08.04.2020

Corona: 3-facher Vater gekündigt, weil er Schutz einforderte

AK Präsidentin Anderl: „Gerechtigkeit ist besonders in der Krise notwendig“

Ein 3-facher Vater mit Asthma wurde offenbar gekündigt, weil er in seinem Betrieb Schutzmaßnahmen vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus eingefordert hatte. AK Präsidentin Renate Anderl: „Es kann nicht sein, dass Arbeitnehmer gekündigt werden, weil sie berechtigte Angst um ihr Leben haben! Die AK wird die Kündigung anfechten. Der Kündigungsschutz für Risikogruppen muss im Gesetz klargestellt werden. Denn Gerechtigkeit ist besonders jetzt in der Krise wichtig, sonst funktioniert der vielbeschworene Zusammenhalt nämlich nicht!“

Gegenüber dem AK Juristen schilderte der Mann, dass er richtiggehend Angst um sein Leben haben musste, weil in der Firma ein unsagbar fahrlässiges Verhalten vorherrschte. Die MitarbeiterInnen sollten sich im verschlossenen Geschäft einfinden, um über das weitere Vorgehen informiert zu werden. Auf den Sicherheitsabstand wurde vorerst überhaupt nicht geachtet. Als der Vorgesetzte dies schließlich doch tat, schränkte er sogleich ein: "ich habe einen Meter, nicht drei gesagt!". Ein Kollege hatte Fieber, der Vorgesetzte sagte ihm zwar, er solle sich krankmelden, schickte ihn dann aber nicht heim, sondern ließ ihn erst noch WhatsApp-Gruppen für die weitere Arbeit einrichten.

Einige Zeit nach der Versammlung wurde der 3-fache Vater ins Büro des Vorgesetzten gerufen, der fiebernde Kollege war ebenso zugegen! Der Arbeitnehmer wies den Vorgesetzten sogleich auf seine Asthma-Erkrankung hin und bot ihm an, im Homeoffice zu arbeiten. Er sei ohnedies vor allem für Geschäftskunden zuständig, das ginge im Homeoffice gut. Der Vorgesetzte unterbrach ihn mit den Worten: „Bei uns macht keiner Homeoffice.“ Der Arbeitnehmer wandte ein, dass er als Vater von drei kleinen Kindern „schon etwas Angst“ vor einer Ansteckung hätte. Doch als er merkte, dass das seinen Vorgesetzten offenbar kalt ließ, lenkte er sofort ein und versicherte, dass er seiner Arbeit wie gewünscht im Betrieb nachgehen werde. Die Firma informierte die Belegschaft einige Tage später per Mail, dass es eine Kurzarbeitsvereinbarung geben werde. Doch der Arbeitnehmer bekam dann mit der Post statt einer Kurzarbeitsvereinbarung die Kündigung – als Einziger! Die AK ficht die Kündigung vor dem Arbeits- und Sozialgericht an.

Der Nationalrat hat vergangenen Freitag zwar Schutzmaßnahmen für Risikogruppen beschlossen. „In der Geschwindigkeit sind allerdings einige Bestimmungen missglückt, anderes fehlt aus unserer Sicht“, so AK Präsidentin Renate Anderl:

  • Eine Ergänzung betrifft den Kündigungsschutz für dienstfrei gestellte ArbeitnehmerInnen aus der COVID19-Risikogruppe. „Es ist offensichtlich, dass der Gesetzgeber hier einen Kündigungsschutz beschließen wollte, die entsprechende, missglückte Stelle im Gesetz muss aber klargestellt werden.“
  • Die Bundesregierung muss klären, wie damit umgegangen wird, wenn Beschäftigte mit RisikopatientInnen zusammenleben. „Auch sie brauchen Klarheit über nötige Vorsichtsmaßnahmen“, sagt Anderl.