14.10.2020

Rückschritte für Frauen durch Corona rasch wieder beseitigen

Kommende Woche wird der Equal Pay Day abgehalten, der die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen aufzeigt. Dieser Tag macht eines deutlich: In vielen Punkten waren und sind Frauen in Österreich Männern gegenüber benachteiligt. „Die Corona Krise verstärkt das noch“, sagt AK Präsidentin Renate Anderl. 

„Corona ist für viele Frauen bereits zur Falle geworden. Wir müssen alles daran setzen, dass die Rückschritte der vergangenen Monate rasch wieder beseitigt werden!“ Im Rahmen der „Offensive: Arbeitsmarkt“ wurde in der AK zum Thema „Corona bringt Frauen unter Druck“ diskutiert.

Die Keyfindings aus der Debatte, an der neben AK Präsidentin Renate Anderl auch Mariana Kühnel, stv. Generalsekretärin der WKO; Petra Draxl, Leiterin des AMS Wien sowie Wifo-Ökonomin Ulrike Huemer teilnahmen: 

  • Arbeitslosigkeit in Corona-Zeiten trifft Frauen und Männer ungleich: Die Arbeitslosigkeit der Frauen geht langsamer zurück. Kurzarbeit nutzt mehrheitlich Männern. „Kurzarbeit ist gut und richtig, es braucht aber für Frauen dann zusätzliche Maßnahmen, die auf ihre Arbeitsrealitäten Rücksicht nehmen, denn viele Frauen arbeiten Teilzeit oder geringfügig“, sagt AK Präsidentin Anderl. Darum braucht es gezielte Maßnahmen zur Förderung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt. 

  • „Die Erwerbsarbeitszeit ist ungleich verteilt, die Hälfte der Frauen arbeitet in Teilzeit, aber nur jeder zehnte Mann", sagt Wifo-Ökonomin Ulrike Huemer. Bereits vor Corona waren Frauen und Männer nicht gleichgestellt, Dreh- und Angelpunkte sind ie Kinderbetreuung und die Einkommen. „Eine Arbeitszeitverkürzung hat positive Effekte auf Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Beruf und Freizeit, Gesundheit.“   

  • Ein wesentlicher Faktor für eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen sind gut ausgebaute Kinderbetreuungseinrichtungen. Das zeige sich am Beispiel der Stadt Wien, wo die Erwerbsbeteiligung von Frauen höher ist als im Bundesschnitt. „In Wien ist das flächendeckende Angebot größer, hier ist auch – entgegen dem Bundestrend – die Arbeitslosigkeit der Frauen niedriger als die der Männer“, sagt AMS Wien Chefin Petra Draxl.  

  • „Ein wichtiges Learning aus der Corona-Krise ist, dass ein flexibles und flächendeckendes Angebot in der Kinderbetreuung das Um und Auf in Hinblick auf die Mehrfachbelastung von Frauen ist. Gleichzeitig sehen wir, dass Digitalisierung und Homeoffice große Chancen für Frauen bieten“, sagt Mariana Kühnel, stv. Generalsekretärin der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). In Hinblick auf die Diskussion zur Arbeitszeitverkürzung müssen man diese als „Lose-Lose-Lose“-Situation sehen, da sie zu Kaufkraftverlusten bei Arbeitnehmern, mehr Kosten für Unternehmen und die öffentliche Hand führe und gleichzeitig weniger Spielraum für Investitionen etwa in Innovationen lasse.
     
    „Es bewegt sich was“, merkte Kühnel zum Thema Einkommensgerechtigkeit an, so liegt der Equal Pay Day heuer drei Wochen früher als noch vor zehn Jahren. Maßnahmen wie die Angabe von Mindestlöhnen in Stellenausschreibungen oder Einkommensberichte in großen Unternehmen tragen zudem zu mehr Einkommenstransparenz bei.   

  • Eine aktuelle AK Befragung zeigt: Dieselbe Arbeitsmenge wie vor der Krise wird jetzt mit weniger MitarbeiterInnen erledigt – das sagen rund 58 Prozent der Befragten. Die Befragung zeigt auch, dass Frauen sich durch Corona besonders belastet fühlen: Rund 18 Prozent der Frauen arbeiten jetzt mehr als vor der Krise. Andererseits gibt es viele Frauen, die ihre Erwerbsarbeitszeit während der Krise verringert haben. Im Vergleich dazu ist die Arbeitszeit bei Männern häufiger unverändert geblieben als bei Frauen. Gründe dafür dürften die genannten Betreuungsverpflichtungen sein, die häufig von Frauen übernommen werden, sowie der hohe Anteil von Frauen in „systemerhaltenden“ Berufen. 

  • Auch beim Thema Homeoffice zeigt sich, dass Frauen viel stärker belastet waren und sind, als Männer – und nicht nur Frauen mit Kindern. Für die AK ist wichtig, dass Homeoffice freiwillig bleibt, dass klare Regelungen ausgearbeitet werden was die Grenzen der Arbeitszeit betrifft und dass Krankenstand auch im Homeoffice Krankenstand ist. 

  • Der Equal Pay Day (österreichweit am 22. Oktober) verdeutlicht die noch immer bestehenden Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen und zeigt auch, dass Politik etwas bewirken kann, wenn man die Bundesländer vergleicht – in Wien ist dieser Tag am 11. November. Es braucht mehr ganztägige, ganzjährige Kinderbetreuung in ganz Österreich, das ganze Jahr geöffnet und eine Aufstockung der staatlichen Ausgaben für Kinderbetreuung – wie im Regierungsprogramm versprochen, mehr Transparenz bei den Einkommen und eine bessere Verteilung der Arbeitszeit. 

  • „Wenn wir Frauen aus Corona-Gründen leisetreten, wird sich das als großer Fehler erweisen!“, sagt AK Präsidentin Renate Anderl. 

Die Diskussion ist online zu sehen unter www.arbeiterkammer.at/OffensiveArbeitsmarkt