Verzweifelte Arbeitnehmerin © baranq, adobe.stock.com
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21.12.2021

Steigende Energiepreise

Die Wohnung heizen und beleuchten, Kochen, Lebensmittel aufbewahren können, Fernsehen sowie Computer und Internet nutzen – Energie ist ein zentraler Bestandteil des täglichen Lebens. Wer seine Energiekosten nicht mehr bezahlen kann, also von Energiearmut betroffen ist, sitzt nicht nur in einer dunklen, unbeheizten Wohnung, sondern verliert auch den Anschluss an die Gesellschaft. Die AK hat bereits im Vorjahr auf die immense Bedeutung von Energie für die Teilhabe am modernen Leben hingewiesen.

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„Eine stabile Energieversorgung ist Teil der Daseinsvorsorge und muss für alle leistbar sein. Viele private Haushalte sind durch Corona ohnehin schon stark unter Druck, mit den Teuerungen von Strom und Gas rollt eine weitere Belastungswelle auf die Menschen zur.

Aus Sicht der AK sind alle Akteure der Energiepolitik daher dringend aufgefordert zu handeln und ihre Verantwortung wahrzunehmen, damit Energie weiterhin leistbar bleibt und Energiearmut bekämpft wird. Jetzt gilt: Wer schnell hilft, hilft doppelt – denn hier gehen Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit Hand in Hand“, betont die Leiterin der Abteilung Wirtschaftspolitik, Christa Schlager.

Wie kommt es zu den hohen Energiepreisen?

Die Preise bei Strom, Gas und Wärme befinden sich derzeit auf einem noch nie dagewesenen Höhenflug. Seit Jahresbeginn 2021 sind die Großhandelspreise für Gas und Strom rasant gestiegen. So ist der österreichische Stromgroßhandelspreisindex (ÖSPI) von 80,5 im Jänner 2021 auf 148,7 im Dezember 2021 um 85 % gestiegen.

Noch dramatischer ist es beim Gasgroßhandelspreis (ÖGPI): Dieser befand sich im  Jänner 2021 auf einem Niveau von 64,77, derzeit im Dezember 2021 jedoch auf 364,65 (563 %). Nachdem die Großhandelspreise erst im Laufe des Jahres 2021 deutlich gestiegen sind, fallen die durchschnittlichen Preisunterschiede im Vergleich zum Vorjahr etwas geringer aus als der Monatsvergleich Jänner-Dezember 2021. Demnach ist der Strompreis 2021 gegenüber dem Vorjahr um rund 17 % gestiegen (ÖSPI-12Monats-Mittel-2020: 88,5; ÖSPI-12Monats-Mittel-2021: 104,6). Der Gas-Großhandelspreis hat sich 2021 gegenüber dem Vorjahr verdreifacht (ÖGPI-12Monats-Mittel-2020: 47,53; ÖGPI-12Monats-Mittel-2020: 149,60). 

Diese Preissteigerungen zeigten sich teilweise schon in den Daten zu Haushaltsenergiepreisen, die die Statistik Austria im Herbst veröffentlicht hat. Damals sind die Preise für Strom um 7,4 %, für Gas um 12 % und für Heizöl um ein Drittel gestiegen. Nachdem große Energieanbieter in den letzten Wochen die Preise erhöht haben oder Erhöhungen für Anfang 2022 angekündigt haben, müssen Konsument:innen damit rechnen, für Energie noch tiefer in die Tasche greifen zu müssen.

„Verantwortlich für den Preisanstieg bei Gas sind mehrere Faktoren: Ein strenger Winter im Vorjahr, der zu unterdurchschnittlich gefüllten Gasspeichern in Europa führte, hohe Nachfrage aus Asien nach der Coronakrise, geringere Gasimporte aus Russland und Norwegen, wenig Windenergieaufkommen, wodurch Gas auch für die Stromerzeugung genutzt werden muss.

