26.08.2021

AK testete Essenslieferungen

„All In“ – mit dem Essen werden auch Kilos mitgeliefert!

15 Bestellungen und ein Fertiggericht aus dem Super­markt auf dem Prüfstand – Große Portionen – Essen zu fett und zu salzig – Kein Verlass auf Lieferzeitangaben

Wenn es zweimal klingelt, kommt hoffentlich das bestellte Essen. Ein AK Test von 15 Essensbestellungen zeigt: Im Schnitt wartet man rund eine Dreiviertelstunde aufs heißersehnte Essen, das meist deutlich früher oder später kam als angekündigt. Heiß kam nur die Hälfte an, grenzwertig ein Drittel, zu kalt der Rest. Die Portionen waren üppig, viel zu fett und salzig. Man wird nicht nur satt, sondern auch schnell dick, wenn man nicht aufpasst. Das ist in Pandemie-Zeiten doppelt nachteilig, weil Übergewicht auch riskant für schwere Corona-Verläufe ist.

Essenslieferungen sind hoch im Kurs, Corona hat ihnen nochmals einen Hype verpasst. Die AK hat sich die Qualität des Essens und der Lieferdienstleistung im Lockdown genauer angesehen und im April 15 Bestellungen und ein Fertiggericht aus dem Supermarkt getestet. Gewählt wurden asiatische und vergleichbare Mahlzeiten (Fleisch-Saft-Reis-Gerichte, Nudelgerichte, fleischlose Gerichte). 14 wurden online bestellt, auch bei Bio-Anbietern, eines aus einem Folder, ein asiatisches Fertiggericht war aus dem Supermarkt. Die Wirtshäuser lieferten selbst oder mit den Lieferdiensten Mjam oder Lieferando. Die AK Testerin bewertete die Temperatur bei Lieferung, Lieferzeit, Geruch, Geschmack und Aussehen im Vergleich zur Beschreibung auf der Homepage. Bestellt wurde das Essen je zweimal – eines wurde gemessen, gewogen und gegessen, das andere von der AGES auf Fett, Zucker und Salz analysiert. 

Der AK Test zeigt:

  • Echt fett und salzig: Die Essen waren zu fett und salzig, zuweilen auch zu süß. In der Ernährungsampel dominiert rot. Mehr als die Hälfte der Essen enthielt zu viel Fett und Salz für eine Hauptmahlzeit. Einige lieferten schon die tägliche Maximalmenge an Fett und/oder Salz, einige sogar mehr. Zwei enthielten doppelt so viel Salz, wie man täglich essen soll. Überraschend: Ein Viertel der Speisen war überzuckert, obwohl keine klassische Süßspeise dabei war.
  • Waage sieht rot: Die AK Testerin aß an 16 Tagen im April das jeweils bestellte Gericht als Hauptmahlzeit und änderte sonst ihre Ernährung und sportlichen Gewohnheiten nicht. In einem Monat nahm sie zwei Kilo zu, obwohl sie nicht immer alles aufaß.
  • Üppige Portionen: 60 Prozent der 15 gelieferten Mahlzeiten waren deutlich zu viel für eine Person. Nur bei einem Fünftel war die Portion in Ordnung. Beim Fertigprodukt hingegen war die Portion zu klein.
  • Zwei bis Drei für Geschmack, Geruch und Aussehen: 70 Prozent der 16 Mahlzeiten schmeckten, rochen und sahen gut bis befriedigend aus. Geschmacklich durchgefallen ist nur eine Mahlzeit.
  • Bio, vegan und vegetarisch hatten Nase vorn: Alle drei Bio-Gerichte waren zumindest gut. Fleischlose Gerichte schnitten bei der Bewertung des Geschmacks besser ab als jene mit Fleisch. Die Geschmackssieger („sehr gut“) sind zwei vegetarische Mahlzeiten und eine mit Fleisch.
  • Der Vergleich macht unsicher: Die Gesamtkosten sind in fast der Hälfte der Bestellungen andere als nach den Preisangaben beim Produkt zu erwarten war. Grund: Lieferkosten, Mindestbestellwerte oder Rabatte. Das sieht man erst im Warenkorb und macht den Einkauf meist günstiger, erschwert aber Vergleiche. Die telefonische Bestellung aus dem Folder war teurer als erwartet – offenbar war er älter.
  • Man bekommt kalt-warm: Bei der Hälfte der gelieferten Mahlzeiten passte die Temperatur, ein Drittel war grenzwertig und 15 Prozent zu kalt. Schuld ist der Reis. Anscheinend wird er schon im Restaurant auf Vorrat gekocht und warmgehalten statt frisch zubereitet. Zu niedrige Temperaturen sind nicht nur geschmacklich nachteilig, sondern auch Boden für Keimwachstum.
  • Bitte warten: Die durchschnittliche Lieferzeit betrug 43 Minuten. Die schnellste Lieferung kam nach 19 Minuten, die langsamsten nach über einer Stunde. Und nur die wenigsten kamen pünktlich. Mehr als 80 Prozent kamen mindestens eine Viertelstunde früher oder später als angekündigt.
  • Oft nicht Corona-konform geliefert: Jede/r dritte Lieferbote/in übergab und kassierte ohne oder mit falscher Maske, also nicht Corona-konform. 67 Prozent waren durchwegs vorbildlich.

