Arbeits­be­dingte Er­krank­ung­en

Arbeitsbedingte Erkrankungen sind Erkrankungen oder Ge­sund­heits­schädig­ung­en, die durch die Arbeitsbedingungen ganz oder teilweise ver­ur­sacht bzw. deren Verlauf ungünstig beeinflusst werden.

Sie sind schwieriger zu erfassen als Berufskrankheiten, weil sie zumeist nicht auf eine, sondern auf mehrere Ur­sachen zurückzuführen sind. So ist bei­spiels­weise nicht feststellbar, ob ein Band­scheibenvorfall durch Fehlbelastungen am Arbeitsplatz oder in der Frei­zeit verursacht wurde.

Die häufigsten arbeitsbedingten Erkrankungen sind Muskel- und Skelett­er­krank­ung­en, Atemwegserkrankungen, Erkrankungen des Ver­dau­ungs­apparat­es, psychische Erkrankungen und Herz- Kreislauferkrankungen. Etwa die Hälfte aller Erkrankungen ist arbeitsbedingt und arbeitsassoziiert.

Die Ursachen arbeitsbedingter Erkrankungen sind vielfältige arbeitsbedingte Ge­sund­heits­ge­fahr­en, wie häufiges Heben und Tragen schwerer oder un­hand­licher Lasten, Zwangshaltungen, aber auch psychosoziale Belastungen, wie bei­spiels­weise geringer Handlungsspielraum, Überforderung, aber auch zu ge­ringe psychische Anforderungen. Die Betroffenen erhalten in solchen Fällen keine Leistungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung.

Kosten arbeitsbedingter Erkrankungen

Arbeitsbelastungen fügen den österreichischen ArbeitnehmerInnen enorme ge­sund­heit­liche Schäden und damit oft großes menschliches Leid zu. Die Krank­macher kosten außerdem enorm viel Geld. Alleine sechs zentrale körper­liche Belastungsfaktoren – also ohne Berücksichtigung anderer körperlicher Be­last­ung­en und psychischer Krankmacher wie Stress – verursachen 2,8 Milliarden Euro jährlich an gesamtwirtschaftlichen Kosten der aus diesen Be­last­ung­en resultierenden Krankenstände. Zu diesem Ergebnis kam die Studie „Arbeits­be­dingte Erkrankungen – Schätzung der gesamtwirtschaftlichen Kosten mit dem Schwerpunkt auf physischen Belastungen“, die im Auftrag Auf­trag der Arbeiterkammer Wien vom Österreichischen Institut für Wirt­schafts­forsch­ung (WIFO) durchgeführt wurde.

Die Schlussfolgerung aus der Studie: Mehr Aufmerksamkeit auf und In­vest­ition­en in den ArbeitnehmerInnenschutz könnten nicht nur menschliches Leid, sondern auch sehr viel Geld sparen. Oft sind es relativ einfache Maßnahmen des ArbeitnehmerInnenschutzes, die die Erkrankungsgefahr deutlich ver­ring­ern könnten, würden sie konsequent gesetzt.

Die Gesamtkosten von 2,8 Milliarden Euro gliedern sich in rund

  • 570 Millionen an Entgeltfortzahlung und Krankengeld,
  • 930 Millionen an entfallener Wertschöpfung und
  • 1,3 Milliarden an Krankenbehandlungskosten.

Fast ein Viertel aller Krankenstände beruht auf folgenden sechs krank­mach­en­den

körperlichen Arbeitsbelastungen (mit dem Prozentanteil, an dem sie jeweils an der Gesamtmenge der Krankenstände in Österreich beteiligt sind):

  • schwere körperliche Arbeit (19,3 Prozent),
  • die Einwirkung von Vibrationen (16,1 Prozent),
  • die Arbeit mit gefährlichen Stoffen (15,3 Prozent),
  • die Gefahr von Arbeitsunfällen (13,1 Prozent),
  • erzwungene Körperhaltungen bei der Arbeit (6,4 Prozent) und
  • die Belastung, die das Tragen von Schutzausrüstungen (2,8 Prozent) darstellt.

Zudem kommt, dass in der Realität Arbeitsbelastungen häufig kombiniert auf­treten. Forstarbeiter sind beispielweise durch die Arbeit mit Kettensägen Vibra­tionen ausgesetzt, leisten schwere körperliche Arbeit, müssen Schutz­aus­rüst­ung­en tragen und laufen in erhöhtem Ausmaß Gefahr, einen Unfall durch herabstürzende Äste oder umstürzende Bäume zu erleiden. Auf Grund der Häufig­keit von Mehrfachbelastungen liegt die Summe der für die einzelnen Be­last­ung­en aufgelisteten Prozentsätze weit über den oben genannten 23 Pro­zent der Krankenstände, die den sechs physischen Faktoren insgesamt zu­ge­schrieb­en werden. Dazu zwei Zahlen: In rund 20 Prozent der Krankenstände liegen mindestens zwei der sechs Faktoren vor, in über 14 Prozent sogar min­des­tens vier.

Prävention

Arbeitgeber sind verpflichtet, für Sicherheit und Gesundheitsschutz der Be­schäftigt­en in Bezug auf alle Aspekte die die Arbeit betreffen zu sorgen. Dazu ge­hören neben Maßnahmen zur Vermeidung arbeitsbedingter Ge­sund­heits­ge­fahr­en und arbeitsbedingter Erkrankungen auch die Information und Unter­weis­ung sowie die Bereitstellung einer geeigneten Organisation und er­ford­er­liche Mittel.

Gesetzliche Grundlage

  • § 3 ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG)