28.11.2017
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Schule: Migrationshintergrund von SchülerInnen nicht ausschlaggebend für Leistungsunterschiede

Leistungsunterschiede zwischen SchülerInnen mit und SchülerInnen ohne Migrationshintergrund haben wenig damit zu tun, ob Deutsch Erstsprache der Kinder ist oder nicht. Zu diesem Ergebnis kommt Barbara Herzog-Punzenberger in ihrer Studie „Migration und Mehrsprachigkeit“, die sie auf einer Veranstaltung in der Arbeiterkammer Wien präsentiert hat. In Mathematik und Englisch, so Herzog-Punzenberger, schneiden einige Sprachgruppen ähnlich oder besser als einsprachig deutschsprachige SchülerInnen ab. Andere wieder liegen dahinter. 

Bildungshintergrund der Eltern entscheidender

Ausschlaggebend für Leistungsunterschiede in der Schule ist der Bildungshintergrund der Eltern, ergab die Studie. Das gilt sowohl für Kinder, die deutschsprachig aufgewachsen sind, als auch für SchülerInnen, die eine andere Erstsprache als Deutsch haben. 

Eine wichtige Rolle spielt auch das Alter, in dem die Kinder nach Österreich kamen. In den meisten Sprachgruppen schneiden die bereits in Österreich geborenen oder als Kleinkinder zugewanderten SchülerInnen besser ab als später zugewanderte. 

Das gilt nicht für Kinder aus Deutschland oder aus den osteuropäischen Ländern. Unter ihnen haben jene die besten Ergebnisse, die erst nach dem zehnten Lebensjahr nach Österreich kamen. Das könnte mit dem sozialen Hintergrund oder mit dem Mathematikunterricht im Herkunftsland zu tun haben, vermutet Herzog-Punzenberger. 

Frühe Aufteilung der Zehnjährigen

Verstärkt werden die Leistungsunterschiede zwischen den SchülerInnen in Österreich durch die frühe Aufteilung der Zehnjährigen auf Gymnasium und Neue Mittelschule, analysiert Herzog-Punzenberger schließlich. Österreich weist wesentlich stärkere Unterschiede in den Leistungstests der achten Schulstufe auf als Länder mit einer späteren Trennung. Das verschlechtere die Lernergebnisse von Kindern mit einer anderen Erstsprache als Deutsch zusätzlich. 

AuftraggeberInnen der Studie sind die Caritas Österreich, die Caritas Wien, das Rote Kreuz, der Arbeiter-Samariter-Bund Österreichs, die Industriellenvereinigung, die Wirtschaftskammer Österreich, der Gewerkschaftsbund und die Arbeiterkammer. Ihre VertreterInnen stellten auf der Veranstaltung ihre Positionen zum Thema vor.

Mehrsprachigkeit als Chance nutzen

Unsere Schulen müssen mit der Mehrsprachigkeit ihrer SchülerInnen besser umgehen können. Das ist der Tenor der AuftraggeberInnen der Studie „Migration und Mehrsprachigkeit“. Auf der Veranstaltung in Wien, auf der die Studie präsentiert wurde, stellten sie auch ihre Positionen zum Thema vor. AuftraggeberInnen sind die Caritas Österreich, die Caritas Wien, das Rote Kreuz, der Arbeiter-Samariter-Bund Österreichs, die Industriellenvereinigung, die Wirtschaftskammer Österreich, der Gewerkschaftsbund und die Arbeiterkammer.

AK Präsident Rudi Kaske: Vielfalt der Sprachen nutzen

„Unser Anliegen ist chancengerechte Bildung für alle“, sagt AK Präsident Rudi Kaske. Mehrsprachigkeit sei „ein Schatz, den wir heben müssen“. Damit bekäme jedes Kind seine Chance, seine Talente zu entfalten. Andererseits werde so „ein gedeihliches Miteinander statt sozialer Spaltung“ sichergestellt. Das bringe auch Vorteile in der Arbeitswelt.

