25.3.2020

Anderl: Jetzt ist nicht die Zeit der großen Dividenden

„Viele Unternehmen melden derzeit Kurzarbeit an und sichern so in dieser Zeit der Krise wichtige Arbeitsplätze. Ich freue mich sehr, dass die Betriebe diesen so wertvollen Beitrag leisten. Die Sozialpartner haben gemeinsam mit der Bundesregierung sehr rasch gehandelt, um die Wirtschaft zu stützen. Zusätzlich wurde ein 38 Milliarden Euro schweres Hilfspaket für Unternehmen auf den Weg gebracht. Da muss es jetzt auch ein Gebot der Stunde sein, dass das Geld im Unternehmen bleibt und nicht das Füllhorn über die Aktionärinnen und Aktionäre ausgeschüttet wird“, fordert AK Präsidentin Renate Anderl.  

Dividendensaison steht vor der Tür

Die Dividendensaison steht vor der Tür – und sie wird nach Berechnungen der AK Wien wieder hohe Ausschüttungen bringen. Bislang haben laut Markus Oberrauter, Betriebswirt in der AK Wien, 14 Konzern, die im Leitindex der Wiener Börse ATX gelistet sind, ihre Konzernabschlüsse (zum Teil vorläufig) vorgelegt. Das entspricht 70 Prozent des ATX. Diese 14 Unternehmen haben ein den AktionärInnen zurechenbares Ergebnis von 7,15 Milliarden Euro erwirtschaftet. Die geplanten Dividenden belaufen sich auf Basis dieser Zahlen auf 2,95 Milliarden Euro. Davon stammen alleine rund 1,2 Milliarden Euro von den drei Banken Erste, Bawag und RBI, was einer Steigerung von sieben Prozent gegenüber der Rekordsumme des Vorjahres entsprechen würde.

„Damit würden wir im gesamten ATX im heurigen Jahr erneut die 3-Milliarden-Grenze sprengen und ein neues Rekordniveau erreichen“, rechnet Oberrauter hoch. Denn bislang planen lediglich zwei Konzerne eine niedrigere Dividende (Andritz und Lenzing), die Post eine unverändert hohe Auszahlung und die restlichen elf eine teils deutliche Erhöhung (die Bandbreite liegt zwischen 1,9 und 64,3 Prozent).   

Massive Ausschüttungspolitik beenden!

„In den vergangenen Jahren sind die Ausschüttungen stetig gestiegen, Aktionärinnen und Aktionäre haben gut verdient. Jetzt ist es aber an der Zeit, diese massive Ausschüttungspolitik zu beenden“, fordert die AK Präsidentin. Denn für die Existenz der Unternehmen und damit der Sicherung der Arbeitsplätze ist es wichtig, sämtliche Reserven, die in der guten konjunkturellen Phase vor der Corona-Krise gesammelt wurden, auch für die Bewältigung der Krise einzusetzen.

Zudem verweist Anderl auf internationale Beispiele, die angesichts der Krise zu einem Dividenden-Verzicht auffordern. So empfahl die schwedische Finanzaufsicht allen Banken und Kreditfinanzern auf den Hauptversammlungen eine Streichung der Dividende vorzuschlagen. Die spanische Großbank Santander lässt ihre geplante Zwischendividende bereits ausfallen. Und die deutsche Finanzaufsicht BaFin fordert Banken zumindest zu einer Zurückhaltung bei Dividenden und Boni auf.

„Wer sich jetzt beim Staat um finanzielle Unterstützung anstellt, wird diese bekommen. Denn unser aller Ziel muss sein, eine Pleitewelle und damit den Verlust tausender Arbeitsplätze zu verhindern. Gleichzeitig kann es aber nicht sein, dass trotz finanzieller Unterstützung Dividenden ausgeschüttet werden“, schließt Anderl.