13.6.2019

Arbeitskammern fordern ein Recht auf Weiterbildung

Die Digitalisierung und der damit ein­her­gehende grund­legende Technologie- und Struktur­wandel sind für Wirtschaft, Beschäftigte und Politik zentrale Heraus­forderungen der Zukunft.

„Die Digitalisierung muss eine Chance für alle sein. Profitieren dürfen nicht nur die Unter­nehmen in Form von wachsenden Gewinnen und Dividenden“, betont Renate Anderl, Präsidentin der AK Österreich. „Um den digitalen Wandel auch im Sinne der Beschäftigten zu gestalten, brauchen wir stärke Mit­be­stim­mung in den Betrieben und eine echte Weiter­bildungs­kultur in den Unter­nehmen“, sagt Jörg Caspar, Vorstands­vorsitzender der Arbeits­kammer des Saarlandes.  Und dass nicht nur in Österreich, Luxem­burg, Bremen und dem Saar­land. „Wir brauchen eine europäische Weiter­bildungs­strategie“, fordert Ingo Schieren­beck, Haupt­geschäfts­führer der Arbeit­nehmer­kammer Bremen, anlässlich des Internationalen Kammer­tages in Kirkel mit Vertretern der Arbeiter­kammer Österreich, der Arbeit­nehmer­kammer Bremen, der Chambre des salariés Luxembourg (CSL) und der Arbeits­kammer des Saar­landes.

Die Arbeits­welt wird sich durch die Digitalisierung nachhaltig verändern und tut es bereits jetzt. Die Beschäftigten müssen so gut wie möglich auf den digitalen Wandel vorbereitet werden.  „Es gibt einen klaren Zu­sammen­hang zwischen Aus­bildung und Arbeits­losig­keit: Je höher die Qualifikation, desto geringer ist das Risiko, arbeitslos zu werden. Bildung wirkt also wie eine Schutz­impfung“, sagt die österreichische AK Präsidentin Renate Anderl.  Die Bildungs­systeme müssen daher fit für das digitale Zeitalter gemacht werden. Und es muss sichergestellt sein, dass in der digitalen Arbeitswelt Arbeit­nehmer­Innen­rechte und soziale Absicherung für alle gewähr­leistet sind.

Ingo Schierenbeck, Haupt­geschäfts­führer der Arbeit­nehmer­kammer Bremen: „Ein Berufs­abschluss ist inzwischen die entscheidende Voraus­setzung für einen sicheren Arbeits­platz und der Schlüssel für ein gutes Einkommen und einen beruflichen Aufstieg. Mit der Digitalisierung wird der Bedarf an Spezialist­innen und Spezialisten zunehmen und jener nach einfachen und wiederholenden Tätigkeiten abnehmen. Daher bedarf es einer europäischen Weiter­bildungs­strategie, die die Arbeit­nehmer­innen und Arbeit­nehmer für den Arbeits­markt der Zukunft fit macht.“

Die vier Arbeits­kammern Österreich, Luxemburg, Bremen und Saarland fordern in einem gemeinsamen Thesen­papier einen Rechts­anspruch auf einen anerkannten Berufs­abschluss sowie ein Recht auf berufliche Weiter­bildung mit Frei­stellungs­möglichkeit und Lohn­ersatz­leistungen. Schierenbeck: „Voraussetzung hierfür ist ein flächen­deckendes Angebot un­ab­hängiger Weiter­bildungs­beratung.“

Die Arbeits­kammern in Bremen und im Saarland begrüßen die nationale Weiter­bildungsstrategie, die Bundes­arbeits­minister Hubertus Heil heute in Berlin vorstellt. „Mehr Investitionen in Weiter­bildungs­angebote sind dringend notwendig, um die Beschäftigten mit­zu­nehmen“, so Jörg Caspar. „Wir begrüßen auch das angekündigte Informations­portal, das alle Weiter­bildungs­angebote bündeln soll, und verweisen in diesem Zusammen­hang auf das geplante saar­ländische Weiter­bildungs­portal, das derzeit unter Feder­führung der Arbeits­kammer ent­steht.“