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Woran die Pflege krankt

Die Bevölkerung in Österreich wird immer älter. Bis 2050 werden mehr als eine Million Menschen über 80 Jahre alt sein. Das bedeutet nicht, dass sie gesünder werden. Tatsache ist: Je älter sie werden, desto eher und länger brauchen sie medizinische Betreuung und Pflege. Wer soll die in Zukunft leisten?

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Pflegefreistellung

Dramatische Lage im Gesundheitswesen

Schon jetzt gibt es etwa 470.000 pflegebedürftige Menschen in Österreich. Ein Teil davon wird von 160.000 Beschäftigten im Gesundheits- und Pflegebereich versorgt, der andere Teil ist auf die unbezahlte Sorgearbeit von einer Million pflegender Angehöriger angewiesen. Drei von vier Pflegenden sind Frauen.  

Studien zeigen seit vielen Jahren, dass wir auf einen massiven Personalengpass in der Pflege zusteuern. Dem hätte man am besten schon vorgestern entgegenwirken müssen, was die Politik aber nicht getan hat. Bis 2040 werden 100.000 Stellen im Pflege- und 30.000 Stellen im medizinisch-technischen Bereich fehlen. Spürbar und bekannt ist dieser Mangel schon lange, die Leidtragenden sind alle, die auf Pflege angewiesen sind. 

Spätestens die Corona-Pandemie hat die dramatische Lage im Gesundheitswesen offengelegt und die personelle Situation vieler Menschen verschärft. Viele Beschäftigte in der Pflege denken nach zweieinhalb Jahren Ausnahmezustand laut ans Aufhören, etliche haben den Job bereits an den Nagel gehängt. Das ist ein Zeichen dafür, wie schlecht die Arbeitsbedingungen in der Pflege sind. Dieses Zeichen verstehen auch Berufseinsteiger:innen und Bewerber:innen, die es dringend bräuchte.


Was die AK schon erreicht hat 

Seit Jahren fordern wir als AK und als Teil der Offensive Gesundheit (bestehend aus den Gewerkschaften Vida, Younion, GÖD, GPA, ÖGB und der Ärztekammer Wien) eine umfassende Pflegereform, damit wir der immer größer werdenden Versorgungskrise begegnen können. 

Einen ersten Katalog dieser Maßnahmen – die Roadmap Gesundheit 2020 – haben wir gemeinsam mit Expert:innen des Gesundheitsressorts erarbeitet und im Herbst 2020 dem ehemaligen Gesundheitsminister Rudolf Anschober überreicht: Offensive Gesundheit - Mehr von uns, besser für alle 

Viele gewerkschaftlich organisierte Aktionen der Offensive Gesundheit haben die Politik motiviert, das Problem anzugehen und ein erstes Paket für eine Pflegereform zu schnüren. Das ist uns vor allem im Rahmen der Aktion 5nach12 gelungen, mit der Demo am 12.5.2022 und der Bürgerinitiative „Achtung Gesundheit“, die derzeit rund 70.000 Unterschriften zählt. Dranbleiben zahlt sich aus! 

Das vor kurzem angekündigte Pflege-Paket der Bundesregierung enthält wichtige Schritte. Wird es erfolgreich umgesetzt, kann es aus Sicht der AK ein Startschuss der dringend notwendigen Pflegereform sein. Viele Details sind aber noch offen: Insbesondere vermissen wir nennenswerte Maßnahmen zur Entlastung und zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Einige angekündigte Maßnahmen haben keinen konkreten Zeitplan, andere sind nur befristet. Wir beobachten genau, was da kommt und nehmen die Regierung in die Verantwortung!


Was wir fordern – mithilfe deiner Stimme 

Es ist sehr viel zu tun in Pflege und Gesundheit: Schnelle Verbesserungen sind überfällig und gehen uns alle etwas an. Während für die ausschweifenden Förderungen von Unternehmen und Steuergeschenke für Reiche viel Geld da war und ist, wird im Gesundheitsbereich an allen Ecken und Enden gespart und gekürzt. Schluss damit! 

Wir fordern, dass Pflege und Betreuung leistbar sind, damit alle Menschen in Österreich gut versorgt sind. Arbeitsbedingungen und Gehälter müssen fair sein. Der Druck auf die einzelnen Beschäftigten muss weg. 

Alle gewinnen, wenn endlich etwas passiert. Nicht zuletzt die Menschen, die Pflege oder Gesundheitsdienstleistungen brauchen. 

  • Der Gesundheitsminister muss die Pflegereform und die Verbesserungen im Gesundheitsbereich endlich angehen

  • Arbeitsbedingungen müssen jetzt verbessert werden, damit die Pflegenden im Beruf bleiben: z.B. durch attraktive Arbeitszeitmodelle und höhere Einkommen

  • Mehr Personal für den Gesundheits- und Pflegebereich

  • Eine Ausbildungsoffensive im Gesundheits- und Pflegebereich: Wer in der Pflege arbeiten will, muss während der Ausbildung finanziell abgesichert sein – damit Neueinsteiger:innen in den Pflegeberuf gehen können

  • Professionelle Pflegeleistungen ausbauen: Das entlastet pflegende Angehörige, insbesondere Frauen, fördert die Wirtschaft (auch am Land), schafft sichere Arbeitsplätze und sorgt für mehr Steuereinnahmen und SV-Beiträge (das ist wirtschaftspolitischer Booster!)
     
  • Arbeitsmarkt- und Pflegepolitik müssen gut verknüpft werden

  • Die Arbeitsbedingungen im Gesundheitsbereich müssen insgesamt deutlich verbessert werden, beispielsweise durch eine Einführung der 6. Urlaubswoche

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Deine Stimme kann mehr als du denkst – mit der AK!

Am Arbeitsmarkt ist viel zu tun

Gute Arbeit braucht faire Bezahlung, gute Arbeitsbedingungen und Erholung. Was die AK schon erreicht hat und was wir mithilfe deiner Stimme fordern.

Vermögen fair verteilen!

Das reichste Prozent der Österreicher:innen besitzt 40 Prozent des Nettovermögens. Die Hälfte der Bevölkerung hat hingegen kaum privates Vermögen.

Schule, Lehre, Weiterbildung

Im Bildungssystem haben nicht alle Kinder die gleichen Chancen. Die Möglichkeiten hängen sehr stark davon ab, wie viel Geld ihre Eltern haben.

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