20.12.2017
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Erste Einschätzung zu den Plänen der Regierung

Die Arbeiterkammer beurteilt die Politik und die Pläne der neuen Regierung aus einer einzigen Perspektive: Nämlich, was bedeuten sie für die ArbeitnehmerInnen? Manches, auf das sich die neue Regierung geeinigt hat, findet unsere Zustimmung. Einiges ist aus Sicht der AK aber rückwärtsgewandte Retro-Politik. Manches ist noch zu unkonkret formuliert, um es wirklich einordnen zu können. Die AK richtet ihren Blick nach vorne. Deshalb ist es schade, dass zentrale Zukunftsthemen wie die Digitalisierung von der Regierung zu wenig angegangen werden. Auch die Pläne der Regierung für 12-Stunden-Arbeitstage werden von der AK kritisch gesehen, während die AK im Bildungsbereich sowohl Positives als auch Negatives sieht. Zu vielen der komplexen Problemstellungen hat die AK konstruktive Lösungen, daher ist auch die neue Regierung gut beraten, künftig auf den Input der Sozialpartner zu hören.  

AK richtet Blick nach vorne

Die AK wird 2018 mit der Registrierung der Gesundheitsberufe ein neues Service anbieten und durch die kostenlose Durchführung der Registrierung dem Staat beträchtliche Kosten ersparen, ebenso den Beschäftigten aus den Gesundheitsberufen. Denn, anders als vom Finanzministerium ursprünglich vorgesehen, wird die Gebühr für die Registrierung, die ursprünglich mit rund 80 Euro pro Person angesetzt war, entfallen. Das erspart allein den rund 100.000 ArbeitnehmerInnen aus den (nicht-ärztlichen) Gesundheitsberufen Kosten in Höhe von 8 Millionen Euro. 

Intensiv befassen wird sich die AK zudem, wie schon in den Vorjahren, mit dem digitalen Wandel: „Wir orten, dass beim Thema Digitalisierung viel an die Technik und an die Infrastruktur gedacht wird. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden maximal am Rande mitgedacht. Doch wenn wir die Chancen der Digitalisierung nützen wollen, müssen wir die Menschen in den Mittelpunkt stellen“, sagt AK Präsident Rudi Kaske.

Zur Vorgabe der Regierung, die Kammern sollten effizienter werden und Entlastungsmaßnahmen für die Mitglieder vorlegen, meint AK Präsident Kaske: „Es ist gut, dass nun nicht mehr nur über, sondern auch mit den Kammern geredet wird. Die AK bietet ihren Mitgliedern umfassende Serviceleistungen an, selbstverständlich auch jenen über 800.000 Mitgliedern, die keinen Beitrag zahlen, weil sie nichts oder nur sehr wenig verdienen. All diese Leistungen präsentieren wir gerne auch der neuen Bundesregierung.“ 

Erste Einschätzung der AK zum Regierungsprogramm

„Im aktuellen Regierungsprogramm sehen wir nicht die großen, wichtigen Leuchttürme, sondern Licht und Schatten. Manches ist sehr vage gehalten, manches fehlt gänzlich, manche Vorhaben, soweit sie bekannt sind, teilen wir“, sagt AK Präsident Rudi Kaske. Die AK beurteilt die Pläne und die Politik der neuen Regierung aus einer einzigen Perspektive: Was bedeuten die Vorhaben für die ArbeitnehmerInnen? Eine gewisse Schlagseite ortet die AK jedoch schon allein dadurch, dass die Wörter „Unternehmen“, „Unternehmer“ und „Unternehmerinnen“ insgesamt über 100 Mal vorkommen, die Begriffe „Arbeitnehmer“ und „Arbeitnehmerinnen“ aber nur knapp 20 Mal. Die Arbeiterkammer werde in jedem Fall die geplanten Maßnahmen genau prüfen und die Interessen der ArbeitnehmerInnen einbringen.

Licht und Schatten im Bereich Bildung

Das Problem ist, dass es zwar viele Überschriften, aber nur wenig konkreten Inhalt gibt, was großen Interpretationsspielraum offenlässt. Positiv ist, dass einige Positionen der Sozialpartner aufgenommen wurden, dass eine Fokussierung auf die Vermittlung von Kernkompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen durch die Einführung einer Bildungspflicht statt der Schulpflicht erfolgen soll. Auch dass es ein grundsätzliches Bekenntnis zum Ausbau der Ganztagsschule in verschränkter Form gibt – allerdings mit der fragwürdigen Einschränkung, dass ein weiterer Ausbau nur ab der Mittelstufe erfolgen soll. Vor allem aber fehlen Initiativen für mehr Chancengerechtigkeit im Bildungssystem.