Und auch der steigende CO2 - Preis treibt den Gaspreis an. Auch LNG, also verflüssigtes Erdgas, wurde durch den wirtschaftlichen Aufschwung in Asien fast vollständig vom europäischen Markt abgezogen und verteuerte sich damit enorm. Durch den Anstieg des Gaspreises verteuerte sich auch Strom, weil – aufgrund geringerer Auslastungen der erneuerbaren Energieanlagen – Gaskraftwerke einspringen mussten“, erklärt Energieexperte Josef Thoman. 

AK Energiepreismonitor

Die AK beobachtet bereits seit 2008 mit ihrem Energiepreismonitor die Lage am heimischen Energiemarkt. Sie vergleicht dabei die Großhandelspreise für Strom und Gas mit den Haushaltsenergiepreisen der 14 größten Strom- und 12 größten Gasanbieter in Österreich. Dabei zeigt sich bei einem Beobachtungszeitraum von über 10 Jahren, dass Preisreduktionen an den Börsen nur sehr langsam oder gar nicht an die Kosument:innen weitergeben werden. Preiserhöhungen hingegen, werden sehr schnell auf die Endverbraucher:innen abgewälzt.

So war es auch beim Ausbruch der Coronapandemie: Der Österreichische Gaspreis-Index (ÖGPI) und der Österreichische Strompreis-Index (ÖGSPI) sind 2020 teilweise massiv eingebrochen – von diesen Preisreduktionen merkten die Konsument:innen allerdings nichts.

Seit Sommer 2021 steigen die Preise nun aufgrund des allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwungs wieder und einige Energielieferanten haben nicht gezögert, ihre Haushaltskund:innen das sofort spüren zu lassen. Weitere zogen nach: Spätestens im Sommer 2022, wenn die Jahresabrechnungen fällig sind, drohen Nachzahlungen und höhere Teilbetragszahlungen. Die höheren Energiekosten werden zum Problem.

Verantwortung der Energieversorger

Völlig verantwortungslos agieren dabei jene Energielieferanten, die ihre Kund:innen im Regen stehen lassen, indem sie ihnen die Energielieferverträge trotz Preisgarantien und Bindungsfristen einfach kündigen. Wie kolportiert, haben das einige Energielieferanten bereits getan – aus Sicht der AK ist das völlig inakzeptabel. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) unternimmt bereits rechtliche Schritte gegen dieses Vorgehen.

Größere Energieversorger haben in der Vergangenheit argumentiert, ihre langfristige Einkaufspolitik würde es nicht zulassen, auf kurzfristige Großhandelspreissenkungen zu reagieren. Trotzdem haben einige größeren Energielieferanten bereits – teils kräftige – Preiserhöhungen bekannt gegeben oder in Aussicht gestellt. Das ist aus Sicht der AK unverständlich. Die öffentliche Hand sollte als Miteigentümerin von Energieunternehmen ihre Verantwortung wahrnehmen, um Preissteigerungen während der kalten Jahreszeit zu unterbinden oder zumindest so gering wie möglich zu halten.

Dazu kommt, dass jene Energieversorgungsunternehmen, die selbst Strom aus rohstoffunabhängigen Quellen produzieren (Wasserkraft-, Windkraft- oder Photovoltaikanlagen) durch deutlich höhere Verkaufspreise und konstante Herstellungskosten von höheren Stromgroßhandelspreisen profitieren. Aber auch die öffentliche Hand profitiert bei steigenden Energiepreisen: von höheren Steuereinnahmen, höheren Dividenden und steigenden Körperschaftssteuereinnahmen aus den Energieunternehmen. Diese finanziellen Mittel könnten genutzt werden, um der Belastung privater Haushalte durch höhere Energiekosten entgegen zu wirken.

Energiepreise und Netzkosten

Die Energierechnung besteht aber – neben dem reinen Energiepreis – noch aus zwei weiteren Komponenten: den Netzkosten und den Steuern und Abgaben. Im kommenden Jahr werden auch die Netzkosten um bis zu 8% bei Gas und um bis zu 15% bei Strom steigen und damit die jährliche Energierechnung noch weiter erhöhen.

