Windräder © Viliam, stock.adobe.com
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14.11.2022

Volkswirtschaftliche Auswirkungen der Energiekrise

Die AK fordert bereits seit Monaten die Entkopplung des Strommarkts vom Gasmarkt auf EU-Ebene, um den explodierenden Energiepreisen entgegenzuwirken und damit die Belastung für Konsumentinnen und Konsumenten zu verringern.

Eine aktuelle Studie der AK zeigt: Diese Entkopplung würde die Inflation um ein Viertel reduzieren und hätte damit positive Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft.

Hohe Kosten für österreichische Volkswirtschaft

Eine von der AK in Auftrag gegebene Studie beim Centre of Economic Scenario Analysis and Research zeigt erstmals die erheblichen Effekte der Energiekrise auf: Die Kosten für die österreichische Volkswirtschaft durch die höheren Energiepreise belaufen sich 2022 auf rund 24 Milliarden. Euro. Bis 2023 wird sich diese Summe auf 36 Milliarden Euro steigern. Die gesamtwirtschaftlichen Effekte der Energiekrise lassen das BIP 2022 um etwa 2,6% schrumpfen – bis 2023 werden es 3,3% sein. Zusätzlich kommt es zu einer starken Dämpfung des privaten Konsums, die diese Negativspirale antreibt. 

Strompreis steigt mit Gaspreis

Grund für die derzeit enorm steigenden Strompreise ist die enge Verknüpfung zwischen Strom- und Gasmarkt. Denn die Entwicklung des Gasbörsepreis wirkt sich direkt auf den Strombörsepreis aus. Die Erklärung dafür liegt im europäische Strommarktdesign, dem sogenannte Merit-Order-System. In diesem bestimmt stets das teuerste, noch zur Abdeckung der Nachfrage benötigte Kraftwerk, den Preis. Das ist häufig ein Gaskraftwerk. Das führt dazu, dass – trotz eines hohen Anteils anderer Stromerzeugungsformen – der Strompreis mit dem Gaspreis steigt. 

Stromerzeuger profitieren auf Kosten der Verbraucher:innen

Die Betreiber von Wasserkraft-, Windkraft- oder PV-Anlagen, aber auch AKW-Betreiber profitieren von diesen erhöhten Strompreisen enorm, denn ihre Erzeugungskosten für Strom, haben sich nicht geändert. Dadurch entstehen bei diesen Energieerzeugern massive Übergewinne – gleichzeitig sind die Verbraucher:innen mit massiv steigenden Kosten konfrontiert. 

AK fordert „iberisches Modell“ zur Senkung der Strompreise

Aufgrund der hohen Preissteigerungen fordert die Arbeiterkammer bereits seit Monaten, dass in dieses System eingegriffen wird, um die Strompreise zu senken. Konkret fordern wir die Umsetzung des iberischen Modells auf EU-Ebene. Das bedeutet: der Gaspreis für Gaskraftwerke wird reguliert bzw. subventioniert. Dadurch sinkt der Strombörsepreis (für alle Erzeugungsformen und für alle Verbraucher:innen) deutlich und es kommt zu einer Art Entkoppelung von Strom- und Gaspreisen. 

Wenn der Strompreis vom Gaspreis entkoppelt und deshalb nur halb so stark ansteigen würde, würde

  • die Inflation um ¼ verringert,
  • die negativen Effekte auf das BIP um ein Drittel reduziert werden,
  • die Reallohnverluste um ein Drittel geringer sein und
  • der Beschäftigungsrückgang nur halb so hoch ausfallen.
  • Mit einem Preis von weiterhin rund 100 /Megawattstunden (Mwh) Strom gibt es noch genügend Anreize, um in erneuerbare Energienn zu investieren
  • Um zu verhindern, dass der günstigere Strompreis zu mehr Exporten an den EU-Außengrenzen und einer stärkeren Nachfrage führt, sind begleitende Maßnahmen und verpflichtenden Gaseinsparungen notwendig.


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