5.11.2019

Anderl: „Jetzt mehr Lehr- und Schulplätze schaffen“

„Bei der Ausbildungspflicht für Jugendliche müssen jetzt endlich auch die Unternehmer und die Schulen mitmachen“, verlangt AK Präsidentin Renate Anderl.

Zwar dürften die zusätzlichen Maßnahmen des Sozialministeriums zur Betreuung von Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz funktionieren. Es gibt aber viel zu wenige reguläre Lehrplätze.

Österreichweit suchen 22.000 Jugendliche eine Lehrstelle im Betrieb

Laut AK Analyse haben derzeit 22.000 Jugendliche trotz Suche keine Lehrstelle im Betrieb. Anderl: „Da müssen die Unternehmer endlich neue, gute Lehrplätze schaffen. Und in Wien brauchen wir auch neue Schulplätze. Denn hier steigt die Zahl der Jugendlichen Jahr für Jahr.“

Zur Analyse des Lehrstellenmarkts haben die AK ExpertInnen die Zahlen des Arbeitsmarktservice und der Wirtschaftskammer für Ende September ausgewertet. In diesem Monat zeigt sich am deutlichsten, wer nach Schulschluss im Juli eine Lehrstelle gefunden hat und wer nicht. Das Ergebnis ist nicht erfreulich.

Genau 21.877 Jugendliche hatten Ende September trotz Suche keine Lehrstelle in einem Betrieb – um 1.156 mehr als vor einem Jahr (20.721 ohne Lehrstelle in einem Betrieb). Sie suchen entweder direkt einen Lehrplatz, sind in Schulungen des Arbeitsmarktservice oder in einer überbetrieblichen Ausbildung. Für sie meldeten die Unternehmer 8.838 sofort verfügbare offene Lehrstellen. Das ist zwar ein Plus von 1.123. Die Lehrstellenlücke bleibt aber gleich groß. Es fehlen 13.039 Lehrstellen (voriges Jahr: 13.006).

Auch die Zahl der LehranfängerInnen in den Betrieben ist im Vergleich zum Vorjahr praktisch unverändert: 31.420 (2018: 31.604). Anderl: „Hätten wir keine öffentlich finanzierte überbetriebliche Lehrausbildung, würden zusätzlich tausende Jugendliche auf der Straße stehen. Da müssen die Unternehmer endlich neue, gute Lehrplätze schaffen. Es reicht nicht, immer nur über den Fachkräftemangel zu jammern. Fachkräfte müssen auch ausgebildet werden.“

In Wien bringt Schulplatzmangel Jugendliche zusätzlich unter Druck

Für Wien verlangt die AK Präsidentin überdies vom Bund mehr Schulplätze in berufsbildenen Schulen wie HTL, HAK oder Handelsschulen: „Wien wird jünger, die Zahl der Jugendlichen steigt. Gibt es mehr Schulplätze, können mehr Jugendliche ihre Ausbildungspflicht in der Schule erfüllen. Und wir nehmen damit auch Druck vom Lehrstellenmarkt.“

Tipp

In der Berufsorientierung hilft die AK Wien ab morgen mit ihren L14-Bildungs- und Berufsinfotagen. 6. bis 9. November 2019. Eintritt frei! Familienprogramm Freitag 14 bis 17 Uhr, Samstag 9 bis 17 Uhr; AK Wien Bildungszentrum, 1040, Theresianumgasse 16-18.