24.2.2020

AK Klimadialog: Ärmere Haushalte heizen mit Kohle, reichere mit Heizöl

Knapp 44% der Haushalte in Österreich verwenden fossile Brennstoffe, um die Wohnräume zu heizen. Der Plan der Regierung sieht vor, dass diese etwa 1,65 Millionen Haushalte stufenweise auf andere Heizsysteme umstellen (Phase-Out). Um zu eruieren, welche Haushalte von den Plänen auf welche Art betroffen sind, wurde nun in einer Studie erstmals erhoben, wie die Verteilung von Heizsystemen und Energieträgern in Österreich nach unterschiedlichen sozioökonomischen Merkmalen und Regionen aussieht. Beim neunten AK Klimadialog in Wien wurde die Studie von Vanessa Lechinger (INEQ/WU Wien) vorgestellt.

So heizt Österreich

Rund 1 Million bzw. 27% der Haushalte in Österreich verwenden Gas als häufigsten Energieträger, gefolgt von Fernwärme (25%), Brennholz und Heizöl (je 16%). Strom folgt an 5. Stelle (7%), darauf Holzpellets (5%). Alternative Energieträger (3%) und Kohle (0,5%) werden am wenigsten häufig genutzt. Hauszentralheizungen, die von knapp 50% der Haushalte verwendet werden, werden zu ähnlich gleich großen Teilen mit Brennholz, Heizöl oder Gas geheizt, Einzelöfen (6% der Haushalte) hingegen vorwiegend mit Brennholz. Etagenheizungen oder Elektroheizungen werden von 12 bzw. 4% der Haushalte verwendet.

Regionale Unterschiede

Regionale Unterschiede gibt es vor allem bei den verwendeten Energieträgern: In Südösterreich wird neben Fernwärme und Heizöl besonders oft Brennholz verwendet, in Westösterreich hingegen Heizöl und in Ostösterreich Gas und Fernwärme. Kohle, die von 18.000 Haushalten genutzt wird, kommt überdurchschnittlich häufig im Burgenland, Niederösterreich und der Steiermark sowie in den untersten zwei Einkommensdezilen vor.

„Die Zusammenhänge zwischen dem Haushaltseinkommen, der Zusammensetzung des Haushalts und der Heizart müssen bei einem Phase-Out unbedingt beachtet werden“, sagt Studienautorin Vanessa Lechinger von der WU Wien. Während reichere Haushalte eher Heizöl verwenden, benützen Haushalte mit den niedrigsten Einkommen Kohle, Brennholz und Strom. Heizöl kommt besonders häufig im Eigentum vor und wird überdurchschnittlich oft von Paarhaushalten in Pension verwendet, Kohle hingegen eher von Singlehaushalten in Mietverhältnissen.

Besorgniserregend ist, dass rund 16.500 Haushalte über kein fest installiertes Heizungssystem verfügen. 

Für AK Energieexpertin Sandra Matzinger zeigen die Ergebnisse: „Der Ausstieg aus fossilen Energieträgern kann nur dann gelingen, wenn auf die soziale Verträglichkeit geachtet wird. Für armutsbetroffene Haushalte wird das eine ziemliche Herausforderung werden, denn die derzeitigen gesetzlichen Regelungen sowie vorhandenen Maßnahmen wie etwa Sanierungsförderungen sind dafür unzureichend.“ Mit einem Heizungstausch müssen ebenso Energieeffizienzmaßnahmen Hand in Hand gehen, um den Energieverbrauch nachhaltig zu senken. Thermische Sanierungen stehen dabei an erster Stelle.

Unsere Forderungen

Damit ein Umstieg auf Erneuerbare Energieträger in der Raumwärme gelingen kann, fordert die AK:

  • Eine kostenlose, leicht zugängliche und unabhängige Beratung über alternative erneuerbare Heizungsmöglichkeiten sowie über Förderungs- und Finanzierungsmöglichkeiten.

  • Die Einrichtung eines „Heizungsfonds“, um armen Haushalten den Umstieg auf ein sauberes Heizungssystem zu finanzieren.

  • Im Zuge des großen Umrüstens wird im urbanen Bereich die Fernwärme eine wichtige Rolle spielen. „Allerdings fehlen in diesem Bereich Schutzbestimmungen, wie sie KonsumentInnen im Strom- und Gasbereich haben“, sagt Sandra Matzinger. Hier fordert die AK unter anderem transparentere Vertragsbedingungen, effektive Preiskontrollen und eine unabhängige Beratung sowie einfachere Rechtsdurchsetzungsmöglichkeiten.

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