarung mit den be­troff­en­en Arbeitnehmern festgelegt werden.

Beispiele für derartige Angelegenheiten sind:

  • Maßnahmen zur menschengerechten Arbeitsgestaltung
  • Urlaubsverbrauchbetriebliches Vorschlagswesen
  • Systeme der Gewinnbeteiligung, leistungsbezogene Prämien und Entgelte
  • Betriebliche Altersversorgung
  • Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung
  • Vereinbarkeit von Betreuungspflichten und Beruf


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