vlnr.: AK Direktor Christoph Klein, Nikolaus Griller, Landesvorsitzender der Jungen Industrie Wien © Erwin Schuh
vlnr.: AK Direktor Christoph Klein, Nikolaus Griller, Landesvorsitzender der Jungen Industrie Wien © Erwin Schuh
6.6.2019

Digitalisierung in der beruflichen Bildung

Digi­tali­sierung gestalten anstatt nur darauf zu reagieren – Aus- und Weiter­bildung als Schlüssel zum Erfolg – Sammlung von Best-Practice-Beispielen, Vorstellung beim „Pitch im Paternoster“.

Digitalisierung gemeinsam zum Erfolg machen!

„Die Digi­tali­sierung bedeutet Veränderung, und diese gilt es proaktiv zu gestalten – wir wollen aufzeigen, was konkret getan werden kann, um diese Veränderung im Sinne der Menschen, insbesondere der Beschäftigten zu gestalten“, so der Direktor der Arbeiter­kammer (AK) Wien, Christoph Klein sowie der Landes­vorsitzende der Jungen Industrie (JI) Wien, Nikolaus Griller, unisono.

Es sei das konstruktive Miteinander von Mitarbeiter­Innen und Management, das Österreich und seine Betriebe zu einem international erfolgreichen Wirtschafts­standort gemacht haben. „Ebenso müssen wir im konstruktiven Miteinander die digitale Zukunft gestalten. Ideologische oder partei­politische Grenzen müssen wir hierbei überwinden, dieses Thema betrifft uns alle gleichermaßen. Aus- und Weiter­bildung sind dabei der Schlüssel zum Erfolg“, so Griller und Klein.

„Viele traditionellen Arbeits­plätze fallen weg, neue entstehen – klar ist, jeder Arbeitsplatz wird sich verändern, denn die Digi­tali­sierung hält überall Einzug, daher gibt es einen hohen Bedarf an Weiter­bildung“, sagt AK Direktor Christoph Klein. JI und AK Wien stellen eine Best-Practice-Sammlung bestehender Pro­gram­me bzw. Initiativen vor, die bereits heute für eine bestmögliche Vor­be­reitung auf die Welt der Digi­tali­sierung in der beruflichen Bildung sorgen bzw. innovative digitale Möglichkeiten im Bereich der Aus- und Weiter­bildung nutzen. Für diese Unter­suchung wurden 120 internationale Projekte aus zwölf Ländern identifiziert und dokumentiert.

Aus­gewählte Projekte werden in der Sammlung näher beschrieben, etwa das deutsche Projekt Kfz4me: Dabei werden die drei Lernorte Berufs­schule, Betrieb und überbetriebliche Bildungs­stätte verbunden und das Thema Digitalisierung in der Berufs­bildung gefördert. Lehrlinge produzieren Videos zur Erklärung der Lerninhalte – dabei lernen sie den Lerninhalt, den Umgang mit Medien und Video­produktion und erstellen gleichzeitig ziel­gruppen­gerechtes Schulungs­material für andere Aus­zu­bildende.

Ein anderes Projekt ist WisR, eine Job­vermittlungs­platt­form für Talente mit Erfahrung. WisR bietet Unternehmen eine digitale Lösung für den gezielten Einsatz ehemaliger Beschäftigter und nunmehr pensionierter Kolleg­Innen für den Erfahrungs­aus­tausch oder zur Mitarbeit in Projekten. Das generationen­über­greifende voneinander Lernen und die Pflege eines sozialen Netzwerks zwischen ehemaligen und aktiven Expert­Innen und Mit­arbeiter­Innen sind dabei zentrale Elemente. Diese Brücke zwischen den Generationen und damit auch zwischen den „digital Natives“ und jenen, die reich an Lebens- und Arbeitserfahrung sind, ist ein interessanter und viel­ver­sprechender Ansatz. Zusätzlich bietet WisR auch eine digitale Arbeits­börse gezielt für ältere Arbeits­suchende an.  

Griller: Digitalisierung kann Weg zum Erfolg sein

Sicherlich werde der Trend hin zu immer stärker werdender Digitalisierung und Auto­matisierung die Arbeits­welt verändern, so Nikolaus Griller, aber: „Studien zeigen, dass gerade jene Länder, in denen die Auto­matisierung weit fort­ge­schritten ist, eine geringere Arbeits­losigkeit haben. In Unternehmen mit einem starken „digitalen Reifegrad“ steigt nicht nur die Pro­duktivität, sondern auch die Beschäftigung.“ Zudem dürfe man nicht vergessen, dass die Digitalisierung auch neue Jobs entstehen lasse.

