Endlich Vollanrechnung der Karenzzeiten umsetzen

Die gesetzliche Anrechnung der Karenzzeiten ist derzeit sehr beschränkt, daher fordert die Arbeiterkammer schon lange, dass es hier zu Änderungen kommt. „Der Weg, den die Sozialpartner bei der Anrechnung der Karenzzeiten in zahlreichen Kollektivverträgen beschritten haben, ist zukunftsweisend“, so AK Präsidentin Renate Anderl. „Damit alle ArbeitnehmerInnen gleichermaßen profitieren, sollte eine gesetzliche Vollanrechnung der Karenzzeiten bis zum zweiten Lebensjahr eines Kindes rasch umgesetzt werden.“ 

Einkommensschere schließen

Bedeutsam ist die Anrechnung auch, um die Gehaltsschere zwischen Männern und Frauen ein wenig zu schließen. „Fallen Eltern wegen der Karenz um Vorrückungen um, schlägt sich das ein Leben lang in niedrigeren Löhnen und Gehältern nieder!“, so Renate Anderl. „Für Frauen bedeutet eine Anrechnung der Karenzzeiten für Vorrückungen den Abbau von Benachteiligungen beim Einkommen, wenn sie wieder in den Beruf einsteigen. Anrechnungen von Karenzzeiten tragen zudem dazu bei, dass Frauen höhere Pensionen erhalten. Auch für Männer, die in Karenz gehen, ist die Anrechnung wichtig: Sie macht die Karenz deutlich attraktiver.“ 

Kinderbetreuung ausbauen

Auch weitere Maßnahmen, um die Einkommensschere zu schließen, wie etwa ein Ausbau der Kinderbetreuung und mehr Transparenz bei den Gehältern, müssen gesetzt werden. In die falsche Richtung ging aus Sicht Anderls allerdings die Einführung eines 12-Stunden-Tags. „Die überlangen Arbeitstage, die nun möglich sind, erschweren die Vereinbarkeit von Beruf und Familie enorm“, sagt Anderl. Nachdem die KV-VerhandlerInnen auf Seiten der Gewerkschaft derzeit alle Hände voll zu tun haben, um Entlastungen für den 12-Stunden-Tag durchzusetzen, wäre es besser, wenn die Karenzzeiten gesetzlich verbessert werden. 

Info

Laut Gesetz wird derzeit die erste Karenz im Arbeitsverhältnis angerechnet, allerdings nur mit zehn Monaten. Dies gilt außerdem nur für die Bemessung der Kündigungsfrist, die Dauer der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und das Urlaubsausmaß. Nicht geregelt ist jedoch die Anrechnung von Karenzzeiten beispielsweise für die Anrechnung von Vordienstzeiten. Vor allem aber sieht das Gesetz auch für die so wichtigen Vorrückungen innerhalb des Lohn-/Gehaltsschemas KEINE Anrechnungsbestimmungen vor.

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