27.6.2019

Bildungsabbruch: Schulen selbst müssen endlich mehr fördern können

„Die Schulen selbst müssen mehr fördern können – statt den Lerndruck immer stärker in die Familien auszulagern.“ Das sagt AK Präsidentin Renate Anderl zur IHS-Studie, wonach die Zahl der frühen Bildungs­abbrecher­Innen nach der Pflicht­schule dramatisch höher ist als bisher angenommen. In den Schulen wurde der Noten­druck erhöht, die Kinder sind zunehmend auf Lernhilfe der Eltern oder teure Nach­hilfe angewiesen. „Wenn eine Familie das nicht leisten kann, haben die Kinder schlechtere Chancen“, so Anderl. Sie fordert die Beschleunigung des Ausbaus der Ganz­tags­schulen, eine Schul­finanzierung nach Chancen­index – und auch in den Lehr­betrieben muss etwas gegen den Lehr­abbruch getan werden. 

Die Arbeiter­kammer hilft Jugendlichen mit dem AK Bildungs­navi, nach der Pflicht­schule den für sie richtigen Ausbildungs­weg zu finden (Hotline 01/501 65-1406). „Damit helfen wir, das Risiko des Bildungs­abbruchs zu senken“, sagt Anderl. „Gegen den Bildungsabbruch muss aber auch in den Schulen und in den Lehr­betrieben etwas getan werden. Für Jugendliche gilt die Ausbildungs­pflicht bis 18. Was fehlt, ist eine Bildungs­pflicht für Schulen und Lehr­betriebe.“ 

Anderl verlangt, dass der Ausbau der Ganz­tags­schulen wieder beschleunigt wird – die jährliche Aus­bau­förderung wurde zuletzt halbiert, das könnte der Nationalrat jetzt wieder zurücknehmen. „In der Ganz­tags­schule“, so Anderl, „können gerade die Schülerinnen und Schüler gefördert werden, denen die Eltern zu Hause nicht beim Lernen helfen oder für teure Nachhilfe zahlen können.“ 

Dazu soll es auch eine Schulfinanzierung nach Chancen­index geben. Schulen sollen umso mehr Mittel für die Förderung ihrer Schüler­Innen bekommen, je weniger deren Eltern von der sozialen Lage der Familie her das selber leisten können. 

Überdies muss etwas dagegen getan werden, dass mehr Lehr­anfänger­Innen ihre Lehre auch fertig machen können. Dramatisch: Laut Zahlen der Wirtschafts­kammer fliegen zwei von fünf Abbrecher­Innen bereits in der drei­monatigen Probe­zeit aus der Lehre. Anderl: „Da brauchen wir verpflichtendes Qualitäts­management in der Lehr­ausbildung und Sicherheit für die Jugendlichen, eine begonnene Aus­bildung auch abschließen zu können.“