10.9.2020

Entlastung pflegender Angehöriger kann 20.000 neue Arbeitsplätze bringen 

„Rund 250.000 Berufstätige, die daheim ein pflegebedürftiges Familienmitglied begleiten, haben es immer schwer, Beruf und private Pflegeaufgaben unter einen Hut zu bringen. Ständig sind sie physischer und psychischer Überforderung ausgesetzt“, erklärt AK Präsidentin Renate Anderl. 

In Coronazeiten wird das noch durch die Gefahr einer Ansteckung von sich selbst und den pflegebedürftigen Angehörigen verschärft. Durch beschränkte Sozialkontakte fallen auch Unterstützungen durch Nachbarn und Freunde weg.

Auch die 24-Stunden-Betreuung war und ist in Coronazeiten keine verlässliche Stütze. Durch immer wiederkehrende Einreisebeschränkungen war eine Betreuung nicht durchgehend gewährleistet.

Umso wichtiger ist für die AK Präsidentin der Ausbau leistbarer, zeitlich flexibler, mehrstündiger Entlastungsdienste durch professionelle mobile Dienste oder Kurzzeitpflege. Damit können neben der Entlastung der Pflegenden auch bis zu 20.500 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. 

Die Vorteile einer Verdopplung der Leistungsstunden der mobilen Betreuung und Pflege 

  • Bei einer Verdoppelung von 16,5 Mio. auf 33 Mio. Leistungsstunden bis zum Jahr 2025 könnten rund 20.500 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

  • Damit könnten rund 15.000 pflege- und betreuungsbedürftigten Menschen 20 Stunden Pflege und Betreuung pro Woche angeboten werden.
     
  • Pflegenden Angehörigen würde damit die Möglichkeit gegeben, notwendige Pausen und Auszeiten zu nehmen.
     
  • Das Risiko für Überforderung, Burnout und langfristige gesundheitliche Probleme bei pflegenden Angehörigen würde eingeschränkt.
     
  • Die Lücke zwischen Pflegeheim und 24-Stunden-Betreuung könnte so geschlossen werden.

Aktuelle Situation unzumutbar

Schon vor der Krise hat der Rechnungshof im Bericht vom Februar 2020 festgestellt, dass derzeit in Österreich eine betreute Person durchschnittlich nur 2 Stunden pro Woche mobile Dienst in Anspruch nimmt. Bedenkt man, dass eine Person, die Pflegegeld der Stufe 1 bezieht, einen Hilfs- und Betreuungsaufwand von 65 Stunden im Monat hat, ist unschwer zu erkennen, dass sich das mit dem derzeitigen Angebot nie ausgehen kann.

Würden sich alle PflegegeldbezieherInnen, die zu Hause leben, entscheiden, mobile Dienste in Anspruch zu nehmen, dann stünde derzeit für eine Person nicht einmal eine ganze Stunde pro Woche zur Verfügung. Anderl: „Ein Ausbau ist unumgänglich.“