IV Präsident Georg Kapsch: Sprachförderkonzept für Deutsch notwendig

„Mehrsprachigkeit braucht Wertschätzung. Gleichzeitig müssen wir aber auch den Erwerb der Bildungssprache Deutsch für alle Kinder sicherstellen“, betont IV-Präsident Georg Kapsch. Dreh- und Angelpunkt dafür sei die Etablierung eines nachhaltigen und durchgängigen Sprachbildungs- und -förderkonzepts: „Über alle Bildungsstufen, mit optimalen Übergängen und standortspezifische Lösungen.“

ÖGB-Präsident Erich Foglar: Bessere Rahmenbedingungen schaffen

„Um den Herausforderungen der sprachlichen Vielfalt gerecht zu werden, brauchen unsere Bildungseinrichtungen bessere Rahmenbedingungen”, meint Erich Foglar. Dies gelte sowohl für eine hinreichende Ausstattung mit den Ressourcen für sprachliche Förderung, als auch für möglichst großen Spielraum bei der Verwendung der Mittel. „Voraussetzung dafür ist aber eine möglichst engmaschigen Kontrolle“, so Foglar.

WKÖ-Präsident Christoph Leitl: Chancen der Migration und Integration nutzen

„Die Integration von Migranten, von Flüchtlingen mit Asylstatus sehe ich als große Chance für unser Land“, so WKÖ-Präsident Christoph Leitl: „Damit junge Menschen mit Migrationshintergrund ihre Talente heben und ihre Berufschancen nutzen können, brauchen wir auch eine effektive Neugestaltung der Aus- und Weiterbildungsangebote für Pädagogen – und einer gezielteren Anwerbung von mehrsprachigen Personen für diese Berufe.“

Caritas Präsident Michael Landau: Eltern frühzeitig einbinden

„Kindergärten und Schulen sind zentrale Orte der Sprachförderung. Pädagoginnen und Pädagogen leisten Bemerkenswertes, sind aber auf die Mithilfe der Eltern angewiesen. Vor dem Hintergrund der Studienergebnisse sind wir überzeugt: Um auch Kinder mit Sprachförderbedarf auf die Bildungsreise mitzunehmen, sollen Eltern bereits frühzeitig mit eingebunden werden. Es wichtig, dass sie dabei an jedem Schulstandort von Expertinnen und Experten tatkräftig unterstützt werden“, so Caritas Präsident Michael Landau und weiter: „Klar ist, wenn wir in unserer von Diversität geprägten Gesellschaft kein Kind zurück lassen und kein Talent, keine Begabung ungenutzt lassen wollen, dann müssen wir Rahmenbedingungen verbessern, PädagogInnen stärken und Vielfalt nutzen.“

ASBÖ-Präsident Franz Schnabl: Investition in unsere Zukunft

„Bildungseinrichtungen agieren nicht losgelöst von ihrem Umfeld. Nur im Zusammenspiel mit Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und den zahlreichen außerschulischen Partnern können sie auch nachhaltigen Erfolg erzielen“, erklärt Arbeiter-Samariter-Bund-Präsident Franz Schnabl: „Für die Verknüpfung erfolgreicher Sprachförderung mit beruflicher und sozialer Integration unserer Kinder braucht es daher künftig: einheitliche Beratungsstandards, transparente Ressourcenverwendung und wissenschaftlich gestützte Evaluation von Fördermaßnahmen. Das verlangt zwar jetzt nach zusätzlichen Mitteln, ist aber eine Investition in unser aller Zukunft.“

Rotekreuz-Präsident Gerald Schöpfer: humanitäre Aufgabe

„Auch die Beseitigung von Bildungsbenachteiligung ist eine humanitäre Aufgabe“, sagt Gerald Schöpfer, Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes. „Sie muss auf wissenschaftlicher Basis erfolgen. Politik, Verwaltung und Pädagogik sind daher aufgefordert, die Befunde unserer Studie ‚Migration und Mehrsprachigkeit‘ zu diskutieren.“

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