11.9.2014

Bessere Arbeitsbedingungen für Bus- und Lkw-LenkerInnen

Überarbeitung, Stress bei der Rastplatzsuche und Angst vor Überfällen am Rastplatz: Der Job am Steuer eines Lkw oder Bus wird immer härter, so das Ergebnis einer Umfrage, die die Arbeiterkammer gemeinsam mit der Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida unter über 800 BerufslenkerInnen durchgeführt hat. Für Aus- und Weiterbildung fehlen den LenkerInnen die Zeit und das Geld. Fast 60 Prozent der BerufslenkerInnen haben die vorgeschriebenen Weiterbildungen, die bis 2014 abgeschlossen sein müssen, noch nicht begonnen.

Lenkzeitüberschreitungen & Weiterbildungslücken

Das geht alle an: Wenn die LenkerInnen gut ausgebildet und gut ausgeruht sind, bedeutet das auch mehr Sicherheit für alle VerkehrsteilnehmerInnen. Die Arbeiterkammer und vida fordern deshalb ein 5-Punkte-Paket gegen Lenkzeitüberschreitungen für eine rasche Abwicklung der Pflicht-Weiterbildungen und für sichere Rastplätze. "Frächter und Busunternehmen klagen über mangelndes Fachpersonal. Es liegt an ihnen ihre FahrerInnen gut zu bezahlen und auszubilden und für die Einhaltung der Ruhezeiten einzutreten".

Rund 140.000 Beschäftigte in Österreich arbeiten als BerufslenkerInnen für Bus- und Frachtunternehmen, viele von ihnen unter schwierigsten Bedingungen. Nur jeder zweite Lenker sagt, dass er Lenkzeiten nicht überschreiten muss.

Schwierige Suche nach Rastplätzen in der Nacht

71 Prozent klagen außerdem über die "schwierige" oder "sehr schwierige" Suche nach Rastplätzen in der Nacht. Und auch wer einen Stellplatz gefunden hat, kommt nicht immer zur Ruhe: Jeder zweite berichtet von "gelegentlicher Angst", jeder zehnte sogar von "häufiger Angst" vor Überfällen auf den Rastplätzen. "Hier ist die Asfinag gefragt: Sie muss für mehr Stellplätze in den Nachtstunden sorgen. Mehr Überwachungskameras und andere Sicherheitsmaßnahmen müssen auf den Plätzen für ein besseres Sicherheitsgefühl sorgen".

Forderung

Das 5-Punkte Paket von AK und vida für mehr Sicherheit und bessere Jobs

  • Mehr Kontrollen bei den Lenkzeiten. Für überlange Lenkzeiten sind die Firmen verantwortlich: Sie planen die Strecken und Fahrtzeiten und machen nicht selten Druck, länger zu fahren. Die Strafen müssen aber überwiegend die FahrerInnen tragen. Das muss sich ändern. Hier muss das Kraftfahrgesetz geändert werden: Eine geringe Höchststrafe für die LenkerInnen und höhere Geldstrafen für die Unternehmen, die für die Lenkzeitüberschreitungen mit verantwortlich sind. Weiters sollen die Behörden nicht nur die Frächter, sondern auch deren Auftraggeber (Industrie und Spediteure) zur Verantwortung ziehen. Nur so kann der scharfe Wettbewerbsdruck, der derzeit auf dem Rücken der LenkerInnen ausgetragen wird, vermindert werden.

  • Strengere Kontrollen und Strafen der Unternehmen bei Sozialbetrug, es gibt kaum Kontrollen, ob die FahrerInnen regelgerecht versichert und bezahlt werden. Das muss sich ändern. Auch die FahrerInnen der seriösen Firmen sehen ihren Job durch Schwarze Schafe der Branche bedroht.

  • Die Asfinag muss für mehr Rastmöglichkeiten für Lkw sorgen. "Es fehlen in Österreich bis 2013 etwa 1.200 Stellplätze. Der Ausbau muss vorangetrieben werden. Als Sofortmaßnahme würden auch Kontrollen auf den Rastplätzen helfen: Etwa 14 Prozent der Befragten geben an, Stellfläche mit abgestellten Anhängern zu zuparken. Das geschieht auf Druck der Firmen. Diese Verschiebung von Lagerkapazität auf öffentliche Flächen muss aufhören.

  • Um das Sicherheitsgefühl zu erhöhen muss es gezielte Sicherheitstrainings für die LenkerInnen geben. Hier sind die Firmen gefordert.

  • Die Aus- und Weiterbildung muss von den Unternehmen gefördert und getragen werden. Nur dann können sich die Fahrer die Weiterbildungen leisten. Per Gesetz soll das Verkehrsministerium vorschreiben, dass die Aus- und Weiterbildungskosten vom Dienstgeber vollständig übernommen werden. Außerdem müssen die FahrerInnen die Ausbildung während ihrer Arbeitszeit absolvieren können. Derzeit gibt es nur einzelne Regelungen durch Kollektivverträge für BuslenkerInnen und einen Teil der Lkw-LenkerInnen. Unternehmen, die nicht ausgebildete LenkerInnen einsetzen, müssen dafür zur Rechenschaft gezogen werden.


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