26.9.2017

Digitalisierung braucht Gestaltung im Sinne der ArbeitnehmerInnen

Befürchtungen, wonach der technologische Wandel in Österreich ein Treiber von Ungleichheit ist und zu mehr Arbeitslosigkeit führt, können durch eine aktuelle Studie nicht eindeutig bestätigt werden, sagt Christa Schlager, Leiterin der Abteilung Wirtschaftspolitik der AK Wien. „Klar ist aber, dass es von der Gestaltung der Rahmenbedingungen abhängt, wie sich die fortschreitende Digitalisierung auf Beschäftigung und Einkommensentwicklung auswirkt.“ So geht aus der Studie hervor, dass sich ein hoher gewerkschaftlicher Organisationsgrad positiv auf die Verteilung auswirkt.  

Welche Wirkungen hat der technische Wandel in Österreich auf die Beschäftigung und die Einkommensverteilung? Mit diesen Fragen beschäftigt sich eine Studie von POLICIES (Institut für Wirtschafts- und Innovationsforschung von Joanneum Research) und INEQ (Forschungsinstitut Economics of Inequality der Wirtschaftsuniversität Wien). Beauftragt wurde die Studie, die am Montag präsentiert wurde, vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT), der Arbeiterkammer Wien und der Magistratsabteilung 23 (Wirtschaft, Arbeit und Statistik) der Stadt Wien.

Die Studie konstatiert, dass bisher keine umfassende Digitalisierungswelle in Österreich stattgefunden hat, der technologische Wandel eher eine stetige Entwicklung ist. Bedingt durch die Krise 2008/09 hat sich das Wachstum der Produktivität verlangsamt. Der Beschäftigungszuwachs der letzten Jahre ist vor allem auf den Anstieg von Teilzeitarbeit zurückzuführen. Es kam in der beobachteten Periode auch zu einem Anstieg der Ungleichheit. Dieser kann aber nicht eindeutig dem technologischen Wandel zugeschrieben werden, was für zukünftige Entwicklungen allerdings nicht gelten muss.  Von Bedeutung ist daher für die StudienautorInnen, dass in Rahmen von Technologiefolgenabschätzungen jedenfalls Verteilungs- und Beschäftigungswirkungen berücksichtigt werden müssen.

„Damit erhalten wir auch bessere Befunde, um die Rahmenbedingungen so zu setzen, dass möglichst viele Menschen am technologischen Fortschritt partizipieren und von ihm profitieren können“, so Christa Schlager. „Durch gezielte Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, durch eine Beteiligung der Arbeitseinkommen an den Produktivitätsgewinnen sowie eine Steuerstrukturreform kann positiv im Sinne der ArbeitnehmerInnen auf den technologischen Wandel Einfluss genommen werden.“

Forderung

Die AK fordert zudem ein neues Qualifizierungsgeld. Mit diesem Qualifizierungsgeld sollen die bestehenden Systeme Bildungskarenz, Bildungsteilzeit sowie das Fachkräftestipendium zusammengeführt, ersetzt und der Lebensunterhalt während der Ausbildung abgesichert werden. Gerade in Zeiten des Digitalen Wandels ist immer wieder eine Auffrischung von Wissen nötig und die bestehenden Instrumente der Aus- und Weiterbildung werden den heutigen Anforderungen einer dynamischen Wirtschaftslandschaft nicht mehr gerecht.