18.1.2019

AK Unternehmensradar: Unternehmen wirtschaftlich gut aufgestellt

Um eine Schnelleinschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung der größten Unternehmen dieses Landes durchführen zu können, ver­öffentlicht die AK Wien erstmals den AK Unternehmensradar. Insgesamt wurden 700 Jahresabschlüsse für 2017, die bereits vorlagen (neun Monate nach dem Bilanzstichtag), einer Analyse unterzogen. In diesen Unter­nehmen, die zusammen einen Umsatz von 210 Milliarden Euro erzielt haben, sind mit 562.000 ArbeitnehmerInnen fast ein Sechstel aller Erwerbstätigen beschäftigt. Das Ergebnis des Unternehmensradars kurz zusammengefasst: eine hervorragende wirtschaftliche Entwicklung und schöne Geschenke für die EigentümerInnen. 

Grafik © Tea Mina Jaramaz

So hat sich etwa die Ertragslage weiter verbessert, im Schnitt liegt die EBIT-Marge bei 5,5 Prozent, bei einem Viertel der untersuchten Unternehmen sogar bei mehr als 7,1 Prozent. Daher lohnt es sich aus Sicht der EigentümerInnen, Geld in die Firmen zu investieren, befinden sich die Renditen doch im zweistelligen Prozentbereich (15,4 Prozent Eigenkapitalrentabilität). Damit wird das unternehmerische Risiko deutlich abgegolten. Nicht nur angesichts der derzeit extrem niedrigen Zinslandschaft ist es daher für die UnternehmerInnen vorteilhaft, Kapital ins Unternehmen zu investieren.

Auch was die finanzielle Stabilität der analysierten Betriebe anbelangt, kann sich das Ergebnis sehen lassen. Über die Jahre hinweg konnte sich die durchschnittliche Eigenkapitalquote auf aktuell 38,9 Prozent weiter verbessern. Dagegen sind nur fünf der 700 großen Unternehmen buchmäßig überschuldet.

Als solide erweist sich zudem die Zahlungsfähigkeit der Unternehmen: Bezogen auf die 2017er Bilanzen liegt der Liquiditätsgrad bei sehr guten 115,4 Prozent. Sollte es also – wider Erwarten – aufgrund einer Krise zu finanziellen Engpässen kommen, sind die Betriebe gut gerüstet, um diese kurzfristig zu überbrücken. Die Unternehmen haben also aus der Finanz- und Währungskrise ihre Lehren gezogen.

Aus Sicht der AK zu begrüßen ist die Entwicklung bei den Investitionen. Diese sind schließlich immens wichtig für die Arbeitsplätze, den Unternehmens­standort und damit für die Zukunft eines Unternehmens. Nachdem viele Betriebe ihre Investitionen in den vergangenen Jahren auf die lange Bank geschoben haben, kam es 2017 aufgrund der sehr guten Konjunktur zu einer Trendumkehr. Die durchschnittliche Investitionsneigung liegt bei 151,0 Prozent und damit deutlich über den Wertminderungen der Anlagen (Gebäude, Maschinen, Fahrzeuge etc.).

Weniger erfreulich ist für die AK die betriebliche Verteilungspraxis. Denn EigentümerInnen können sich nicht nur wie erwähnt über zweistellige Renditen freuen, sie werden auch mit kräftigen Dividendenzahlungen belohnt. Zwar ist die Ausschüttungsquote im Verhältnis zu den erzielten Gewinnen 2017 leicht zurückgegangen, mit 75,4 Prozent ist sie aber immer noch in einem hohen Bereich angesiedelt. Leider konnten die Löhne und Gehälter mit der guten Gewinnentwicklung nicht Schritt halten. Denn die sogenannte Ausschüttungs­tangente (Verhältnis von Löhnen und Gehältern zu den Ausschüttungen) ist auf 39,8 Prozent gestiegen, das heißt, dass fast 40 Prozent der Lohn- und Gehaltssumme an Dividenden und Ergebnisabfuhren ausbezahlt wurden.

Weniger spendierfreudig sind die Unternehmen was die Steuerleistung anbelangt. Bekanntlich liegt der Körperschaftsteuersatz bei 25 Prozent. Durch bilanzpolitische Maßnahmen (Rückstellungen, Ausnützen von Bewertungs­spielräumen …) und durch konzernpolitische Maßnahmen (Marken- und Lizenzrechte, Ausnutzung von Steueroasen …) wird bereits im Vorfeld der im Inland zu versteuernde Gewinn auf ein Minimum gedrückt. So liegt der effektive Steuersatz 2017 bei 20,6 Prozent und damit deutlich unter dem gesetzlichen Steuersatz. 

Forderungen

Aus dieser Analyse ergeben sich aus Sicht der AK folgende zwei Forderungen:

  • Eine wie von der Regierung angedachte Steuersenkung auf Unternehmens­gewinne ist angesichts der realen Zahlen nicht angebracht. Im Gegenteil: Es wäre Zeit für einen höheren Steuerbeitrag der Vermögenden. Zudem fehlt der AK bei der derzeit geführten Diskussion über die Steuerreform konkrete Pläne für die Entlastung der Beschäftigten.

  • Die Beschäftigten müssen von der guten finanziellen Situation der Unter­nehmer stärker profitieren. Das ist zum einen über höhere Löhne und Gehälter möglich. Zum anderen sollte die Ausschüttungstaktik überdacht werden. Es muss mehr Geld im Unternehmen bleiben. Dieses soll sowohl in die Verbesserung der Arbeitsbedingungen als auch in die Aus- und Weiterbildung der MitarbeiterInnen investiert werden. Denn gerade im Zeitalter der Digitalisierung wirkt Bildung wie eine Schutzimpfung gegen Arbeitslosigkeit.