Gerechte Einkommen für Frauen und Männer


Frauen verdienen in Österreich noch immer um 35 Prozent weniger als Männer. Und das, obwohl vor allem sie in der Coronakrise dafür gesorgt haben, dass unser Alltag funktioniert und die Menschen versorgt sind. 

Frauen sind mehrfach belastet

Pflegerinnen im Spital oder im Altersheim sind unmittelbar der Gefahr durch eine Ansteckung mit Corona ausgesetzt; viele müssen in der Pandemie doppelt so viel arbeiten – und noch häufiger als sonst damit umgehen, dass ihnen anvertraute Menschen sterben.

Zuhause versorgen diese Frauen ihre Kinder, betreuen sie beim Homeschooling, pflegen Angehörige. Frauen sind mehrfach belastet – in der Krise mehr denn je.

Wie wichtig die Arbeit der Frauen im Handel ist, um unsere tägliche Versorgung aufrecht zu erhalten, wurde vielen Menschen erst durch die Coronakrise bewusst.

Das Personal in den elementarpädagogischen Einrichtungen wiederum war auch im Lockdown und danach stark gefordert: Denn während die Schulkinder ins Distance Learning geschickt wurden, war auch in den Kinderbetreuungseinrichtungen viel zu tun.

Und jene Kinder, die nachhause geschickt wurden, wurden dort meist von ihren Müttern im Homeoffice betreut – es traf immer die Frauen.

„Frauenberufe“ sind schlechter bezahlt

Der Mythos, dass Frauen an ihren niedrigeren Einkommen selber schuld seien, weil sie sich freiwillig die „falschen“ Berufe aussuchen, hält sich hartnäckig. Aber nicht zuletzt die Coronakrise hat gezeigt, dass „typische“ Frauenberufe wie Pflege, Handel oder Kinderbildung extrem wertvoll sind für unsere Gesellschaft.

Diese Berufe werden einfach deshalb schlechter bezahlt, weil sie „Frauenberufe“ sind – und aus keinem anderen Grund. Das zeigt der Vergleich von Berufen, die man typischerweise Frauen oder Männern zuordnet.

Drei Beispiele

Beide 35 Jahre, BHS-Matura, 15 Jahre Berufserfahrung, 40 Stunden/Woche:
Mann, Energietechniker: 5.241 Euro brutto/Monat
Frau, Elementarpädagogin: 3.668 Euro brutto/Monat -30 Prozent
 
Beide 35 Jahre, Fachhochschule, 11 Jahre Berufserfahrung, 40 Stunden/Woche:
Mann, IT-Sicherheitsmanager: 4.536 Euro brutto/Monat
Frau, Gesundheits- und Krankenpflegerin: 4.055 Euro brutto/Monat -11 Prozent
 

Beide 35 Jahre, Lehre, 19 Jahre Berufserfahrung, 40 Stunden/Woche:
Mann, Verkäufer für Elektronik: 2.467 Euro brutto/Monat
Frau, Friseurin: 2.086 Euro brutto/Monat -15 Prozent

Quelle: www.gehaltsrechner.gv.at mit Datenbasis Statistik Austria

Mythos: freiwillig in Teilzeit

Ein zweiter Mythos hält sich hartnäckig: nämlich jener, dass die Einkommensunterschiede daran liegen, dass Frauen so oft Teilzeit arbeiten. Aber selbst, wenn die Teilzeit herausgerechnet wird und die Jahreseinkommen von Frauen und Männern in Vollzeit verglichen werden, verdienen Frauen so viel weniger, dass sie im Jahr 2021 ab dem 25. Oktober praktisch „gratis“ arbeiten.

Einkommensschere © Tea Mina Jaramaz , AK Wien
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Also bekommen auch Frauen, die in Vollzeit arbeiten, deutlich weniger.

