10.12.2014
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Männer als Akteure einer neuen Gleichstellungspolitik?

Neue Arbeitszeiten, neue Care-Modelle und neue Bildungswege – mit diesen Schwerpunkten setzte sich die Tagung „Männer als Akteure einer neuen Gleichstellungspolitik?“ der AK Wien in Zusammenarbeit mit L&R Sozialforschung, dem abz*austria und dem Verein für Männer- und Geschlechterthemen Steiermark auseinander. Die aktive Einbeziehung der Männer als Akteure in gleichstellungspolitische Strategien soll langfristig strukturelle Änderungen herbeiführen. Dabei ist für die VeranstalterInnen klar, von der Einbindung von Männern in gleichstellungspolitische Maßnahmen profitieren Frauen und Männer.

Männer als Akteure besser einbinden

Die Tagung startete die breite Diskussion um die Rolle der Männer im Gleichstellungsprozess. Wissenschaft, Praxis und Politik diskutieren neue Wege zur Gleichstellung. AK Vizepräsidentin Renate Anderl forderte in ihrer Eröffnungsrede, „Männer als Akteure besser einzubinden“. Dazu gehöre eine rasche Einführung eines Papamonats, die Ausdehnung des Anspruchs auf Elternteilzeit für Betriebe mit weniger als 21 Beschäftigten und Sensibilisierungsmaßnahmen für Betriebe, damit Väter mehr Betreuungsarbeiten übernehmen können.

In drei Panels diskutierten die ExpertInnen die zentralen Lebensbereiche Bildung, Care und Arbeitszeit. Und auch jüngste Meinungen in Presse und Öffentlichkeit wurden kritisch diskutiert wie: Gibt es sie, die „neuen Väter“ und ist es wirklich so, dass Männer „nur arbeiten“ wollen? Und: „Burschen als die neuen Bildungsverlierer?“

Ausbildung ohne Stereotype

Bildungs- und Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek betonte: „Bildungskarrieren entscheiden sich oft früh. Deshalb braucht es bereits für die Kleinsten Förderung und Unterstützung im Kindergarten, damit sie bestmöglich für die Schule vorbereitet sind.“ Sie verwies etwa auf die Sprachförderung. Wichtig sei, dass junge Frauen und Männer eine Ausbildung abschließen, denn das sei die beste Basis für ihren weiteren Berufsweg. „Mädchen und Jungen sollen einen Beruf wählen, der ihren Interessen entspricht, Stereotype und Rollenzuschreibungen schränken nur ein. Aufgabe des Bildungssystem ist es, ihnen alle Möglichkeiten zu eröffnen und Mädchen wie Jungen für sogenannte atypische Berufe zu begeistern.“

Nur manche Männer lukrieren Vorteile durch Ungleichstellung

Der Psychologe Christian Scambor vom Institut für Männer- und Geschlechterforschung Graz fragte grundsätzlich danach, was Männer motivieren könnte, sich für die Gleichstellung der Geschlechter einzusetzen. „Männer sind keine einheitliche Gruppe. Nicht alle profitieren gleichermaßen von der Ungleichstellung der Geschlechter in der Gesellschaft. Einige lukrieren große Vorteile, während sich für andere deutliche Nachteile aus dem gegenwärtigen Geschlechter-Arrangement ergeben.“

Für Scambor birgt gerade die aktuelle Diskussion um die „Krise der Jungen im Bildungssystem“ Gefahren: „Eine Generalisierung verstellt den Blick auf die Realität und die tatsächlichen Bildungsverlierer werden nicht wahrgenommen. Die soziale Lage und der Bildungshintergrund der Eltern scheinen den Bildungserfolg österreichischer Kinder maßgeblich zu beeinflussen.“

Einbeziehung der Männer bringt mehr Wahlmöglichkeiten

Und wie steht es nun mit den aktiven Männern? Für Manuela Vollmann, Geschäftsführerin von abz*austria, reichen die derzeitigen Initiativen und Strategien nicht aus. „Eine gezielte Einbeziehung der Männer – durch Väterkarenz, ausgeglichene Erwerbsbeteiligung, Pflege - würde allerdings tatsächlich Änderungen bewirken. Damit gäbe es mehr Wahlmöglichkeiten für alle und neue gelebte Rollenbilder für Männer (und Frauen) können geschaffen werden. Diese, als auch Karenz- und Arbeitszeitregelungen, bestimmen die Verhältnisse im Haushalt, in der Pflege, in Familien, Partnerschaften und Unternehmen.“

Wenn es nach der Sozialwissenschaftlerin Claudia Sorger, L&R Sozialforschung geht, „ist die Zeit für neue, geschlechtergerechte Arbeitszeiten für Frauen und Männer da.“ EU-weite Vergleiche zeigen nämlich, dass die Arbeitszufriedenheit der Männer mit besseren Vereinbarkeitsmöglichkeiten und kürzeren Arbeitszeiten steigt. „Es gibt viele Ansatzpunkte Arbeitszeiten geschlechtergerechter zu gestalten: eine bessere Aufteilung der Arbeitszeiten zwischen Frauen und Männern, Gleitzeit, Planbarkeit und Autonomie als Stichworte für neue Arbeitszeiten, die sich an den Bedürfnissen von Frauen und Männern richten“, sagt Claudia Sorger.

Die Realisierungsmöglichkeiten der Vorschläge der ExpertInnen wurde von verschiedenen Seiten abgeklopft - Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek diskutierte ebenso mit wie internationale ExpertInnen, Vertreterinnen institutioneller Männer- und Geschlechterarbeit, Gleichstellungseinrichtungen und Sozialpartnern.

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