Bei der Digitalisierung müssen die Menschen in den Mittelpunkt gerückt werden 

Die ArbeitnehmerInnen sind durch die Digitalisierung von massiven Veränderungen betroffen. „Die Rahmenbedingungen für die Menschen, für die Beschäftigten und die Gesellschaft als ganze sind wesentlich, damit die Chancen der Digitalisierung genützt werden können und nicht negative Auswirkungen überhandnehmen“, sagt AK Präsident Rudi Kaske. Diesen Wandel kann man nicht „nebenher“ gestalten. Daher müsste das Sozialministerium jene Stelle sein, die die Zukunft der Arbeit und Sozialen Sicherheit gestaltet. Österreich könnte so ein Vorbild dafür werden, wie man die Digitalisierung nützt, um die Gesellschaft gerechter und sozialer zu gestalten.

Derzeit sieht es so aus, als würden die zentralen Herausforderungen der Digitalisierung von der neuen Bundesregierung unterschätzt, oder es fehlen schlicht die Ideen, wie man sie angehen könnte.

Denn es gibt keine Vorschläge zu Themen wie:

  • Gestaltung neuer Arbeitsformen, damit es beispielsweise auch für Crowdworker faire statt prekäre Bedingungen gibt.

  • Gestaltung sich ändernder Arbeitsbedingungen im Sinne der ArbeitnehmerInnen – wie kann der digitale Wandel genutzt werden, um die besten Arbeitsplätze zu schaffen?

  • Mit dem von der AK entwickelten Qualifizierungsgeld könnte die Weiterbildung und Neu-Orientierung besser gelingen, die Regierung stellt hier keine geeigneten Maßnahmen vor.

  • Es fehlen konkrete Vorschläge, wie soziale Sicherungssysteme in Zukunft finanziert werden, ohne die Ungleichbelastung zwischen Arbeit und Kapital weiter zu verschärfen.

  • Das Bekenntnis zur digitalen Betriebsstätte wird von der AK begrüßt. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber damit ist noch nicht für ausreichend Fairness im Steuersystem gesorgt, weitere Anpassungen und verstärkte Kontrollen wie eine Task-Force gegen Mehrwertsteuerbetrug fehlen.

12-Stunden-Tag nicht zulasten der ArbeitnehmerInnen

Eine weitere Ausweitung dürfe nicht zulasten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gehen. „Denn bei der Arbeitszeit geht es nicht nur um die Wünsche der Wirtschaft“, sagt AK Präsident Rudi Kaske. Die Ankündigung, die Ausweitung der Arbeitszeit bei Fehlen eines Betriebsrates zum Gegenstand direkter Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und ArbeitnehmerInnen machen zu wollen, lässt bei der AK die Alarmglocken schrillen. „Den Beschäftigten bläst auf dem Arbeitsmarkt bereits jetzt ein kalter Wind entgegen, der Druck auf die Einzelne oder den Einzelnen könnte sich dadurch noch massiv erhöhen“, sagt Kaske. Die ArbeitnehmerInnen wollen und brauchen gerechte Entlohnung auch von Mehr- und Überstundenarbeit, Planbarkeit und Zeitsouveränität, eine Arbeit, die nicht auf Kosten der Gesundheit geht und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. „Wir wollen Fortschritt, keinen Rückschritt. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie die Gesundheit der Beschäftigten müssen oberste Priorität haben, wenn man über Arbeitszeiten spricht“, sagt Kaske. „Nur wer genügend Regenerationsphasen im Arbeitsleben hat, kann langfristig gesund bleiben und damit auch gute Arbeit verrichten.“

