AK Präsidentin Renate Anderl beim Verteilen der AK Pendlerfahrpläne. © Lisi Specht
AK Präsidentin Renate Anderl beim Verteilen der AK Pendlerfahrpläne. © Lisi Specht
7.12.2018

Arbeitswege, Arbeitszeiten: Kürzer unterwegs, mehr Zeit zum Leben

Lange arbeiten, dann lange Heimfahrten, dazu Kinder von A nach B bringen. Eine neue Studie „Arbeitswege und Arbeitszeit – Zeit für mein Leben?“ im Auftrag der AK zeigt: Die Menschen sind immer länger unterwegs und kommen durch Betreuungspflichten und lange Arbeitszeiten zusätzlich unter Druck. Deshalb setzt sich die AK für schnellere Arbeitswege und für Arbeitszeiten ein, die den Menschen ermöglichen, Beruf und Privates besser zu vereinbaren.

AK Präsidentin Renate Anderl: „Derzeit rasen zwei Züge aufeinander zu: Immer längere Arbeitszeiten und immer längere Wegzeiten. Auf der Strecke bleiben die Familie, das Privatleben, die Sicherheit.  Wir brauchen eine Doppelstrategie: Arbeitszeiten, die zu den Menschen passen und schnellere Arbeitswege durch den weiteren Ausbau der Bus- und Bahn-Angebote.“

Unsere Forderungen

Arbeitszeit neu

  • Das Arbeitszeitgesetz muss zurück an den Start. Es muss auch um Arbeitszeitverkürzung gehen. Denn die Arbeitszeit muss sich auch an den Bedürfnissen der Beschäftigten orientieren und darf nicht nur ein Wunschkonzert der Wirtschaft sein. Ein Arbeitszeitgesetz, das den Wünschen der Menschen entspricht, müsste gewährleisten: 

  • Ein Recht auf die Vier-Tage-Woche. Davon würden PendlerInnen mit langen Wegen profitieren. 

  • Gleitzeit, wo es für die Menschen passt. 

  • Ein leichterer Zugang zur 6. Urlaubswoche für alle hilft, den wachsenden Druck in der Arbeitswelt abzufedern.

Nahverkehrsmilliarde jetzt!

  • Der Verkehrsminister hat eine „Nahverkehrsmilliarde“ versprochen. Es wird höchste Eisenbahn, dass er konkrete Erweiterungen des Nahverkehrsangebots benennt.  Der neue Fahrplan, der ab dem 9. Dezember gilt, bringt eine geringe Fahrplanausweitung. So gibt es eine Schließung von Taktlücken und einen Halbstundentakt der S 80 (Hütteldorf – Aspern Nord) und es werden fünf Millionen Euro in Verbesserungen der Kremser- und Kamptalbahn, der Erlauftal-, Traisental-, Puchberger- und Gutensteinerbahn investiert.

  • Mehr Geld muss rasch Verbesserungen bringen. 120 Millionen mehr gibt es mit den jetzt neu verhandelten Verkehrsdiensteverträgen von den Ländern. Das geht in die richtige Richtung. Die Verträge sehen eine Aufstockung um noch einmal rund 18 Millionen Euro vor. Diese Aufstockung muss schnell kommen, etwa für die dringend nötige Aufstockung des Angebots auf der Südbahn. Das Bahnangebot in der Ostregion wird in mehrjährigen „Verkehrsdiensteverträgen“ bestellt, zwischen dem Bund, Wien, Niederösterreich und dem Burgenland auf der einen Seite und dem Verkehrsverbund Ostregion (VOR) andererseits.

  • Mehr S-Bahn für Wien: Noch immer gibt es keinen durchgängigen 15-Minuten-Mindesttakt auf allen S-Bahn-Linien. Davon würden alle profitieren, WienerInnen und PendlerInnen.

  • Keine weiteren Verzögerungen beim Bahn-Ausbau: So ist der Ausbau etwa der Südbahn, der Strecke Hütteldorf - Meidling (Verbindungsbahn) sowie die Geschwindigkeitserhöhung auf der Nordbahn vom Verkehrsministerium verschoben worden. Noch im Plan ist der Ausbau der Pottendorfer Linie bis 2025 und der Marchegger Ostbahn bis 2023. 

So lange sind die ÖsterreicherInnen unterwegs
Im Schnitt sind die Österreicherinnen und Österreicher täglich 80 Minuten auf Achse, um ihre wichtigsten Wege zu bewältigen: 54 Minuten nimmt allein der Weg zur Arbeit und zurück in Anspruch.  Aber jeder Vierte ist inzwischen viel länger unterwegs. Dazu kommen im Schnitt weitere 26 Minuten Wegezeit für tägliche Erledigungen, Kinderabholungen und ähnliches.  