Download

Die AK-Erhebung Teil 1 können Sie hier herunterladen.

„3-G“ für Essenslieferungen – groß, gut, aber nicht gesund!

Essenslieferungen sind im Trend – die Speisen sind üppig, viel zu fett und zu salzig. Im Großen und Ganzen sind sie geschmacklich und preislich ok. Bio und fleischlos schmeckt meist besser. Das zeigt ein AK Test von 15 Essensbestellungen und einem Fertiggericht aus dem Supermarkt in Wien. Die AK rät, clever zu bestellen, Reis selber zu machen und etwas längere Lieferzeiten einzuplanen.

Bequem das Lieblingsessen nach Hause liefern lassen. Lieferdienste für Speisen boomen. Doch nicht nur die Angebote haben zugenommen, auch die Menschen in Österreich – an Körpergewicht. Seit Beginn der Corona-Pandemie haben die ÖsterreicherInnen jedenfalls mehr zugelegt als in Nicht-Corona-Zeiten. Es wurde und wird zu viel vom Falschen gegessen. Im Schnitt sind Erwachsene und Kinder nachhaltig um gut zwei Kilo schwerer geworden, ein Drittel der Erwachsenen hat im letzten Jahr sogar bis zu sechs Kilo zugenommen. 

Essen nach Hause liefern lassen – das sollten Sie beachten:

  • Weniger ist mehr: Bestellen Sie für drei Personen nur zwei Mahlzeiten oder wenn sie zu zweit sind, eine gemeinsame Mahlzeit und eine Vor- oder Nachspeise. Denn die Portionen sind meist üppig. Sind Sie allein, frieren Sie die Hälfte ein.
  • Bei Beilage selbst Hand anlegen: Machen Sie Reis selbst, das geht sich in der Lieferzeit locker aus. Dann ist er frisch und die Temperatur passt.
  • Alles ist möglich: Essen Sie worauf Sie Lust haben aber denken Sie dran, die gelieferten Gerichte sind meist viel zu fett und salzig. Beachten Sie das beim restlichen Speiseplan an diesem und den nächsten Tagen.
  • Bei „Bekannten“ bestellen: Bestellen Sie bei Ihnen schon bekannten Restaurants, da gehen Sie meist auf Nummer sicher und Rabatte gibt’s oft auch.
  • Go bio und fleischlos: Weniger Fleisch ist nicht nur gesünder, vegetarisch oder bio schmeckt meist auch besser.
  • Genau lesen: Achten Sie auf Mindestbestellwerte, damit die Lieferung gratis ist.
  • Lieferzeiten nicht trauen: Verlassen Sie sich nicht auf angegebene Lieferzeiten. Planen Sie jedenfalls einen Puffer von mindestens einer Viertelstunde in beide Richtungen ein.
  • Vorsicht statt Risiko: Wählen Sie eine Zahlungsart, die eine kontaktlose Übergabe ermöglicht (etwa Kreditkarte, Online-Überweisung, Paypall) oder halten Sie das Geld abgezählt bereit. Das verkürzt die Kontaktzeit mit Fremden, die möglicherweise keine Maske tragen. Es ist immer noch Pandemie.

KonsumentInnenschutz und Transparenz kommen unter die Räder!

Eine AK Bewertung der Webseiten bei 14 Online-Essensbestellungen im Lockdown zeigt: Transparenz und KonsumentInnenschutz werden nicht mitgeliefert. Wer in Wien Essen per Mausklick bestellt und gezielt nach Restaurants sucht, landet oft bei Mjam oder Lieferando. Diese zwei internationalen Anbieter teilen sich in Wien den Markt. Sie vermitteln KundInnen an Restaurants, für die selbst der Platz immer enger wird, die aber ohne Homepage von Lieferando oder Mjam wiederum kaum wer im Netz findet. Für KonsumentInnen ist das bequem und zeitsparender, andererseits doch wieder nicht, wenn es Probleme mit dem Essen oder Zahlen gibt. Denn bestellt man über einen Lieferdienst, haben KonsumentInnen mehrere VertragspartnerInnen und können dann mitunter hin- und hergeschickt werden.

