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Führen höhere Abgabenquoten zu geringerem Wirtschaftswachstum?

Die Idee zur Durchführung dieser Untersuchung entstand im Europäischen Forum Alpbach mit der Themensetzung „Abgabenquoten und Wirtschaftswachstum“. Mehrere Wirtschaftsforscher begannen ihre Rede damit, dass eine Erhöhung der Abgabenquote um x Prozentpunkte zu einer Senkung der Wachstumsrate um y Prozentpunkte führe. Dies wurde quasi als Naturgeset vorgestellt und war den anwesenden Journalisten und Politikern offenbar so einleuchtend, dass es nicht einmal zu einer Frage kam. Auch für den ökonomischen Laien hätte sich die Frage erheben können, warum dann die skandinavischen Staaten hohe Abgabenquoten und im Normalfall relativ gute Wachstumsraten haben. So sehr sitzt die Vorstellung in den Köpfen, dass die Krake Staat die Entrepreneurkraft des freien Unternehmers lähmt, dass sich gar nichts anderes als eine Wachstumseinbuße durch Steuererhöhungen denken lässt. Wer das Gegenteil behauptet gilt als unwissenschaftlich und als Ideologe.

Woher stammt diese Evidenz? Die OECD hat in einer vielbeachteten Studie (OECD 2003) auf Basis eines Wachstumsmodells, das das BIP pro Kopf, das physische Kapital, das Humankapital, das Wachstum des Arbeitskräftepotentials, die Forschungsausgaben und die Steuerstruktur als erklärende Variablen kennt, den Einfluss der Abgabenquote auf das Wirtschaftswachstum getestet. In der Hauptvariante kommt hier ein hochsignifikanter negativer Zusammenhang heraus.

Das Hauptergebnis lautet: Eine Erhöhung der Abgabenquote um einen Prozentpunkt bewirkt eine Reduktion der Wachstumsrate um 0,6 Prozentpunkte. Berücksichtigt man die Wirkung der steuerfinanzierten zusätzlichen Staatsausgaben, dann reduziert sich dieser Wert auf rund 0,3 Prozentpunkte. Kalkuliert man auch die indirekte Beeinflussung der direkten Steuern auf Investitionen, dann erhält man wieder einen Wert um 0,6. Das gilt als Credo, das in keiner politisch-ökonomischen Veranstaltung fehlen darf. Aber ist das plausibel? Wütet in den skandinavischen Volkswirtschaften der Wirtschaftswachstumselch, der nur durch fiskalische Fesseln gehindert wird, das Wirtschaftswachstum auf weistellige Raten bringen zu lassen?


Art der Publikation Studie
Datum / Jahr September 2010
HerausgeberIn Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien
AutorIn Otto Farny, Petra Innreiter, Gertraud Lunzer, Vanessa Mühlböck, Martin Saringer
ISBN 978-3-7063-0400-9

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