21.6.2018

Unsere Mitglieder wollen den 12-Stunden-Tag nicht

„Kommt dieses Gesetz, werden 12-Stunden-Tage und 60-Stunden-Wochen für viele Beschäftigte in unserem Land zur Normalität. Beruf und Familie werden schwerer vereinbar. Für die Vorgesetzten wird es noch einfacher, einseitig anzuschaffen, dass man länger zu arbeiten hat“, sagte AK Präsidentin Renate Anderl in ihrer Rede anlässlich der Hauptversammlung der Bundesarbeitskammer in Feldkirch. Das neue Gesetz wird die AK-Mitglieder Geld, Gesundheit, Freizeit und Familie kosten. 

„Die Wirtschaft boomt, viele Unternehmen fahren satte Gewinne ein. Es kann nicht sein, dass die Beschäftigten, die diese Gewinner erwirtschaften, derart mies behandelt werden“, so AK Präsidentin Renate Anderl. „Ich sage Nein zur einseitigen Ausweitung der Höchstarbeitszeiten, Nein zu einem Lohnraub und zu einem Angriff auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Wir brauchen im Gegenteil eine Verkürzung der Arbeitszeit und mehr Selbstbestimmtheit der Beschäftigten.“ 

Auch der Mitgliederdialog, den die Arbeiterkammern gemeinsam mit dem ÖGB durchgeführt haben, kam zu einem eindeutigen Ergebnis. „89 Prozent der Menschen sagen bei unserer Umfrage klar Nein zum generellen 12-Stunden-Tag und zur 60-Stunden-Woche“, so Renate Anderl. Von März bis Ende Mai 2018 wurden mit mehr als einer Million ArbeitnehmerInnen in Österreich Gespräche über die Zukunft der Arbeit geführt. Insgesamt gab es mehr als 3.700 verschiedene Aktionen: direkt in den Betrieben, in Form von Straßenaktionen sowie bei Groß- und Fachveranstaltungen und bei Terminen in der AK. Mehr als 300.000 Menschen beantworteten inhaltlichen Fragen, sei es auf den Antwortkarten aus Papier, sei es online. „Mir ist es ein Anliegen, allen zu danken, die dazu beigetragen haben, dass wir den Dialog mit unseren Mitgliedern derart flächendeckend und tiefgehend führen konnten“, so Renate Anderl. 

Eine klare Haltung nehmen die AK Mitglieder auch zum Problem des Lohn- und Sozialdumpings ein. 93 Prozent fordern ein rigoroses Vorgehen. Sie wollen mehr Kontrollen und schärfere Strafen für die schwarzen Schafe unter den Arbeitgebern, die sich nicht an die österreichischen Regelungen halten. „Die Regierung verfolgt hier einen anderen Weg“, sagt AK Präsidentin Renate Anderl. Das Gesetz gegen Lohn- und Sozialdumping soll laut Regierungsprogramm aufgeweicht werden; wird das Arbeitsrecht oder der Arbeitnehmerschutz verletzt, drohen den Arbeitgebern geringere Strafen. 

„Für uns ist das Ergebnis unseres Mitgliederdialogs ein klarer Auftrag. Der Auftrag, gegen die drohenden Verschlechterungen anzukämpfen und Druck für Verbesserungen zu machen“, sagt AK Präsidentin Renate Anderl.