20.2.2020

Was heißt hier Ausbildung?

Die neue Bundesregierung plant die „Aufwertung der Lehre“ und will „die betriebliche Lehrausbildung stärken“. Nach Auffassung von Arbeiterkammer (AK), Gewerkschaftsbund (ÖGB) und Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) ist das richtig. Sie halten es für positiv, dass die Lehre attraktiver gemacht werden soll.

Dazu bringen sie ihren dritten österreichischen Lehrlingsmonitor ein. Das Österreichische Institut für Berufsbildungsforschung hat dafür die Angaben von 5.253 Lehrlingen im letzten Lehrjahr ausgewertet. Die Lehrlinge sind entscheidende Stakeholder in der Lehrausbildung. Für zwei von drei Lehrlingen sind die Lehr- und Lernbedingungen im Betrieb ok. Bei gut einem Drittel der Lehrlinge haben die Lehrbetriebe aber nach wie vor Aufholbedarf.

Jeder dritte Lehrling muss Überstunden machen

Jugendliche brauchen besonderen Schutz. Für sie gelten daher besondere arbeits- und sozialrechtliche Bestimmungen. So sind zum Beispiel Überstunden für Lehrlinge unter 18 Jahren in Österreich verboten. Ebenso sind die Lehrbetriebe zu Aufzeichnungen über die geleisteten Arbeitsstunden verpflichtet. Das gilt auch für die Leistung von Lehrlingen. Und selbstverständlich gilt: Wer krank ist, wird vom Arzt/der Ärztin krankgeschrieben und muss nicht in die Firma. 

Die Realität sieht in vielen Betrieben leider anders aus: Drei Viertel der befragten Lehrlinge sind schon einmal krank arbeiten gegangen. Jede/r dritte Befragte gibt an, regelmäßig Überstunden zu leisten – das sagen auch die unter 18-Jähringen. Weiters gibt fast jede/r vierte Befragten an, dass es für sie keine schriftliche Arbeitszeitaufzeichnung gibt oder er/sie überhaupt nicht weiß, ob es im eigenen Lehrbetrieb eine schriftliche Arbeitsaufzeichnung für sie/ihn gibt.

Grafik © Tea Mina Jaramaz
© Tea Mina Jaramaz

Bessere Ausbildungsbedingungen!

ÖGB, ÖGJ und AK kritisieren, dass die Wirtschaft über Fachkräftemangel klagt, aber nichts an den Ausbildungsbedingungen ändert. Sie haben ein Programm für Ausbildungsqualität – im Interesse der Jugendlichen und damit auch der Wirtschaft. Sie wollen die gesetzliche Einführung eines Qualitätsmanagements für die Berufsausbildung.

Gesicherte Qualität gibt es zum Beispiel durch verpflichtende regelmäßige Weiterqualifizierung der AusbildnerInnen, einen Ausbildungsplan, eine Dokumentation der Ausbildung und regelmäßige Überprüfung des Ausbildungsfortschritts. Außerdem fordern ÖGB, ÖGJ und AK die Zertifizierung von Lehrbetrieben auf Grund von Qualitätsnormen, regelmäßige Überprüfungen, ob die Normen eingehalten werden, und einen Kompetenzcheck mit einem Feedback an Lehrlinge und Lehrbetriebe während der Ausbildung.