15.5.2018
Drucken
Zu Merkzettel hinzufügen

Einkommensberichte: Rechtsgutachten klärt Fragen zu Verschwiegenheitsverpflichtungen im Betrieb

Das Medianeinkommen von Frauen liegt um 891 Euro unter dem der Männer. 187 Euro davon bleiben als „unerklärbarer Rest“, wenn alle erklärbaren Ursachen herausgerechnet werden. Um diesen „unerklärbaren Rest“ zu beseitigen, wurde das Instrument der Einkommensberichte eingeführt. Denn: Geheimniskrämerei ums Einkommen schadet Frauen

Die Einkommensberichte sollen helfen, systematisch niedrigere Bezahlung von Frauen im einzelnen Unternehmen aufzudecken. Und sie sollen Betroffenen beim Durchsetzen ihres Rechts auf gleichen Lohn für gleiche oder gleichwertige Arbeit helfen. Allerdings ergeben sich in der Praxis Rechtsunsicherheiten durch diverse Verschwiegenheitsverpflichtungen

Daher hat die Arbeiterkammer Wien Univ.-Prof. Elias Felten beauftragt, ein Rechtsgutachten darüber zu erstellen, wie die Einkommensberichte nun tatsächlich eingesetzt werden können, um Entgeltdiskriminierung auf die Schliche zu kommen. 

Die wichtigsten Ergebnisse sind:

  1. Übers Einkommen Einzelner darf im Betrieb geredet werden, wenn es um eine vermutete Entgeltdiskriminierung geht.

  2. Der Einkommensbericht ist zwar ein Geschäftsgeheimnis, dennoch hat der Gesetzgeber klargestellt, dass jeder Mitarbeiter oder jede Mitarbeiterin die Möglichkeit haben soll, Kenntnis von dessen Inhalt zu erlangen. 
     
  3. Betroffene und der Betriebsrat haben das Recht, den Bericht auch an Arbeiterkammer, Gewerkschaft, Gleichbehandlungsanwaltschaft und Co. zur Rechtsberatung und -durchsetzung weiterzugeben. Die Weitergabe an Medien oder Verbreitung über Social Media ist aber nicht erlaubt. 
     
  4. Überstunden und All-In-Entgelte müssen Teil des Einkommensberichts sein. 
     
  5. Freie DienstnehmerInnen müssen im Einkommensbericht ebenfalls erfasst werden. 

AK Präsidentin Renate Anderl: 
„Fraueneinkommen müssen gerechter und vor allem höher werden – aber nicht erst am Sankt-Nimmerleins-Tag, sondern jetzt. Die Heimlichtuerei bei den Löhnen und Gehältern in Österreich hat bisher vor allem zwei Dinge gebracht: Sie bestärkt die Ungleichheit zwischen Frauen und Männern und schwächt die Position von Arbeitnehmerinnen bei Gehaltsverhandlungen.“

AK Forderung: Wer Veränderungen und gerechte Einkommensverteilung in Unternehmen durchsetzen will, muss zuerst für Transparenz sorgen. Daher ist die AK für innerbetriebliche Offenlegung aller Gehälter.

Finden Sie hier das Rechtsgutachten "Einkommenstransparenz versus Datenschutz, Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse" vom Univ.-Prof. Mag. Dr. Elias Felten (Universitäten Linz und Salzburg).

Warum gibt es eine Einkommensschere?

900 Euro brutto entgehen Frauen jeden Monat durch den Einkommensunterschied. Warum es immer noch eine Einkommensschere gibt, erfahren Sie hier.

TeilenZu Merkzettel hinzufügen

Facebook-Funktion aktivieren

Drucken
Zu Merkzettel hinzufügen

Verwandte Links

Blog Arbeit & Wirtschaft

Zum Seitenanfang
Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, speichert diese Website Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen über Cookies, sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen und die Browsereinstellungen entsprechend anpassen.
Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen dazu sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen.
OK