AK Themen für 2018

Registrierung der Gesundheitsberufe

Die AK übernimmt die Aufgabe, etwa 100.000 unselbständig Beschäftigte in den Gesundheitsberufen zu registrieren. Denn, so wie in vielen anderen Ländern bereits gang und gäbe, um einen Überblick über die Zahl der Beschäftigten zu haben und die Qualität der Pflege und der Betreuung und Behandlung in den medizinisch-technischen Berufen zu sichern, führt Österreich die Registrierung der Beschäftigten im Gesundheitsbereich ein. Der AK wurde die Aufgabe zugeteilt, als Behörde die Registrierung der unselbständig Beschäftigten durchzuführen. Im Zusammenhang mit der Registrierung kann man sagen, dass die AK sowohl den Betroffenen als auch dem Staat beim Sparen hilft: Denn der AK ist es gelungen, das Finanzministerium davon zu überzeugen, auf die Registrierungsgebühr von 80 Euro pro Person zu verzichten. Damit haben wir den ArbeitnehmerInnen im Gesundheitsbereich 8 Millionen Euro erspart. Aber auch die Republik Österreich erspart sich beträchtliche Kosten. Denn die Arbeiterkammern werden die Registrierung durchführen, ohne dem Staat dafür Kosten in Rechnung zu stellen. Rund 100 Personen sind in der Aufbauphase in der AK mit diesem Thema beschäftigt, im Normalbetrieb sollen es rund 30 sein.

Intensive Beschäftigung mit dem Thema „Zukunft der Arbeit“

Die AK hat gemeinsam mit ÖGB, deutschen und schwedischen Gewerkschaften die erste Online-Anlaufstelle und Beratung für Crowdworker und PlattformarbeiterInnen geschaffen. In einer breiten internationalen Kooperation wurden zudem erstmals Richtlinien zur fairen Gestaltung von Crowdwork erarbeitet. Eine AK Studie beschäftigt sich mit Crowdworkern in Österreich, eine andere zeigt erstmals detailliert die steuerrechtlichen Gestaltungserfordernisse auf, die im Zuge der Sharing Economy entstehen. Ziel ist, digitale Taglöhner und Wild-West-Methoden zu verhindern und die Rahmenbedingungen für faire statt prekäre Beschäftigungsverhältnisse zu erarbeiten. Vom „Verein Industrie 4.0“ wurden unter Federführung der AK konkrete Empfehlungen für Qualifizierungsbedarfe entwickelt. Die AK stellt Unterrichtsmaterialien zur Verfügung, die LehrerInnen bei der Vermittlung der Herausforderungen der Digitalisierung unterstützen.

Laufende Verbesserung und Anpassung der AK Leistungen

Der AK Reformweg ist es, mehr und bessere Leistungen anzubieten – ein Plan, den die AK auch schon vor den Debatten in den Koalitionsverhandlungen verfolgt hat. In Abstimmung mit den Bedürfnissen der Mitglieder wurden in den vergangenen Jahren laufend Reformen bei den AK Services und inhaltlichen Schwerpunktsetzungen durchgeführt. So ist es auch in den vergangenen Jahren zu stetigen Umstrukturierungen gekommen. Um nahe bei den Mitgliedern zu sein, hat die AK ihr Netz an Beratungszentren ausgeweitet. Denn alle Mitglieder, unabhängig davon, ob sie in einer Landeshauptstadt oder einer ländlichen Region leben, sollen im Bedarfsfall rasche Unterstützung von der AK erhalten. 

Die AK leistet sich kein „zehntes“ Haus, um die Bundesagenden zu betreuen, das macht die Wiener Arbeiterkammer mit. Für diese Aufgaben bekommt die Wiener AK drei Prozent der Mitgliedsbeiträge der Länderkammern. Diese Beiträge in Höhe von jährlich 9,3 Millionen Euro (Basis 2017) stehen einer Bundeswirtschaftskammer mit Kosten von jährlich rund 290 Millionen Euro gegenüber. Im Vergleich zu anderen Sozialpartnern finanziert sich die AK fast ausschließlich aus den Mitgliedsbeiträgen. Daher ist die AK auch nur den Mitgliedern verpflichtet! Das Wohl und die Interessen der Mitglieder stehen im Zentrum der Arbeit der AK.