„Aller­dings können wir die Digitalisierung nur dann zu einem Erfolgs­rezept für Österreich machen, wenn wir ganz vorne mit dabei sind“, so Griller. In diesem Sinne sei man sehr erfreut und dankbar, in der AK Wien einen guten Partner für diese gemeinsame Initiative gefunden zu haben, so der Vor­sitzende weiter: „Ganz klar, wir sind nicht in jedem Bereich, bei jedem Thema einer Meinung mit der AK. Aber hier spielt das keine Rolle – es geht um unserer aller Zukunft. Also müssen wir auch an einem Strang ziehen.“

Klein: Digitalisierungs­offensive

„Es freut uns, dass die Junge Industrie und damit die Industrie­kapitäne der Zukunft den Wert eines gemeinsamen Vorgehens erkennen und wir zusammen konkrete Beispiele zeigen können, wie mittels innovativer Ansätze im digitalen Zeitalter betriebliche Weiter­bildung gelingen kann“, so Christoph Klein.

2018 hat die Arbeiter­kammer mit ihrem Zukunfts­programm ganz klar den Fokus der nächsten Jahre auf Digitalisierung gesetzt. Die AK hat eine große Digitalisierungs­offensive gestartet. Insgesamt stehen 150 Millionen Euro zur Verfügung: für die Qualifizierung der AK Mitglieder und für neue innovative Projekte.  Durch eine neue Bildungs­förderung werden AK Mitglieder mit bis zu 5.000 Euro unterstützt, wenn sie Kurse im Bereich Digitalisierung belegen.

Mit dem AK Digitalisierungs­fonds Arbeit 4.0 unterstützt die AK Projekte und Initiativen für eine bessere digitale Arbeits­welt. Eine erste Einreich­runde ist soeben zu Ende gegangen und war sehr erfolgreich: Es gab über 80 Ein­reichungen. Eine Auswahl aus diesen wird gefördert, womit auch aufgezeigt werden soll, was konkret in den Betrieben, der Zivil­gesellschaft, den Gewerk­schaften getan werden kann, um die Potenziale der Digitalisierung im Sinne der Beschäftigten heben zu können.

Schutz­impfung Bildung für erfolg­reiche Digitalisierung

„Aus- und Weiterbildung sind entscheidend. Ein Viertel der Österreicher zwischen 16 und 65 Jahren kann einfache Aufgaben unter Verwendung eines Web­browsers oder von Mail­programmen nicht zufrieden­stellend lösen – wir haben also genug zu tun“, so Griller. Der Einsatz digitaler Medien könne hier einerseits helfen, die Angst vor neuen Techno­logien zu nehmen und andererseits die Erlernung neuer Kompetenzen erleichtern, so Griller, der hinzufügte: „Neben einer Verbesserung des gesamten Bildungs­wesens vom Kinder­garten über die Hoch­schule bis hin zum lebens­langen Lernen sind natürlich auch wir Unter­nehmer gefragt: Wir müssen auch in den Betrieben alles tun, um in der Weiter­bildung unserer Mit­arbeiter­innen und Mit­arbeiter die Nase vorne zu behalten.“ 

Empirische Studien zeigen: Weniger als die Hälfte der Beschäftigten (45%) nimmt an einem Weiterbildungskurs teil. „Hier gibt es deutlich Luft nach oben. Lebens­begleitendes Lernen kann aber nicht nur eine Forderung an die Beschäftigten sein. Die Voraus­setzungen müssen auch von den Betrieben ge­schaffen werden“, sagt Klein.

„Ein Schlüssel, damit Digitalisierung gelingt, ist Bildung. Egal, ob schulische Bildung, konkrete Ausbildung oder Weiter­bildung“, sagt Klein. „Eine gute Ausbildung ist dabei so etwas wie eine Schutzimpfung, begleitende Aus- und Weiter­bildung muss eine Selbst­verständlichkeit in der Arbeitswelt der Zukunft sein.“ Denn mit dem richtigen Rüstzeug ist es leichter, im digitalen Wandel zu bestehen. 

Junge Industrie und AK hoffen, mit der Best-Practice-Sammlung sowie dem „Pitch im Paternoster“ erste Impulse geben zu können, um auch in Österreich neue Wege im Bereich der Digitalisierung in der beruflichen Bildung zu gehen, so AK Direktor Klein und JI-Wien-Vorsitzender Griller abschließend.