So weit sind die ÖsterreicherInnen unterwegs
Im Schnitt sind die erwerbstätigen Österreicherinnen und Österreicher 47 Kilometer täglich unterwegs, 34 Kilometer entfallen dabei auf den Weg zur Arbeit und wieder zurück.   

Die Arbeitswege werden immer länger
Allein zwischen 2009 und 2016 stieg die Zahl der Menschen, die in ganz Österreich über Bezirksgrenzen hinweg zur Arbeit fahren von rund 730.000 auf rund 880.000 (plus 20 Prozent!) 

40 Stunden plus X 
Viele arbeiten länger als 40 Stunden, nämlich 33 Prozent der Männer und 13 Prozent der Frauen. 

Daheim warten sie auf Dich!
1,1 Millionen Erwerbstätige (24% der Erwerbstätigen) betreuen zu Hause Kinder. Jeder Zehnte kümmert sich um betreuungsbedürftige Verwandte, steht also unter einer Doppelbelastung. 

Auto, Bus, Bim 
600.000 Menschen in ganz Österreich fahren mit Bus, Bim oder Bahn zur Arbeit. Schon jetzt meinen 34 Prozent der PendlerInnen, dass ihr Fahrplanangebot gerade noch ausreichend ist, 30 Prozent beurteilen es als ungenügend. Das betrifft vor allem das Angebot außerhalb der Hauptverkehrszeiten zwischen 6 und 9 Uhr und zwischen 16 und 19 Uhr. Hier ist das Öffi Angebot dünner und das bedeutet längere Wartezeiten. Wer also überlange Arbeitstage bewältigt, kommt mit den Öffis kaum noch nach Hause oder braucht sehr viel Zeit für den Arbeitsweg. 

Stadtverkehr ist anders
Die erwerbstätigen Wienerinnen und Wiener haben kürzere Wege: etwa 37 Kilometer pro Tag, wenden dafür aber täglich 92 Minuten auf. Davon sind die Arbeitswege hin und zurück sind im Schnitt 22 Kilometer lang und nehmen 64 Minuten in Anspruch. Der Rest sind Wege und Zeiten für die täglichen Erledigungen von Einkauf bis Kind abholen. Das gilt für AutofahrerInnen wie für Öffi-NutzerInnen. Denn wer in Wien oder im Speckgürtel mit dem Auto unterwegs ist, steht öfter im Stau oder an Ampeln. 

Studie   

Die Verkehrsexperten von „Research & Data Competence OG“ haben für die vorliegende Studie im Auftrag der AK die aktuellsten Daten zu PendlerInnen in Österreich von der Statistik Austria und der Befragung „Österreich unterwegs 2013/2014“ (18.232 befragte Haushalte) neu ausgewertet. 

Weg zur Arbeit

Soviel Zeit brauchen die Österreicher für den Arbeitsweg in eine Richtung

Bis 10 Minuten 28%1,21 Millionen
10 bis 20 Min 26%1,12 Millionen
20 bis 30 Min 19%820.000
30 bis 45 Min 13%561.000
45 bis 60 Min 6%259.000
60 bis 90 Min 5%216.000
90 Minuten plus x 2%86.000
Pro Tag länger als 90 Minuten hin und zurück zur Arbeit fahren in Österreich über 560.000 Menschen!

So lange dauert der Weg zur Arbeit:

Wien 32 min
Zentrum/West 27 min
Süd/Donau 36 min
Niederösterreich 32 min
Zentralraum 30 min
Mostviertel 21 min
Waldviertel 25 min
Weinviertel 44 min
Industrieviertel 34 min
Burgenland32 min
peripher 31 min
zentral 32 min

So weit fährt man auf dem Weg zur Arbeit:

Wien11 km
Zentrum/West09 km
Süd/Donau13 km
Niederösterreich21 km
Zentralraum18 km
Mostviertel15 km
Waldviertel21 km
Weinviertel28 km
Industrieviertel21 km
Burgenland27 km
peripher28 km
zentral 26 km

In Wien waren 2009 rund 600.0000 Menschen unterwegs, 2016 waren es fast 660.000 (plus 10 Prozent). Die Zahl der EinpendlerInnen aus den Bundesländern stieg von rund 250.000 (2009) auf 263.000 (2016) plus 5,2 Prozent. Die Zahl der AuspendlerInnen von Wien stieg von rund 80.000 (2009) auf rund 94.000 (2016) plus 18 Prozent.

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„Damit wir nicht immer mehr Lebens­zeit im Verkehr verbringen, muss weiter massiv in den Ausbau des öffentlichen Personen­nah­verkehrs in­vestiert werden.“

Renate Anderl

AK Präsidentin