Essensglück per Klick liegt im Trend – noch nie wurde so viel Essen ausgeliefert wie im 2020. Corona hat den Trend weiter verstärkt. Die AK hat im Corona-Lockdown im April Essens­be­stellungen getestet und bewertet: Wie gut sind die Webseiten, wer kocht, wer liefert, wie können KonsumentInnen zahlen, welche Daten müssen sie bekanntgegeben und was können sie bei Mängeln tun. Die Analyse zeigt:

  • Plattformen dominierend: Trotz ge­zielt­er Suche nach Restaurants, die Essen liefern, landet man in mehr als der Hälfte der Fälle bei Mjam oder Lieferando.
  • Lieferdienste bequem, wenn alles passt: Die Lieferdienste er­leichtern die Suche nach Restaurants. Das Angebot ist breit – alles, was das Herz begehrt, etwa von Pizza über vege­tarisch bis hin zu Hausmannskost. Bestellen ist zeitsparend, aber mitunter daten­raub­end, etwa bei Kooperationen mit Zahlungsdienstleistern oder Kund­Innen­karten. Schwierig wird es, wenn eine Teilleistung nicht passt.
  • Mehrere Vertragspartner bei Lieferdiensten: Die Lieferdienste übernehmen unter­schied­liche Dienste für die Restaurants. Den Vertrag für die Speisen schließt man mit dem Restaurant. Bei der Lieferung ist beides möglich (Lieferdienst oder Restaurant), bei der Zahl­ung kann noch ein dritter Partner dazu kommen (etwa PayPal oder Klarna). Bei Pro­blem­en hat man dann verschiedene AnsprechpartnerInnen. Transparenz schafft nur ein genaues Studium der jeweiligen Bedingungen.
  • Pflichtinfos da, KundInnentelefon oft nicht: Impressum, Allgemeine Ge­schäfts­be­ding­ung­en, Datenschutzinfos und eine (allgemeine) Telefonnummer des Webseiten-Betreibers sind in der Regel vorhanden. Wie detailliert die Angaben sind, ist unterschiedlich.
  • Unzulässige Einschränkung von Rechten: Alle sehen vor, dass Mängel direkt bei Über­nahme beim Fahrer/bei der Fahrerin gerügt werden müssten. Das ist einerseits unzulässig und andererseits in der Praxis auch kaum umsetzbar, da die Produkte verpackt sind und Mängel in der Regel erst beim Auspacken auffallen. Zudem war eine Überprüfung der Lief­er­ung unter Anwesenheit der FaherInnen im Testzeitraum aus Corona-Schutzgründen auch nicht zumutbar, weil der Kontakt mit Fremden so kurz wie möglich zu halten war. Auch wenn es in allen Geschäftsbedingungen anders steht, Mängelrügen sind jedenfalls auch nach Übernahmen noch zulässig.
  • Oft registrieren: Name, Adresse, Telefonnummer sind für die Abwicklung der Bestellung nötig. In der Hälfte der Fälle wird aber auch zusätzlich eine eigene Registrierung verlangt. Hier wird Bequemlichkeit (bei der nächsten Bestellung) mit Daten erkauft. Wer das nicht will, kann seine Registrierung nach der Bestellung löschen. Die Möglichkeit muss vorhanden sein und gab es im Test auch immer.
  • Bar oder Plastik – oft kaum Auswahl: Barzahlung war bei über einem Drittel der Be­stell­ung­en unmöglich. Alle diese Bestellungen wurden über Lieferdienste abgewickelt. Zwei Re­st­au­rants, bei denen direkt bestellt wurde, bieten nur Barzahlung. Ideal: mehrere Zahl­ungs­op­ti­on­en inklusive bar – das war bei weniger als der Hälfte (43 %) der Fall.
  • Ratespiel bei Lieferanten: In über der Hälfte der Fälle wurde letztlich über Mjam oder Liefer­ando bestellt, aber augenscheinlich nicht von ihnen ausgeliefert – ungut bei etwaigen Ge­währ­leist­ungs­an­sprüch­en. Es stellt sich die Frage, an wen man sich bei Ansprüchen auf Preis­mind­er­ung wenden soll.

Download

Die AK-Erhebung Teil 2 können Sie hier herunterladen.

