21.10.2019

Equal Pay Day 2019: Ab heute arbeiten Österreichs Frauen „gratis“

Der österreichweite Equal Pay Day fällt heuer auf den 21. Oktober. Das heißt: Österreichs Frauen arbeiten heuer im Verhältnis zu den Männern 72 Tage „gratis“. Männer haben zu diesem Zeitpunkt bereits so viel verdient wie Frauen im ganzen Jahr. Frauen in Österreich verdienen heuer im Durchschnitt um rund 10.000 Euro pro Jahr bzw. um 19,7 Prozent weniger als Männer (auf Basis von Vollzeitbeschäftigung). Im Jahr 2018 fand der österreichweite Equal Pay Day am 20.10. statt. Heuer gibt es eine Verbesserung um einen Tag. 

„Mehr Zeit für mich/für uns!“: Haushaltsplan für faire Verteilung

Wer räumt den Geschirrspüler ein? Wer holt die Kinder ab? Wer bringt den Müll hinunter? Diese Arbeit leisten deutlich öfter Frauen als Männer – eine Mehrbelastung, die oft negative Auswirkungen auf Gesundheit, soziale Absicherung und Karrierechancen hat. Frauenstadträtin Kathrin Gaal, AK-Präsidentin Renate Anderl und ÖGB-Vizepräsidentin Korinna Schumann machten am 21. 10. unter dem Motto „Mehr Zeit für mich/für uns!“ bei einer Aktion auf der Mariahilfer Straße auf die Lohnschere und die ungleiche Verteilung von unbezahlter Arbeit zwischen Frauen und Männern aufmerksam.

Mit einem Haushaltsplan zum Ausfüllen können Männer und Frauen vergleichen, wieviel Zeit sie mit Kochen, Putzen, Wäsche waschen und Co. verbringen. Er soll helfen, Hausarbeit fair zu organisieren.

Die Infoveranstaltung des Frauenservice Wien fand in Kooperation mit dem Frauenausschuss des Österreichischen Städtebunds, den ÖGB-Frauen und der Arbeiterkammer statt. Infos: frauen.wien.at, arbeiterkammer.at/fairerlohn, oegb.at/frauen, staedtebund.gv.at.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!

„Frauen in Österreich arbeiten heuer im Vergleich zu Männern im Durchschnitt 72 Tage unbezahlt. Diese aktuellen Zahlen zeigen deutlich, dass es noch viel zu tun gibt. Wir wollen die Lohnschere schließen. Unser Ziel ist: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“, so Frauenstadträtin Kathrin Gaal, die Vorsitzende des Frauenausschusses des Österreichischen Städtebundes. Die Frauenstadträtin weist einmal mehr darauf hin, wie wichtig es ist, sichtbar zu machen, dass Frauen einen deutlich höheren Anteil an unbezahlter Arbeit leisten – und dadurch oft einer höheren Belastung ausgesetzt sind als Männer sowie weniger Freizeit haben.

Und: „Frauen leisten nach wie vor einen Großteil der unbezahlten Arbeit und kümmern sich um Hausarbeit, Kindererziehung und Pflege von Angehörigen. Das wirkt sich auf das Einkommen und die Pension aus. Die Einkommensschere setzt sich in der Pension fort. Altersarmut betrifft noch immer vor allem Frauen. Das ist alarmierend“, so Frauenstadträtin Kathrin Gaal.  

„Ich finde es empörend, dass wir im Jahr 2019 im hochentwickelten Österreich immer noch über gleiche Bezahlung von Frauen und Männern reden müssen“, sagt AK-Präsidentin Renate Anderl. „Die niedrigeren Einkommen von Frauen sind durch einige Faktoren erklärbar, darunter Teilzeitarbeit oder generell geringere Einkommen in so genannten Frauenbranchen. Es bleibt aber immer noch ein nicht erklärbarer Rest.“ Hinzu komme, und auch das sei nicht neu, dass Frauen den überwiegenden Teil der unbezahlten Arbeit – Haushalt sowie Betreuung und Pflege von Kindern und Angehörigen – leisten. Für kluge politische Entscheidungen braucht es aktuelle Daten, so Anderl. „Es ist wichtig zu wissen, was Männer und Frauen im Laufe des Tages tun und ob sich die Arbeitsaufteilung im Lauf der Zeit verändert. Die letzte Erhebung zur Zeitverwendung ist zehn Jahre alt. Neben Maßnahmen zur Anhebung von Fraueneinkommen und zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben brauchen wir also auch dringend eine neue Zeitverwendungsstudie. Denn mit schlechten Daten kann man keine gute Politik machen.“ 

Noch immer stoßen viele Frauen an die „gläserne Decke“ und arbeiten vor allem in Teilzeit. „Für mich ist der Knackpunkt die sogenannte „unbezahlte Arbeit“ – sprich Kindererziehung, Pflege und Haushalt. Denn wer viel unbezahlt arbeitet, muss bei der bezahlten Erwerbsarbeit zurückstecken“, zeigt Korinna Schumann, ÖGB-Vizepräsidentin und Frauenvorsitzende, auf. „Genau aus diesem Grund brauchen wir endlich eine vernünftige soziale Infrastruktur. Wir kommen um einen flächendeckenden Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen in Österreich mit Schwerpunkt auf regionalen Bereichen sowie einen Ausbau der professionellen Pflege- und Betreuungsangebote nicht herum. Das alles ist längst überfällig“, so die ÖGB-Vizepräsidentin. 

Equal Pay Day im Bundesländervergleich: Wien schneidet am besten ab 

Der österreichweite Equal Pay Day fällt 2019 auf den 21. Oktober. Er vergleicht die Einkommen von durchgängig Vollzeit beschäftigten Männern und Frauen.

Während das durchschnittliche Bruttoeinkommen von Männern in Österreich bei 52.033 Euro liegt, verdienen Frauen durchschnittlich 41.785 Euro brutto im Jahr. Daraus ergibt sich ein Minus von 19,7 Prozent.

Österreichs Frauen arbeiten heuer im Verhältnis zu den Männern 72 Tage „gratis“ und verdienen im Durchschnitt um rund 10.000 Euro pro Jahr weniger (auf Basis von Vollzeitbeschäftigung). 

In Wien wird der Equal Pay Day heuer auf den 9. November 2019 fallen. Das bedeutet, dass Frauen in Wien heuer im Durchschnitt um 14,5 Prozent weniger verdienen als Männer (Basis für die Berechnung sind die durchschnittlichen Jahres-Bruttobezüge bei Vollzeitbeschäftigung). Das durchschnittliche Bruttoeinkommen von Männern in Wien liegt derzeit bei 54.654 Euro. Demgegenüber verdienen Frauen in Wien durchschnittlich 46.738 Euro brutto im Jahr – also um durchschnittlich 7.900 Euro weniger als Männer (Gender Pay Gap: 14,5 Prozent).

2018 fiel der Equal Pay Day in Wien auf den 6. 11. Damit gab es heuer eine Verbesserung um drei Tage.  

Im Bundesländervergleich fiel der Equal Pay Day 2019 in Vorarlberg heuer bereits auf den 23. September (Gender Pay Gap: 27,2 Prozent).