20.2.2019

Wer ist wie betroffen von Umwelt­belastungen?

Generell zeigt sich: Klimawandel und zunehmender Verkehr sind die Haupt­umwelt­sorgen der Menschen. Gut ausgebaute öffentliche Verkehrsmittel sind ein adäquates Mittel dagegen. Eine sehr gute Lebensqualität bescheinigen sich 60 Prozent der Spitzen­verdiener­Innen, aber nur rund 40 Prozent der armuts­gefährdeten Befragten. 

Sylvia Leodolter, Leiterin der AK Abteilung Umwelt und Verkehr: „Die Studie zeigt: Die Menschen sind sehr klimabewusst. Sie nehmen den Verkehr als eine Hauptursache für den Klimawandel wahr und schätzen gut ausgebaute Öffis.“


Hauptsorgen sind Klimawandel und Verkehrsaufkommen

Ob mit hohem oder niedrigen Einkommen: Die Menschen in Österreich sehen den Klimawandel als eines der beiden größten Umweltprobleme: Über 23 Prozent der armutsgefährdeten Menschen und über 28 Prozent des obersten Einkommens-Fünftels sagen das. Daneben wird das steigende Verkehrsaufkommen als fast ebenso gravierendes Umweltproblem wahrgenommen. Nur die Einkommensstarken sehen im Verkehr ein weniger wichtiges Problem. Grafik  

Wer weniger verdient leidet mehr unter Lärm

Wer in Städten wohnt leidet naturgemäß mehr unter Lärm. Die Menschen mit dem geringsten Einkommen fühlen sich am häufigsten sehr stark durch Lärm beeinträchtigt (über 6 Prozent). Grafik 

Unter den Best-VerdienerInnen dagegen fühlen sich nur etwa drei Prozent durch Lärm sehr stark gestört. Dabei gibt, unabhängig vom Einkommen, rund jeder zweite Lärmbetroffene den Verkehr, insbesondere den Straßenverkehr, als hauptsächliche Lärmquelle an. 

Wer weniger verdient, sieht sich mehr durch Luftverschmutzung belastet

Rund 16 % der Menschen, die am wenigsten verdienen, leiden unter Staub oder Russ. Bei den Befragten im obersten Einkommensfünftel sind es etwa 14 Prozent. Die Verursacher hierfür werden anders beurteilt: Wer weniger Einkommen hat, sieht vor allem den Straßenverkehr als „Dreckschleuder“ nämlich 75 Prozent, bei den BestverdienerInnen sagen das 58 Prozent. Grafik  

Unterschiede bei der Verkehrsmittelwahl

Österreich ist ein Land der BerufspendlerInnen: Das Auto ist das am häufigsten genutzte Verkehrsmittel. Aber wenn es ein gutes Öffiangebot gibt, werden Bus, Bahn und Bim von allen Einkommensgruppen genutzt. Für Menschen mit kleinen Einkommen sind sie aber oft die günstige Alternative zum Auto: So sagen knapp 30 Prozent der armutsgefährdeten Menschen, dass sie ein Auto täglich nutzen. Bei den TopverdienerInnen sind es über 42 Prozent. Grafik

Für fast 74 Prozent der Menschen mit den kleinsten Einkommen sind die Öffis attraktiv. Bei den TopverdienerInnen sind es 66 Prozent. Grafik  

Wer mehr verdient, kauft mehr „öko“

Energieeffizienz ist ein wichtiges Entscheidungskriterium beim Kauf von Geräten. Beim Kauf von Lebensmitteln oder Kleidung verlassen sich die KonsumentInnen auf Kennzeichnungen oder Gütezeichen. Jedoch gibt es einerseits sehr viele Gütezeichen und andererseits ist für viele KonsumentInnen nicht klar, welche unabhängig und vertrauenswürdig sind. In fast allen Einkommensgruppen wurde die fehlende Produktinformation als Hindernis beim Kauf von Bio- oder Öko-Produkten bemängelt. Haupthindernisse für den Kauf von Bio- oder Öko-Produkten ist der Preis für 38 Prozent der KleinverdienerInnen und für 28 Prozent der BestverdienerInnen. Grafik  