Was aber ist mit den Frauen, die Teilzeit arbeiten? Tun sie das immer freiwillig?
In Umfragen sagen die meisten Frauen, dass sie wegen der Kinder in Teilzeit sind. Viele würden gerne 30 bis 32 Stunden in der Woche arbeiten, doch es fehlt ihnen die Möglichkeit für Kinderbetreuung. Aber anstatt, dass beide Eltern jeweils zum Beispiel 30 Stunden pro Woche arbeiten, arbeitet die Frau dann 20 und der Mann weiter 40 Stunden pro Woche. Oder mehr.

Tipp

Elternteilzeit können Sie teilen!
Es ist kein Naturgesetz, dass Frauen 20 und Männer 40 Stunden arbeiten: Elternteilzeit können beide Eltern gleichzeitig in Anspruch nehmen. Der Vorteil: Verlässliche Arbeitszeiten und absoluter Kündigungs- und Entlassungsschutz für beide Eltern bis vier Wochen nach dem 4. Geburtstag des Kindes.

Mythos: Es liegt am mangelnden Verhandlungsgeschick

Ein weiterer Mythos ist, dass Frauen weniger verdienen, weil sie sich davor scheuen, mehr Geld vom Arbeitgeber zu verlangen. Männer fordern einfach mehr und verhandeln besser, heißt es oft.

Aber: Das Gleichbehandlungsgesetz verbietet ungleiche Bezahlung für Frauen und Männer für gleiche oder gleichwertige Arbeit! Mangelndes Verhandlungsgeschick ist in der Regel eine Ausrede dafür, dass Frauen weniger bezahlt wird als Männern. Laut Gesetz ist der Chef oder die Chefin dafür verantwortlich, dass Frauen und Männer gleichen Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit bekommen.

So finden Sie heraus, was Sie verdienen sollten!

  • Betriebsrat: Wenn es einen Betriebsrat im Unternehmen gibt, ist er die erste Ansprechstelle für alle Fragen zu Einkommen, Einstufung und Kollektivvertrag – und auch zum Einkommensbericht, wenn es im Unternehmen einen gibt.

  • Gewerkschaften: Rat und Unterstützung in Sachen Entgelt und allen sonstigen Fragen zur Arbeit bietet Ihnen auch Ihre Fachgewerkschaft. Sie kennt die Branchen und Kollektivverträge im Detail. Folgen Sie dem Link und finden Sie heraus, wer für Sie zuständig ist.

  • Gehaltsrechner (www.gehaltsrechner.gv.at): Einkommen hängt von vielen Faktoren ab: Beruf, Qualifikation, Branche, Berufserfahrung und auch das Bundesland haben einen Einfluss. Klicken Sie sich durch den Gehaltsrechner für detaillierte Infos, was in welchen Jobs bezahlt wird.

  • Auch ein Blick auf die Gehaltsangaben in Stelleninseraten oder ein Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen kann hilfreich sein. Der eine oder die andere ist sicher bereit, offen über das Thema zu reden.

Die Leistungsträgerinnen der Coronakrise verdienen jedenfalls mehr!

  • Equal Pay Day 2030 soll am 31. Dezember sein!
    Die AK fordert: Im Jahr 2030 soll es keinen Unterschied mehr zwischen frauen- und Männereinkommen geben.

  • Eine Milliarde Euro pro Jahr zusätzlich für Kindergarten, Kinderkrippe und Co.
    Für mehr Plätze für Kinder und bessere Öffnungszeiten, damit Frauen nicht zu Teilzeitarbeit gezwungen werden. Für mehr Personal und kleinere Gruppengrößen, damit mehr Zeit für jedes einzelne Kind bleibt. Und für eine gerechte Bezahlung für das Personal in elementarpädagogischen Einrichtungen.
     
  • 500 Euro für Halbe-Halbe bei der Elternteilzeit
    Wenn beide Eltern 30 bis 32 Stunden pro Woche arbeiten, sollen sie jeweils 250 Euro bekommen.

  • Volle Lohntransparenz im Betrieb!
    Für gleichen Lohn für gleiche oder gleichwertige Arbeit.


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