Gerechtigkeit #FÜRDICH © AK, Andreas Pfohl | papabogner
Gerechtigkeit #FÜRDICH © AK, Andreas Pfohl | papabogner
19.7.2021

Jetzt in Gesundheit & Pflege investieren! 

Reichen die Intensivbetten? Können genug Ärztinnen und Pflegekräfte helfen, wenn wir schwer krank sind? Die Corona-Pandemie hat uns einmal mehr vor Augen geführt, wie wichtig ein starkes öffentliches Gesundheitssystem ist. Aber viele Beschäftigte im Gesundheits- und Pflegebereich stoßen an ihre Grenzen. Auch bei der gesundheitlichen Versorgung und der Unterstützung pflegender Angehöriger ist noch Luft nach oben. Investieren wir daher massiv in diese Bereiche! Für faire Arbeitsbedingungen im Gesundheits- und Pflegebereich. Für gute Gesundheitsversorgung für alle. Das ist für uns #Gerechtigkeit #fürdich. Erfahren Sie hier, welche Forderungen wir im Detail dazu haben! 

Mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen im Gesundheitsbereich!

Im Pflege- und Gesundheitsbereich zu arbeiten, das war schon vor Corona hart. Während der Pandemie haben die Beschäftigten alles geben müssen. Nicht ohne Konsequenzen: Jede:r Zweite:r denkt öfter daran,  den geliebten Beruf an den Nagel zu hängen: Zu groß ist die Belastung und sie verschärft sich durch den ständig wachsenden Personalnotstand. Um einen Gesundheits- oder Pflegeberuf mit Hingabe und Erfolg ausüben zu können, braucht es ausreichend Personal, verlässliche Dienstpläne sowie faire und einheitliche Rahmenbedingungen. 

Konkret fordern wir für den Pflege- und Gesundheitsbereich 

  • Mehr Zeit pro Patient:in, Bewohner:in, Klient:in: Nur so sind gute individuelle Pflege und Betreuung möglich!

  • Planbare Arbeitszeit und Freizeit: Das Ziel müssen Dienstpläne sein, die halten! Ohne Einspringen bei Ausfällen. Ohne Überziehen bei erhöhtem Arbeitsaufkommen. Die vereinbarte Wochenarbeitszeit laut Arbeitsvertrag muss eingehalten werden.

  • Klare Kriterien für die Personalbemessung: Wie viel Personal braucht es pro Dienst in den unterschiedlichen Einrichtungen? Wie hoch ist der Zeitaufwand? Dafür braucht es transparente Kriterien, die sich an der Realität orientieren – und nicht Sparplänen. 

Sofortmaßnahmen in der Langzeitpflege jetzt!

Auch wenn Menschen mit dem Alter nach und nach Hilfe und Pflege brauchen – viele wollen so lange wie möglich in ihrer eigenen vier Wänden bleiben. Möglich machen das pflegende Angehörige und Mitarbeiter:innen mobiler Dienste und Tageszentren.  Doch diese Menschen sind oft am Limit – genauso wie die Beschäftigten in Alten- und Pflegeheimen. 

Wir fordern die Regierung auf, folgende Punkte sofort umzusetzen 

  • Ausbau von Betreuung & Pflege zu Hause: Für pflegebedürftige Menschen muss es die Möglichkeit einer mehrstündigen Betreuung zu Hause geben. Mobile Dienste müssen daher ausgebaut werden – das AK Pflegepaket sieht einen Ausbau um 25 % oder rund 4 Millionen zusätzlicher Einsatzstunden vor.  
  • Mehr Qualität bei mobilen Diensten: Beschäftigte in mobilen Diensten hetzen von Klient:in zu Klient:in. Sie brauchen bessere, befriedigendere Arbeitsbedingungen. Konkret heißt das: Sie müssen ein Fünftel mehr Zeit zur Verfügung haben, um sich ihren Klientinnen und Klienten widmen zu können. Sie brauchen aber auch Zeit, um sich im Team auszutauschen sowie für verlässliche Dienstpläne und attraktive Arbeitszeitmodelle.

  • Beratung für pflegende Angehörige: Angehörige zu pflegen, und das über längere Zeit, ist auf vielen Ebenen eine große Herausforderung. Pflegende dürfen nicht allein gelassen werden. Sie brauchen eine zentrale Anlaufstelle für alle Anliegen: Vom Pflegegeldantrag über Infos zu Betreuungsangeboten, bis hin zu Selbsthilfegruppen oder Trauerbegleitung – insbesondere bei Demenz.
  • Abschaffung von Selbstbehalte bei mobilen Diensten: Wer einen mobilen Dienst braucht, soll dafür nichts zahlen müssen. Pflegebedarf ist schließlich kein Luxus.
     
  • Bessere Bezahlung in der Langzeitpflege: Die Löhne für Beschäftigte in der Langzeitpflege, d.h. in Alten- und Pflegeheimen, müssen an die in Spitälern angeglichen werden. Sonst droht massiver Arbeitskräftemangel in diesem Bereich. 

Wer soll das alles bezahlen? 

Natürlich: Die genannten Investitionen und Forderungen kosten Geld, und zwar 1,75 Milliarden Euro pro Jahr. Aber wer hier in Arbeitsplätze investiert, gewinnt doppelt. Damit lassen sich Betreuung und Pflege sowie die Versorgung in Pflegehäusern verbessern. Von jedem Euro, der investiert wird, fließen 70 Cent in Form von Steuern und Sozialversicherungsabgaben zurück – so wird auch die Wirtschaft angekurbelt und davon profitieren wir alle!