Zur Studie

Die Studie „Umweltgerechtigkeit – Sozioökonomische Unterschiede bei von Umwelteinflüssen Betroffenen und im Umweltverhalten“ wurde im Auftrag der AK Wien von der Statistik Austria erstellt. Sie wertet die jüngsten Daten des „Mikrozensus Umweltbetroffenheit, Umweltverhalten“ mit Blick auf die Einkommenslage der Befragten aus. Erstmals wurde dabei im Auftrag der AK die Lage von Armutsgefährdeten und NiedrigverdienerInnen näher beleuchtet. Das ist der AK sehr wichtig: Sie setzt sich dafür ein, dass auch die Umweltpolitik und die Maßnahmen im Zusammenhang mit der Klima- und Energiestrategie der Regierung diese Bevölkerungsgruppen nicht weiter belasten dürfen. Für die AK ist die Energie- und Mobilitätswende nicht nur eine technologische Herausforderung, sondern vor allem eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. 

Die Studie zeigt: Eine sozial gerechte Klimapolitik legt einen klaren Fokus auf den Ausbau der Öffis.  Deshalb: Die Nahverkehrsmillliarde des Verkehrsministers muss jetzt rasch kommen. Das Geld muss orientiert an den Bedürfnissen der ArbeitnehmerInnen eingesetzt werden. Denn wer die Öffis ausbaut, kann drei Ziele auf einmal erreichen:  Erstens wird das Klima geschützt und die Luftwerte verbessert. Zweitens sind die Öffis die Antwort auf Stau und Verkehrsprobleme in der Ostregion. Drittens sind gute und günstige Öffis für Menschen mit kleinem Einkommen die Möglichkeit, mobil zu sein.

Unsere Forderungen

  • Mehr Geld muss rasch Verbesserungen bringen. 120 Millionen mehr gibt es etwa mit den jetzt neu verhandelten Verkehrsdiensteverträgen von den Ländern in der Ostregion. Das geht in die richtige Richtung. Die Verträge sehen eine Aufstockung um noch einmal rund 18 Millionen Euro vor. Diese Aufstockung muss schnell kommen, etwa für die dringend nötige Aufstockung des Angebots auf der Südbahn. Das Bahnangebot in der Ostregion wird in mehrjährigen „Verkehrsdiensteverträgen“ bestellt, zwischen dem Bund, Wien, Niederösterreich und dem Burgenland auf der einen Seite und dem Verkehrsverbund Ostregion (VOR) andererseits.
     
  • Mehr S-Bahn für Wien: Noch immer gibt es keinen durchgängigen 15-Minuten-Mindesttakt auf allen S-Bahn-Linien. Davon würden alle profitieren, WienerInnen und PendlerInnen.
     
  • Keine weiteren Verzögerungen beim Bahn-Ausbau: So ist der Ausbau etwa der Südbahn, der Strecke Hütteldorf - Meidling (Verbindungsbahn) sowie die Geschwindigkeitserhöhung auf der Nordbahn vom Verkehrsministerium verschoben worden. Noch im Plan ist der Ausbau der Pottendorfer Linie bis 2025 und der Marchegger Ostbahn bis 2023.
     
  • Der Klima- und Energieplan der Regierung soll in den nächsten Monaten konkretisiert werden. Dabei müssen die Auswirkungen der geplanten Maßnahmen auf die verschiedenen Einkommensgruppen und auf die Beschäftigung genau analysiert werden. Vor allem für Menschen mit geringem Einkommen müssen weitere Belastungen vermieden werden. Die AK erwartet, dass eine Konkretisierung des Klima- und Energieplanes unter breiter Beteiligung –einschließlich der Expertise der AK und der Gewerkschaften – erfolgt. 
  • Der Kauf von Bio- und Öko-Produkten bleibt für die Konsumentinnen und Konsumenten eine Frage des Preises. Aber sie wollen auch eine transparente und einfache Kennzeichnung von Produkten. Dafür setzt sich die AK weiter ein. 


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