Kind stützt Kopf auf Hände © cameravit, stock.adobe.com
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17.12.2021

Kinderkostenstudie für Reform nutzen!

Die lange von der AK geforderte und am 17.12.2021 veröffentlichte Kinderkostenstudie zeigt, wie dringend der Handlungsbedarf ist. Denn beinahe jeder zweite Alleinerzieher:innen-Haushalt ist armuts- und ausgrenzungsgefährdet.

Finanzielle Absicherung darf nicht vom Wohlstand der Eltern abhängen

„Die finanzielle Absicherung der Kinder darf nicht alleine vom Wohlstand der Eltern abhängen. Es braucht eine garantierte Unterhaltssicherung und Anpassungen“, sagt AK Präsidentin Renate Anderl. Sie fordert, dass die „Ergebnisse der Kinderkostenstudie jetzt zügig umgesetzt werden“, zumal die Reform des Unterhaltsrechts im Regierungsübereinkommen von 2020 steht.

Die Zahlen sprechen leider für sich: Fast jedes 5. Kind in Österreich ist armutsgefährdet. Bei Alleinerzieher:innen ist fast jedes 2. Kind armuts- und ausgrenzungsgefährdet. 362.000 Kinder leben in Haushalten, die sich unerwartete Ausgaben nicht leisten können. Und was in Zeiten der Pandemie und von Homeschooling besonders schlimm ist: 65.000 Kinder wohnen in Haushalten, die sich keinen PC leisten können.

Ein weiteres Problem ist, dass laut Statistik Austria rund 36 Prozent der Alleinerzie-her:innen keinen (regelmäßigen) Kindesunterhalt vom anderen Elternteil bekommen. Im Durchschnitt erhalten Kinder einen gesetzlichen Unterhaltsvorschuss von 250 Euro im Monat. Dieser Betrag ist völlig unzureichend, um die tatsächlichen Kinderkosten auch nur annähernd zu decken.

„Deshalb ist es umso wichtiger, dass die Ergebnisse der aktuellen Kinderkostenstudie rasch dazu genutzt werden, um eine längst überfällige Reform des Unterhaltsrechts durchzuführen“, so die AK Präsidentin.

Denn es gilt, Lücken im Unterhaltsrecht zu schließen und die sogenannten Regelbedarfssätze (Kontrollgröße für die Unterhaltsbemessung, die die durchschnittlichen monatlichen altersgemäßen Kosten für ein Kind abdecken soll) anzupassen.

Unsere Forderungen

  • Eine staatliche Unterhaltsgarantie, mit der rasch und unbürokratisch auf den Regelbedarfssatz aufgestockt werden kann, wenn der Unterhalt oder Unterhaltsvorschuss nicht oder in unzureichender Höhe bezahlt wird.

  • Eine Neufestsetzung der Regelbedarfssätze auf Basis einer zeitgemäßen Kinderkostenerhebung. Der jetzt zugrundeliegende Warenkorb stammt aus dem Jahr 1964 und kann trotz jährlicher Indexanpassung die durchschnittlichen Bedürfnisse der Kinder nicht mehr abbilden.

  • Einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz ab dem 1. Geburtstag des Kindes. Damit wird Eltern eine Erwerbstätigkeit ermöglicht, die eine wichtige Basis für die Bewältigung der Kinderkosten ist.
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