18.7.2019

Der Sozialstaat wirkt

Von den öffentlichen Leistungen profitieren zwar alle – unabhängig vom Einkommen. Doch die Leistungen des Sozial­staates tragen zu mehr Gleichheit in der Bevölkerung bei.

So reduziert der Sozial­staat die Einkommens­kluft zwischen arm und reich. Die durch­schnittlichen Einkommen der reichsten 10 Prozent der Haus­halte belaufen sich in Österreich auf das 30-fache der ärmsten 10 Prozent der Haushalte. Nach der Umverteilung durch den Wohl­fahrts­staat reduziert sich dieses Verhältnis auf das 6-fache.

Grafik © Tea Mina Jaramaz
© Tea Mina Jaramaz

Die Um­ver­teilung erfolgt vor allem über die Bereit­stellung öffentlicher Leistungen und progressive Steuern.

Öffentliche Leistungen, wie etwa die Gesund­heits­versorgung, das öffentliche Schulwesen oder auch die staatlich erbrachte Pflege kranker Menschen verringern die Ungleichheit um 41 Prozent. Sie leisten damit den größten Beitrag zur Um­ver­teilung.

Direkte Steuern, wie etwa die Lohnsteuer, die Körper­schafts­steuer auf Unter­nehmens­gewinne oder die Kapital­ertrags­steuer auf Gewinne aus Zinsen und Dividenden verringern das Ausmaß der Ungleichheit um 36 Prozent.

Monetäre Unterstützungen durch den Staat, wie etwa das Arbeits­losen­geld oder das Pflege­geld, verringern die Ungleichheit um 31 Prozent.

Indirekte Steuern, wie etwa die Mehr­wert­steuer, belasten dagegen niedrige Einkommen besonders stark. Sie erhöhen daher die Ungleichheit um 8 Prozent.

Ohne den Sozial­staat wäre die Armut in Österreich mehr als 3 Mal so hoch. Durch den Sozial­staat verringert sich die Armuts­quote von 35 auf 10 Prozent.

Fazit: Der Sozial­staat unterstützt Menschen in allen Ein­kommens­klassen. Denn viele Leistungen des Sozial­staats erhalten wir, weil wir sie gerade brauchen: Wer krank ist, wird vom Arzt/von der Ärztin behandelt, Kinder gehen in öffentliche Schulen – ihre Eltern erhalten Familien­beihilfe. Diese Leistungen erhalten wir, unabhängig davon, wie viel wir verdienen. Trotzdem tragen sie zu einer gleicheren Gesellschaft bei. Der Grund ist, dass niedrige und mittlere Einkommen, private Gesund­heits­versicherungen oder Privat­schulen nicht allein finanzieren könnten und daher auf die Öffentliche Hand angewiesen sind.