24.10.2019

E-Autos: Faire Produkt-Infos beim Autokauf dringend gesucht!

Wer beim Autokauf ein E-Auto in Betracht zieht, braucht verlässliche, realitätsnahe Infos, wie umweltfreundlich das E-Auto im Vergleich zum Benziner oder Diesel wirklich ist. Doch eine aktuelle Studie der AK zeigt: „Wer ein E-Auto kaufen will, bekommt viel zu wenig Infos. Vor allem über die Gesamtökobilanz inklusive der Herstellung von Auto und Batterie erfährt der Käufer nichts“, sagt die Leiterin der AK Abteilung Umwelt und Verkehr, Sylvia Leodolter.

Außerdem gibt es je nach Hersteller unterschiedliche Informationen zur Ladekapazität der Batterien oder nur unzureichende Infos zur Reichweite des Autos. Klare Regelung zur Kundeninfo in Sachen Gesamt-Ökobilanz von Autos plant die EU aber frühestens ab 2023. „Das ist viel zu spät. Jetzt muss die EU schnell klare Regeln für die Verbraucherinformationen festlegen“, fordert Leodolter. Denn nur wenn die Autokäuferinnen und Autokäufer genau das E-Auto mit der für ihre Zwecke passenden Batterie haben, kann der Umweltvorteil des E-Autos optimal genützt werden. „Richtige und genaue Verbraucherinformationen entscheiden auch darüber mit, ob der schnell wachsende E-Automarkt einen spürbaren Effekt auf den Klimaschutz haben wird.“

Gesamt-Ökobilanz verpflichtend wäre Beitrag zum Klimaschutz

Im Fahrbetrieb sind E-Autos im Vergleich zum Benziner oder Diesel bei der Ökobilanz nicht zu schlagen: E-Autos stoßen kein Gramm des klimaschädlichen Kohlendioxids aus. Was man den Konsumentinnen und Konsumenten aber bisher vorenthält: Auch die Gesamtökobilanz inklusive der Herstellung spielt eine Rolle, wenn man den Klimaschutz ernst nehmen will. Bei der Gesamtökobilanz (Betrieb und Herstellung von Auto und Batterie) ist ein E-Auto der Kompaktklasse (beispielsweise VW Golf) bei österreichischem Strom-Mix mit rund 106 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer deutlich im Vorteil gegenüber dem Golf Diesel mit 215 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer. Aber je kleiner das E-Auto und seine Batterie, desto besser ist die Gesamtökobilanz. Ein E-Auto der Luxusklasse wie der Tesla XP etwa, stößt 120 Gramm pro Kilometer aus, fast dreimal so viel wie der kleine Smart Fortwo mit nur 44 Gramm.

Batterie: Reichweite ist entscheidend für KäuferInnen

Aber kleine E-Autos haben nur vergleichsweite geringe Reichweiten von bis zu 150 Kilometer. „Das würde oft für die Fahrt zur Arbeit, zum Bahnhof oder für Einkäufe ausreichen. Die Konsumentinnen und Konsumenten wollen mit dem Kauf eines E-Autos zum Klimaschutz beitragen. Dazu brauchen sie verlässliche genaue Infos zur Reichweite, je nach Nutzungsart und Weglänge“, fordert Leodolter. Die AK Studie zeigt: Bei den Reichweiten gibt es große Schwankungsbreiten, je nachdem ob am Berg, in der Stadt oder auf der Autobahn gefahren wird. Unterschiedlich je nach Hersteller sind derzeit auch die Infos darüber, wieviel Ladekapazität die Batterie noch hat: Mal wird dies mit, mal ohne „Kapazitätspuffer“ von 10 bis 15 Prozent angegeben.  

Klare Verkaufsinfos, schnell und verlässlich!

Die AK schlägt sechs Punkte für eine sinnvolle Käuferinformation vor:

  • Eine Ökobilanz für jedes Auto, das nicht nur direkten Energieverbrauch, sondern alle Faktoren entlang des Lebenszyklus eines Autos (Energiegewinnung, Produktion, Endverwertung) erfasst, muss kommen. Es ist für Autokäuferinnen und Autokäufer eine wichtige Entscheidungsgrundlage. Die EU plant dies erst ab 2023. Das ist zu spät.
     
  • Zur Verkaufsinfo bei jedem Auto gehört eine Zahl, wie viel das Fahren mit diesem Auto über 15.000 Kilometer pro Jahr wirklich kostet (Energiekosten, Steuern, Wartung, Kauf und jährliche Wertminderung).
     
  • Gleiche Infos im Internet und in den Prospekten! Derzeit gibt es EU-weit keine rechtlichen Verpflichtungen für die Verbrauchsangaben von Neuwagen. Die österreichische Konsumentenschutzministerin führt jetzt auf nationaler Ebene erstmals (!) die Pflicht ein, auch in Internet Verbrauchswerte anzugeben. EU-weit muss dies nach wie vor nur in gedruckten Werbeprospekten geschehen.
     
  • Realistische Verbrauchsangaben gehören verpflichtend in die Kunden-Information: Verbrauchswerte müssen so angegeben werden, dass sie von allen auf der Straße eingehalten werden können. Das geht mit einem Korrekturfaktor für den offiziellen Prüfzyklus nach dem Vorbild der USA.
     
  • Europaweit muss es eine einheitliche Verbrauchskennzeichnung nach dem Vorbild des EU-Energielabels geben, mit der Bewertung der Energieeffizienz abgestuft nach sechs Farben.
     
  • Für elektrisch betriebene Fahrzeuge muss verpflichtend angegeben werden:
    • Die Reichweite des Wagens in Kilometer innerorts und auf Freilandstraßen.
    • Einheitliche Angaben bei der verfügbaren Leistung. Der Kapazitätspuffer für die Sicherung der Batterie muss abgezogen werden

Tipp

Die gesamte Studie zum Downloaden finden Sie hier.

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