8.10.2020

Wie fair findet Österreich die Verteilung von Einkommen und Vermögen?

Alle zwei Jahre wird in der EU der European Social Survey (ESS), eine repräsentative Haushaltserhebung, durchgeführt. Der Schwerpunkt sind soziale und politische Einstellungen in der Bevölkerung. Dabei sind auch einige Fragen über das Gerechtigkeitsempfinden der Menschen enthalten. Insgesamt wurden 47.000 Personen in 27 Ländern befragt, davon 2.500 in Österreich. Die ExpertInnen der Arbeiterkammer haben nun diese Daten ausgewertet, um repräsentative Aussagen für die österreichische Bevölkerung treffen zu können. 

Hier die wichtigsten Ergebnisse

  • Menschen, die hart arbeiten, sollen mehr verdienen als andere. Menschen, die sozialen Bedarf haben, sollen unterstützt werden. Das halten 9 bzw. 8 von 10 ÖsterreicherInnen für gerecht. Als ungerecht, wird die Gnade der Geburt empfunden. Wer also aus einer Familie mit hoher gesellschaftlicher Stellung stammt, soll dadurch nicht automatisch privilegiert sein

  • Drei Viertel halten die Verteilung von Vermögen in Österreich für unfair. Das ist deutlich mehr als im EU-Schnitt.
Die Grafik zeigt die - in Österreich sehr ungerechte - Verteilung von Vermögen © AK Wien
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  • Mehr als 80 Prozent erachten die niedrigen Einkommen in Österreich als zu niedrig. Die höchsten Einkommen dagegen halten zwei Drittel für zu hoch.

  • Mehr als die Hälfte der Befragten erachtet das eigene Einkommen als fair. 40 Prozent sind aber dennoch der Meinung, es ist zu gering.

  • Was die ÖsterreicherInnen als gerecht und fair empfinden, nämlich eigene Leistung statt Geburtslotterie, steht in Diskrepanz mit der tatsächlichen Verteilung des Vermögens. Das führt zu Enttäuschung und gefährdet in Folge Demokratie und sozialen Zusammenhalt.
Grafik zur Zustimmung zu den vier Gerechtigkeitsprinzipien "Gleichheit", "Bedarf", "Anrecht" und "Leistung" © AK Wien
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Wie kann Österreich gerechter werden?

  • Besteuerung hoher Vermögen sowie hoher Vermögens- und ManagerInnen-Einkommen

  • Kollektivvertragliche Mindestlohnpolitik stärken

  • Verbesserung der Arbeitsbedingungen in systemrelevanten Bereichen

  • Ausbau sozialer Dienstleistungen

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Die vollständige Auswertung finden Sie hier