Mutter versucht verzweifelt, Kinderbetreuung zu organisieren © Prostock-studio, stock.adobe.com
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4.3.2021

Covid-19-Arbeitsmarktkrise: Frauen sind stärker betroffen als Männer

Der Anstieg der Arbeitslosenzahlen liegt bei Frauen mit 37,8 Prozent im Jahresdurchschnitt 2020 im Vergleich zum Jahresdurchschnitt 2019 höher als bei Männern (34,4  Prozent). Frauen, und dabei insbesondere auch junge Frauen, zählen neben MigrantInnen zu den Verliererinnen der gegenwärtigen Krise. 

In den krisenbetroffenen Branchen arbeiten zu einem großen Teil Frauen

Die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf den österreichischen Arbeitsmarkt folgen einer Dynamik, die sich von bisherigen Wirtschaftskrisen unterscheidet. Von den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie sind Branchen wie Hotellerie/Gastronomie, Tourismus, große Teile des Handels sowie körpernahe Dienstleistungen, wie FrisörInnen oder KosmetikerInnen, aber auch Gesundheit und Soziales, besonders betroffen.

In den krisenbetroffenen Branchen arbeiten zu einem großen Teil Frauen. Zudem gelang Frauen der Wiedereinstieg nach einem Jobverlust schlechter als Männern: So hatten 62 Prozent der Männer, die in der zweiten Märzhälfte ihren Arbeitsplatz verloren haben, bis Ende Juni wieder eine Beschäftigung, während bei den Frauen nur 52 Prozent wieder einen Job gefunden hatten. In den Sommermonaten kam es zwar zu einer Erholung am Arbeitsmarkt, seit Oktober – und vor allem mit dem zweiten Lockdown im November – steigen die Arbeitslosenzahlen wieder deutlich an.

Negative Trendwende

Der Anstieg der Frauenarbeitslosigkeit hat sich seit dem Jahreswechsel weiter verstärkt. Seit Dezember ist die Zahl der arbeitslosen Frauen in jedem Monat um über 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen, bei den Männern um rund 25 Prozent. Einer der Gründe dafür sind die fortgesetzten Schließungen im Tourismus, die sich in den höchsten Zuwächsen der Arbeitslosigkeit in den vom Wintertourismus abhängigen westlichen Bundesländern zeigt.  

Grafik © Tea Mina Jaramaz , AK Wien
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Mehr arbeitsmarktpolitische Angebote!

Die Verwendung der Mittel für die Kurzarbeit sind zwischen den Geschlechtern ungleich verteilt. Im Jahr 2020 waren 44 Prozent der in Kurzarbeit befindlichen Beschäftigten Frauen 56 Prozent Männer, und Frauen somit nicht entsprechend ihrem Beschäftigungsanteil repräsentiert. Die Kurzarbeitsbeihilfe ist bei Frauen auch niedriger, weil sie geringere Verdienste haben und oft in Teilzeit beschäftigt sind. „Um dieses Ungleichgewicht bei der Mittelverwendung auszugleichen und Frauenarbeitslosigkeit effektiv zu bekämpfen, müssen Frauen bei der Finanzierung arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen überproportional zu ihrem Anteil an den Beschäftigungslosen berücksichtigt werden“, fordert AK Präsidentin Renate Anderl. Konkret braucht es:

  • Deutlich mehr arbeitsmarktpolitische Angebote zur Bekämpfung der Frauenarbeitslosigkeit, u.a. Ausbau des arbeitsmarktpolitischen Frauenprogramms des AMS, Forcierung von Arbeitsstiftungen und öffentliche Beschäftigungsprogramme 

  • Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen müssen auf die Lebensrealität von Frauen mit Kindern ausgerichtet sein  

  • Rechtsanspruch auf ein ganztägiges Kinderbildungsangebot ab dem 1. Geburtstag und Ausbau der Ganztagsschulen  

  • Anspruch auf ein Pflegeangebot   

  • Arbeitszeitverkürzung: Sie ist nicht nur ein zentraler Hebel zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, sondern ist auch zur gerechteren Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit von Männern und Frauen.