Damit Essen per Klick auch Essen im Glück wird!

Wer Essen online bestellt, sollte die Website und Bestellung genau checken, rät die AK. Kommt Falsches oder nicht alles – reklamieren Sie, auch wenn der/die Fahrer/in schon weg ist. Das Recht auf Gewährleistung gilt immer. Das Problem: wo was reklamieren? Wird Essen bei einem Lieferdienst bestellt, ist nicht sofort erkennbar, wer bei Mängeln verantwortlich ist, etwa bei zu kaltem Essen. In der Regel ist fürs Essen der Wirt, für die Lieferung der Lieferdienst zuständig, kann aber auch der Wirt sein. Mjam und Lieferando vermitteln immer, liefern oft und kochen nie. So schaut’s auch mit der Haftung aus.     Pizza, Burger & Co. online bestellen – darauf sollten Sie bei Essensbestellungen achten:

  • Genau schauen: Kontrollieren Sie die Zusammenfassung Ihrer Bestellung auf Eingabefehler. Bevor eine Bestellung abgeschickt werden kann, ist eine Zusammenfassung mit Darstellung aller Kostenposten (auch Rabatte) zwingend vorgesehen. 
  • Bestätigung muss da sein: Gleich nach Absenden der Bestellung muss eine Bestellbestätigung kommen. Bleibt sie aus, können Sie nicht sicher sein, dass die Bestellung auch eingegangen ist.
  • Blick aufs Impressum: Schauen Sie bei Onlinebestellungen immer ins Impressum und notieren Sie sich die Telefonnummer. Das ermöglicht rasche Klärung, falls bei der Lieferung etwas schiefgeht.
  • An wen darf ich mich wenden: Wenn Sie über einen Lieferdienst bestellen (Mjam, Lieferando) und dieser auch die Auslieferung der Speisen übernimmt, ist Ihr Ansprechpartner für Probleme mit dem Essen das Restaurant und für Probleme bei der Lieferung der Lieferdienst. Bei der Bestellung ist nicht immer klar, wer liefert – das erkennen Sie oft erst an der Wohnungstür (Outfit von Mjam/Lieferando).
  • Kontrolle ist gut: Prüfen Sie bei Übergabe der Speisen die Rechnung und ob augenscheinlich das Richtige und alles Bestellte da ist. Übernehmen Sie die Lieferung nur, wenn augenscheinlich alles passt.
  • Rechte wirksam: Stellt sich erst nach Übernahme heraus, dass etwas Falsches geliefert wurde oder das Essen Mängel hat, nutzen Sie Ihr Recht auf Gewährleistung. Reklamieren Sie sofort per E-Mail. Haben Sie direkt bei einem Restaurant bestellt, ist klar wer für Mängel haftet. Lief die Bestellung über einen Lieferdienst, kommt es darauf an, wer den Mangel verursacht hat. Das ist insbesondere bei etwa zu kalt gelieferten Speisen oder gar bereits verdorbenem Essen für Sie nicht zu erkennen und auch rechtlich strittig, wer verantwortlich ist.
  • Mit Daten knausern: Geben Sie nur die notwendigen Daten bekannt und überlegen Sie, ob Sie einer Kontaktaufnahme für Marketingzwecke zustimmen wollen. Die Möglichkeit der Bestellung darf nicht an so eine Zustimmung geknüpft sein – die Sie auch aktiv tätigen müssen (ankreuzen). Haben Sie der Nutzung Ihrer Daten zu Marketingzwecken zugestimmt, muss diese jederzeit auch wiederrufen werden können. Ein Link zur Abmeldung in jeder Werbe-E-Mail ist gesetzlich vorgeschrieben.
  • Besser bar: Vor allem wenn Sie neue Restaurants ausprobieren, sind Sie mit Barzahlung oder Bankomatzahlung an der Haustür auf der sicheren Seite. Zahlen Sie mittels Online-Überweisung vorab oder mit einem Zahlungsdienst (Klarna, PayPal) ist eine Rückbuchung ohne „Mitarbeit“ des Restaurants aussichtslos. Kreditkartenzahlungen können zwar einfach beeinsprucht werden, es muss dann aber das Grundgeschäft geklärt werden, womit Sie wieder beim Restaurant (oder beim Lieferdienst) landen. Der Vorteil einer Nicht-Barzahlung ist eine kontaktlose Übergabe, in Pandemiezeiten ein Plus.

Downloads

  • © 2021 Bundesarbeitskammer | Prinz-Eugen-Straße 20-22 1040 Wien, +43 1 501 65

  • Impressum
  • Datenschutz