Zur Debatte um die AK Umlage

Der durchschnittliche AK Beitrag beträgt 6,91 Euro netto im Monat. Über 800.000 Mitglieder zahlen überhaupt keinen Beitrag, weil sie nichts oder nur sehr wenig verdienen, sie haben dennoch Anspruch auf alle Leistungen der AK. Die Diskussion um eine etwaige Senkung der AK Umlage geht nicht von den Mitgliedern aus. Das zeigen auch sämtliche Umfragen – sie attestieren der AK eine hohe Zufriedenheit der Mitglieder. Eine Senkung der AK Umlage brächte den ArbeitnehmerInnen großen Schaden. Angesichts der niedrigen Beiträge ist eine Senkung der AK Umlage für das einzelne Mitglied finanziell wenig spürbar, kostet aber alle Mitglieder relevante Leistungen.

Rechnungshofprüfung der AK Betriebspensionen

Der Rechnungshof hat im November 2016 eine Prüfung der AK Betriebspensionen begonnen, der Bericht liegt der Arbeiterkammer nun zur Stellungnahme vor. Die AK Stellungnahme befindet sich derzeit in Ausarbeitung und wird gemeinsam mit dem Bericht in einer zusätzlichen Hauptversammlung am 26. Jänner 2018 den Delegierten präsentiert und im Anschluss veröffentlicht.  

Für die Arbeiterkammer beinhaltet der Rechnungshofbericht eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Die Reformen in ihrem Pensionsrecht, mit denen die Arbeiterkammer vor mehr als einem Vierteljahrhundert begonnen hat, werden gewürdigt. (Schon die ab 1990 Eingetretenen erhalten nur mehr ca die Hälfte der davor geltenden Betriebspensionshöhe.) Das seit nunmehr 15 Jahren gültige Modell einer beitragsorientierten Pensionskasse, das die ab 2003 Eingetretenen – inzwischen mehr als die Hälfte der MitarbeiterInnen – erfasst, wird vom Rechnungshof vollkommen positiv bewertet.  

Die schlechte Nachricht: Als zentrales Problem verortet der Rechnungshof: Die alten Pensionsverträge, die noch aus der Zeit stammen, in der sich der gesamte öffentliche Sektor am Beamtenpensionsrecht orientiert hat, verursachen höhere Kosten, als würde das Pensionsrecht der Bundesbeamten gelten (bis 2050 durchschnittlich 5,4 Mio Euro jährlich). Der Grund: Während der Bund im Jahr 2004 in seiner parallelen Rolle als Dienstgeber und Gesetzgeber in aufrechte Dienstverhältnisse eingreifen und die bestehenden Pensionsanwartschaften der Beamten rückwirkend senken konnte, ist die AK als Dienstgeberin an die Altverträge gebunden. Eine einseitige Abänderung dieser individualvertraglichen Zusagen ist nicht möglich, weder gegenüber den PensionistInnen noch gegenüber aktiv Erwerbstätigen mit derartigen Betriebspensionszusagen. (Trotz dieser klaren Unmöglichkeit einseitiger Eingriffe haben 88 % der vor 1990 eingetretenen Beschäftigten freiwillig auf einen Teil ihrer Ansprüche verzichtet.) 

Das sieht auch der Rechnungshof so, dessen Hauptempfehlung daher an den Gesetzgeber geht: Er schlägt eine deutliche Erhöhung der Pensionsbeiträge der Inhaber von Altverträgen ebenso vor wie die Einführung von Pensionssicherungsbeiträgen, die von PensionistInnen mit solchen Verträgen geleistet werden sollen. Die AK befürwortet eine solche Regelung im Sonderpensionenbegrenzungsgesetz und hat das auch schon vor Monaten publik gemacht. 

Die zweite Hauptstoßrichtung des Rechnungshofberichts betrifft die Tatsache, dass der Gesetzgeber im Sonderpensionenbegrenzungsgesetz, das Beitragspflichten für hohe Pensionen im öffentlichen Sektor festlegt, solche AK Pensionen ausgenommen hat, die über eine Pensionskasse abgewickelt werden. Diese Ausnahme gilt freilich nicht nur für die AK, sondern generell für alle Institutionen und Unternehmen, die vom Sonderpensionenbegrenzungsgesetz erfasst sind. Die AK würde auch den Einbezug der Pensionskassen-Pensionen aus Altverträgen in das Gesetz gutheißen.  

