6.3.2018
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Umfrage: Die Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung wird bei einem 12-Stunden-Arbeitstag massiv erschwert

Die Arbeiterkammer Wien hat eine Umfrage zum 12-Stunden-Tag durchgeführt, die gewaltiges Echo ausgelöst hat: 17.711 Personen nahmen teil, großteils ArbeitnehmerInnen. Die Detailauswertung liegt nun vor.

Die Ergebnisse

  • 73 Prozent sagen, sie waren schon bisher vereinzelt bis regelmäßig von einem 12-Stunden-Tag betroffen. 
     
  • 53 Prozent sagen, dass die Arbeitszeit von 12 Stunden an einem Tag durch Anordnung des Arbeitgebers zustande kam. 
     
  • Ein Drittel davon hat diese Anordnung erst am selben Tag mitgeteilt bekommen. 
     
  • Männer sind mit 82 Prozent noch stärker betroffen, als Frauen mit 66 Prozent. 
     
  • Insbesondere Frauen sehen ein Problem mit der Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung. Sind sie es doch, die nach wie vor die Hauptverantwortung für die Familienarbeit übernehmen.

Neben der quantitativen Analyse, sind die Kommentare der Befragten besonders eindringlich: „Ständige Erschöpfung“, „Kein Privatleben“, „Keine Zeit für Familie mehr“, „Work – Eat – Sleep – Repeat“.

Forderung

Ingrid Moritz, Leiterin der Abteilung Frauen- und Familienpolitik in der AK Wien fordert: „Schon jetzt sind viel zu viele ArbeitnehmerInnen von überlangen Arbeitszeiten betroffen. Diese gilt es einzudämmen und nicht durch einen gesetzlichen, generellen 12-Stunden-Tag auch noch auszuweiten.“

Großer Mangel an Betreuungsplätzen

Schon jetzt gibt es in Österreich einen großen Mangel an Betreuungsplätzen, die mit einer Vollzeitarbeit mit acht Stunden täglich vereinbar sind: Nur jedes 7. Kleinkind hat einen solchen Platz, und nur 40 Prozent der 3- bis 6-Jährigen. 

Eine Betreuung, die mit einem 12-Stunden-Tag vereinbar wäre, also eine durchgängige Betreuung des Kindes von mindestens 13 Stunden, ist so gut wie nicht vorhanden – und den Kindern überdies auch nicht zumutbar. 

Bei den Befragten herrscht Ratlosigkeit, wie sie einen 12-Stunden-Tag in puncto Kinderbetreuung abfangen sollten: Manche könnten sich Lösungen mit dem Partner, durch den Kindergarten, Verwandte oder ähnliches organisieren. Aber 59 Prozent der Frauen und 45 Prozent der Männer sagen, sie hätten „ein echtes Problem“. 

Alleinerzieherinnen wären doppelt betroffen

Denn sie sind in einer größeren materiellen Abhängigkeit vom Arbeitgeber und daher in einer schwächeren Position, nein zu einem 12-Stunden-Tag zu sagen. Gleichzeitig steht der Ex-Partner nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung, um bei der Kinderbetreuung einzuspringen und sie verfügen zumeist über ein geringeres Familieneinkommen, und könne sich daher bezahlte Betreuung oft nicht leisten.

Das sagen die Betroffenen in der Umfrage 

  • „Ich hätte keine Möglichkeit für eine so lange Kinderbetreuung und würde das auch gar nicht nutzen wollen! Ich möchte in meinem Leben auch Zeit für meine Familie haben, nicht nur für die Arbeit! Und wie bitte soll das gehen bei einem 12-Stunden-Tag? Absolut familienunfreundlich!“ 
     
  • „Ich habe drei Kinder und so etwas würde ich nicht vereinbaren können, die Kinder wären zu viel Zeit alleine und wir, die Eltern, zu müde, um uns um sie zu kümmern. Es wäre katastrophal für die Familien und Weiterbildung würde auch nicht mehr möglich sein, weil nur gearbeitet wird.“ 
     
  • „Vereinbarkeit von Familie und Beruf wäre nicht gegeben und deshalb wäre ich arbeitslos.“ 
     
  • „Unmöglich für mich, da in meinem Wohnort die Kinderbetreuung ganz schlecht ist. Ich könnte nicht mehr arbeiten." 
     
  • „Als Alleinerziehende muss ich sagen: Frau kommt an ihre Grenzen. Im Taxidienst sind 13 Stunden täglich üblich. Man bedenke, dass die Kindergärten um 7 Uhr aufmachen und abends um 17 Uhr zumachen. Selbiges gilt für den Schülerhort. Das bedeutet für alle Mehrkosten. Zuhause hat man auch noch Arbeit: kochen, waschen, putzen, mit den Kids noch was machen.“ 
     
  • „Als Alleinerziehende mit kleinen Kindern unmöglich, für eine Beziehung belastend und auch physisch und psychisch krankmachend!“ 

Die Umfrage

Die Arbeiterkammer hat online eine Umfrage zum 12-Stunden-Tag durchgeführt, die gewaltiges Echo unter den ArbeitnehmerInnen ausgelöst hat: 17.711 Personen nahmen teil, 51 Prozent davon Frauen, 49 Prozent Männer. Die Umfrage ist nicht repräsentativ, gibt aber vielfältige Einblicke in die Sicht der ArbeitnehmerInnen zum 12-Stunden-Tag. Die Detailauswertung liegt nun vor. Neben der quantitativen Analyse, sind die Kommentare der Befragten besonders eindringlich: „Ständige Erschöpfung“, „Kein Privatleben“, „Keine Zeit für Familie mehr“, „Work – Eat – Sleep – Repeat“. 

TIPP

Die Initiative „Wie soll Arbeit?“

Arbeitszeit ist einer der Schwerpunkte der großen Dialog-Initiative „Wie soll Arbeit?“, die Arbeiterkammer und ÖGB bis Ende Mai 2018 durchführen. Mehr Infos finden Sie unter www.wie-soll-arbeit.at.

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