Es wäre ungerecht, wenn die Arbeitnehmer:innen das alles alleine stemmen müssten. Die AK fordert daher Mittel aus der Tabaksteuer, eine zweckgewidmete Erbschaftssteuer auf sehr große Erbschaften sowie eine Millionärsabgabe. Auch Superreiche sollen einen fairen Beitrag für ein gut ausgebautes Pflege-und Betreuungsnetz leisten.

Ausbildungsoffensive gegen Fachkräftemangel!

Auch ein Ausweg aus dem Personalnotstand im Gesundheits- und Pflegebereich: Mehr neue Kolleginnen und Kollegen ausbilden. Eine umfassenden Ausbildungsoffensive ist unerlässlich, um den Pflegebereich zukunftsfit zu machen: 

Das fordern wir konkret 

  • Attraktive Bedingungen in der Ausbildung: Für alle, die den Beruf ergreifen wollen, soll es ausreichend Ausbildungsplätze und Stipendien geben. Aus- und Fortbildungen müssen kostenfrei sein.

  • Bezahlte Praktika: Pflichtpraktika, etwa in den Ausbildungen der Gesundheits- und Krankenpflegeschulen oder an einer FH, dauern viele Monate und verlangen vollen Einsatz. Studierende und Schüler:innen müssen dafür mehr als ein Taschengeld bekommen. Sonst können sich viele die Ausbildung nicht leisten. Praktika müssen endlich bezahlt werden.
     
  • Chancen für Quereinsteiger:innen: Wer im zweiten Bildungsweg umsatteln möchte, soll so viel Qualifizierungsgeld bekommen, dass es zum Leben reicht. 

Weiterlesen

Was muss sich bei Ausbildung, Arbeitsbedingungen oder Personalbemessung noch ändern? Wir haben das gemeinsam mit unseren Bündnispartner:innen der „Offensive Gesundheit“ sehr genau erarbeitet. Unsere Lösungsvorschläge im Detail finden Sie hier.

Leistungen im Gesundheitsbereich ausbauen

Wer in Österreich krankenversichert ist, kann sich auf eine gute Versorgung verlassen. Auch wer wenig verdient, bekommt bei Bedarf teure Arzneien, ärztliche Hilfe oder eine Behandlung im Krankenhaus – und das auf dem letzten Stand der Wissenschaft. Unser Gesundheitssystem hat sich in der Corona-Krise bewährt. Doch es gibt auch einige Versorgungslücken. Die folgenden Leistungen gehören aus unserer Sicht dringend ausgebaut: 

Mehr Kassenärztinnen und -ärzte

In manchen Be­reichen herrscht ein Mangel an Kassenärztinnen und -ärzten, zum Beispiel bei der Kinder- oder Augenheilkunde. Das führt zu einer Zwei-Klassen-Medizin: Wer es sich leisten kann, wechselt zum Wahlarzt. Wer nicht, warten manchmal lange auf Termine. Damit alle einen gleichberechtigten Zugang zum Gesund­heitssystem haben, fordern wir wohnortnah genügend Vertragsärztinnen und -ärzte aller Fachdisziplinen.

Ausbau der psychosozialen Versorgung

In den letzten Jahren sind psychischen Erkrankungen stark angestiegen. Der hohe Druck in der Arbeitswelt setzt vielen zu. Nicht nur die Krankenstandstage, auch der Medikamentenverbrauch aufgrund psychischer Belastungen ging deutlich nach oben. Mehr als die Hälfte der Zuerkennungen von Rehabilitationsgeld oder Invaliditätspensionen erfolgt aufgrund psychi­scher Erkrankungen. Im Zuge der Corona-Krise ist die Unterversorgung bei Kindern und Jugendlichen mit psychischen Problemen offensichtlicher geworden denn je. 

Wir setzen uns daher ein für:

  • flächendeckende „Psychotherapie auf Krankenschein“ ohne finanzielle Hürden und lange Wartezeiten
  • den Ausbau der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie

Verbesserte Versorgung für chronisch Kranke

Was die Versorgung chronisch Kranker betrifft, schneidet Österreich im internationalen Vergleich eher schlecht ab. Wir fordern strukturierte Betreuungsprogramme und spezialisierte Behandlungszentren für chronisch kranke Menschen, beispielsweise für die rund 800.000 Patient:innen in Österreich, die an Diabetes mellitus leiden. Eine verbesserte Versorgung erspart den Betroffenen viel Leid durch Folgeerkrankungen und Eingriffe wie Amputationen. Sie verhindert aber auch hohe Folgekosten im Gesundheits-, Pflege- und Sozialwesen.

AK Services für pflegende Angehörige 

Wer Angehörige zuhause pflegt, benötigt meist auch selbst Unterstützung. Hier ein paar AK Infos, die Ihnen vielleicht helfen könnten:  

  • Kostenlose Pensionsversicherung für pflegende Angehörige: Wer daheim pflegt, steckt beruflich meist zurück. Damit sich Ihr familiäres Engagement nicht negativ auf die Pension auswirkt, können Sie sich kostenlos pensionsversichern. Erfahren Sie mehr…

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