Kritisiert wird vom Rechnungshof schließlich das Fehlen eines Kollektivvertrags. Eigentlich sind Kollektivverträge ja für eine gesamte Branche gedacht und weniger für ein einzelnes Unternehmen oder eine einzelne Organisation. Die AK steht der Empfehlung des Rechnungshofs, für AK Beschäftigte einen eigenen Kollektivvertrag abzuschließen, aber grundsätzlich positiv gegenüber. Die Leitung der AK (als Dienstgeber) wird dazu Gespräche mit der zuständigen Gewerkschaft aufnehmen.

Das AK Pensionssystem

AK MitarbeiterInnen bekommen eine ASVG Pension wie jede/r andere. Zusätzlich gibt es eine Betriebspension – wie für ein Drittel der Beschäftigten (mehr als eine Million) in Österreich auch. 1,2 Millionen unselbständig Beschäftigte in Österreich (34 Prozent aller Beschäftigten) haben eine Anwartschaft, 150.000 beziehen eine Pension (WIFO).

Diese Arten von Pensionsverträgen gibt es in der AK:

Altpension

In der Vergangenheit zahlte der öffentliche Dienst zwar traditionell geringere Gehälter, dafür bot er den Beschäftigten eine sichere Stelle und höhere Pensionen als in der Privatwirtschaft. Wer sich von höheren Gehältern und Aufstiegschancen in die Privatwirtschaft locken ließ und vorzeitig ausschied, verlor den Betriebspensionsanspruch. Die AK orientierte sich zu dieser Zeit wie praktisch der gesamte öffentliche Sektor am Dienstrecht der BeamtInnen. 

Altpension – „Reform 1“

88 Prozent der gemäß der ältesten Regelung Eingestellten haben sich durch freiwilligen Verzicht die Altansprüche deutlich kürzen lassen. So verzichteten diese MitarbeiterInnen unter anderem auf eine höhere Anpassung der Pensionen.  

Altpension – „Reform 2“

Für die ab 1990 eingetretenen AK-Beschäftigten wurde ein neues Dienst- und Pensionsrecht mit deutlich geringeren Pensionsansprüchen – unter anderem wegen eines um ca. 11 % niedrigeren Gehalts – geschaffen. 

„Neues“ Pensionsrecht

Vor 15 Jahren hat die AK die alten Pensionsrechte durch eine kleine beitragsorientierte Zusatzpension ersetzt, wie sie in vielen Unternehmen üblich ist. Für Beschäftigte, die nach dem 30. 6. 2003 in die AK eintraten, gilt ein beitragsorientiertes Pensionskassenmodell, bei dem der Dienstgeber einen kleinen Betrag (0,75 % bis zur ASVG-Höchstbeitragsgrundlage, 2 % darüber) in eine Pensionskasse einzahlt. Zusätzlich kann der Dienstnehmer freiwillig bis zu 2 % bis zur ASVG-Höchstbeitragsgrundlage einbezahlen, bis zu 4 % für Entgeltteile über der Höchstbeitragsgrundlage – dann stockt der Dienstgeber seinen Beitragssatz bis zur gleichen Höhe auf. Mit 31.12.2016 waren bereits 50,9 % der AK Beschäftigten im neuen System. Der Rechnungshof berechnet in seinem Bericht die erwartbare monatliche Pensionskassenleistung aus dieser beitragsorientierten Pensionskasse für vier verschiedene Normkarrieren. Die erwartbare Zusatzpension macht demnach zwischen 87,9 Euro (Fachpersonal, AkademikerIn) und 38,5 Euro (Erhaltungspersonal) im Monat aus.

Nur eine starke AK kann die Rechte der ArbeitnehmerInnen sichern

Die AK – wie sie derzeit aufgestellt ist – bringt ihren Mitgliedern viel und kostet sie wenig: Im Durchschnitt fallen 6,91 Euro netto im Monat an AK Beitrag an, das ist weniger als ein Anwalt oder eine Rechtsschutzversicherung kostet. 2016 hat die AK bundesweit 532 Millionen Euro für ihre Mitglieder herausgeholt – vor Gericht, bei Behörden und vom Arbeitgeber direkt. Da ging es um Löhne, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Abfertigung usf, die nicht ausbezahlt wurden und um die die AK für ihre Mitglieder kämpfte… (Zum Vergleich: Die Einnahmen aus den AK Mitgliedsbeiträgen lagen bei 432,6 Millionen Euro.) 