Bei den Steuern und Abgaben hat die zuständige Bundesministerin für Klimaschutz – wie von der AK gefordert – Entlastungen vorgenommen: So werden der verbrauchsabhängige Erneuerbaren-Förderbeitrag und die Pauschale kommendes Jahr entfallen. Das führt nicht nur zu einer weiteren Entlastung der Haushalte, sondern hilft auch der Ökostromabwicklungsstelle (OeMAG), da die hohen Überschüsse derzeit nur mit Verlusten am Finanzmarkt veranlagt werden können. 

Was bedeutet das für Haushalte?

Beispiele

Beispielrechnungen der AK zeigen die Preiserhöhungen für Haushalte im Detail: So kommt auf einen Haushalt im Osten Österreichs, der mit Gas heizt und auch Strom verwendet, allein durch den Anstieg der Energiepriese im nächsten Jahr eine Erhöhung von rund 280 Euro (bei einem Verbrauch von 10.000 kWh Gas und 2.200 kWh Strom) über 423 Euro (15.000 kWh Gas; 3.500 kWh Strom) bis zu 600 Euro (23.000 kWh Gas; 4.500 kWh Strom) zu.

Es muss daher noch mehr getan werden, denn die Energiewende wird uns nur gelingen, wenn die Energiepreise leistbar bleiben.

Energiearmut hat viele Gesichter

„Besonders für energiearme Haushalte ist die derzeitige Preisexplosion kaum zu stemmen, denn sie haben schon unter normalen Umständen Schwierigkeiten, ihre Energierechnungen zu zahlen oder ihre Wohnräume ausreichend zu heizen. Energiearmut ist ein komplexes Phänomen, bei dem verschiedene Kriterien betrachtet werden müssen. Neben finanziellen Faktoren – wie geringem Einkommen oder steigenden Energiepreisen – spielen Wohnverhältnisse bzw. Gebäudeausstattung, Stichwort thermisch-energetische Effizienz, das Wissen über die richtige Energienutzung sowie der Wohnort, zum Beispiel Stadt-Land-Unterschiede eine wichtige Rolle“, so Energieexpertin Sandra Matzinger. 

Menschen mit wenig Einkommen können sich keine Neubauwohnung mit Niedrigenergiestandard leisten. Sie sind auf bezahlbaren bzw. günstigen Wohnraum angewiesen, der oftmals jedoch mit geringeren Standards oder sogar Baumängeln einhergeht. Wer in einer Wohnung ohne Wärmedämmung bzw. mit schlecht isolierten Fenstern lebt, muss mehr heizen bzw. leidet stärker unter Hitzewellen, die durch die Klimakrise häufiger werden. Ist im Wohnhaus keine vernünftige Heizungsanlage installiert, ist man z. B. auf einen Radiator angewiesen, was sich in einer horrenden Stromrechnung niederschlägt.

Menschen, die wenig Haushaltseinkommen zur Verfügung haben, nutzen vielfach alte „Stromfresser“, da sie keine neuen und energieeffizienten Elektrogeräte anschaffen können. Das führt dazu, dass die Strom- und Gasrechnungen nicht mehr bezahlt werden können – so entsteht eine Armutsspirale, aus der es für die Betroffenen kaum noch einen Ausweg gibt. Wenn die Energiepreislawine so wie jetzt hereinbricht, werden diese Haushalte schlichtweg mitgerissen. Preiserhöhungen, wie jene, die wir im momentanen Ausmaß erleben, bedeuten aber nicht nur für energiearme Haushalte große Probleme, sondern auch für Mittelverdiener:innen oder Pensionist:innenhaushalte, die bisher mit ihrem Einkommen bzw. ihrer Pension gut ausgekommen sind.

Was können Konsument:innen tun?  

Alle Informationen zu Preisänderungen, Vertragskündigungen oder Änderungen der allgemeinen Lieferbedingungen finden Sie hier

Video der Pressekonferenz

Die Pressekonferenz vom 21.12.2021 mit den AK Energieexpert:innen Christa Schlager, Josef Thomann und Sandra Matzinger können Sie hier nachsehen:

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