Die AK sieht sich als Ideenspender für Regierungen, als Think Tank der Beschäftigten und vertritt die Interessen jener, die sich keine Lobbyisten leisten können: Bei rund 600 Gesetzesbegutachtungen im Jahr, in der Wirtschaftspolitik, in der Sozialpolitik, im Arbeitsrecht und im Konsumentenschutz. Laut dem Konsumentenbarometer des Sozialministeriums ist die Arbeiterkammer die bekannteste Anlaufstelle bei Konsumentenproblemen und punktet mit hohen Zufriedenheitswerten. Die AK Grundlagenarbeit zeigt konstruktive Lösungen: So wurde der AK Chancenindex sogar von den NEOS abgekupfert.

Leistungen

Ein kleiner Überblick über die Leistungen der AK:

 

  • 90 Beratungszentren österreichweit
     
  • 2 Millionen Beratungen pro Jahr
     
  • 2016 Lohnsteuersenkung gemeinsam mit ÖGB erkämpft – mehr als 5 Milliarden Euro
     
  • Laufend Erfolge aus dem Konsumentenschutz: Vergleich Meinl European Land: Für 3.700 geschädigte MEL-Anleger erreichte die AK einen Vergleich mit der Meinl Bank.
    Negativzinsen bei Krediten müssen zurückgezahlt werden. Der OGH entschied: Ein negativer Referenzzinssatz bei variabel verzinsten Krediten muss berücksichtigt werden. Geklagt hat der VKI im Auftrag der AK Tirol. Insgesamt müssen rd. 350 Mio. Euro von den Banken zurückgezahlt werden. 
     
  • Rasche Hilfe bei Insolvenz: Seit 20 Jahren gibt es den von der AK gegründeten Insolvenzschutzverband der ArbeitnehmerInnen ISA, seither wurden österreichweit knapp eine halbe Million ArbeitnehmerInnen bei Insolvenzverfahren vertreten. Wie rasch die AK agiert, zeigt unter anderem das Beispiel Zielpunkt: Im November 2015 wurden über 2.700 Zielpunkt- Beschäftigte von der Insolvenz ihres Arbeitgebers überrascht. Für die Betroffenen und ihre Familien drohten wahrlich traurige Weihnachten. Die AK hat sich umgehend eingeschaltet und noch vor Weihnachten die unkomplizierte Auszahlung des Weihnachtsgeldes und der ausstehenden Gehälter erreicht. Die AK ExpertInnen holten im Zuge der Abwicklung der Pleite insgesamt rund 25,6 Millionen Euro an ausstehenden Ansprüchen für die Betroffenen heraus.
     
  • Zukunftsorientiert: Schon seit langem beschäftigt sich die AK mit Themen wie Digitalisierung, Arbeit der Zukunft, Mitbestimmung 4.0, Crowdwork, Industrie 4.0 usw. Der digitale Wandel wird zu sehr vielen Veränderungen in der Arbeits- und Lebenswelt der AK Mitglieder führen, daher ist es für die AK wichtig, dass sie den Wandel mitgestaltet und dass ArbeitnehmerInnen davon profitieren. Dazu sind eine Reihe von Änderungen im Arbeits-, aber auch im Steuerrecht nötig. Auch in neuen Arbeitsverhältnissen wie Crowdwork soll sichergestellt sein, dass die Beschäftigten Rechte bekommen. Die AK will, dass große Internetkonzerne, die in Österreich Geschäfte machen, auch in Österreich Steuern bezahlen. Die AK ist der Ansicht, dass es ein neues Qualifizierungsgeld und eine Weiterbildungswoche pro Jahr benötigt, damit die Beschäftigten sich besser auf die Änderungen einstellen können und damit sich keine Kluft zwischen ohnehin gut Ausgebildeten und denen mit schlechterer Qualifikation auftut. Es braucht neue Regelungen, was die Entgrenzung von Arbeit und Freizeit und den betrieblichen Datenschutz betrifft. SchülerInnen – und hier besonders BerufsschülerInnen – müssen fit für die Digitalisierung gemacht werden. Und für die Finanzierung des Sozialstaats sowie für die Verteilung der Arbeit braucht es neue Ansätze. Für all diese Themen hat die AK bereits Konzepte. Doch nur eine starke AK kann die Rechte der ArbeitnehmerInnen auch in Zukunft sichern.



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