1.6.2016

Arbeitsbedingungen in Kindergärten und Krippen

Studien zeigen, dass elementare Bildungseinrichtungen eine Schlüsselfunktion für Chancengerechtigkeit im Bildungssystem haben. Obwohl in den letzten Jahren viel passiert ist, bleibt der Ausbau von Plätzen weiterhin eine Herausforderung. Parallel zum Ausbau muss aber auch an der Qualität gearbeitet werden, um den Anspruch als elementare Bildungseinrichtungen erfüllen zu können. Dabei haben die Beschäftigten in der elementaren Bildung eine enorm wichtige Aufgabe. In einer neuen, qualitativen Studie des Instituts für Kinderrechte und Elternbildung und des Instituts für Familienforschung wurden ElementarpädagogInnen und AssistentInnen zu Herausforderungen des Arbeitsalltags und was dies für das Wohlergehen und die Förderung der betreuten Kinder bedeutet, befragt. Die Studie entstand im Auftrag der Arbeiterkammern Wien, Niederösterreich, Kärnten und Tirol. 

Aufgabenvielfalt und Gruppengröße

In den Fokusgruppen zeigte sich, dass der Arbeitsalltag für die Beschäftigten oft von Stress geprägt ist und die PädagogInnen das Gefühl haben, nicht ausreichend auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen zu können. Der Hauptgrund dafür sind die großen Gruppen und das zu geringe Verhältnis von Fachkraft zu Kindern. 

Fokusgruppen

Einige Zitate aus den Fokusgruppen: „Ich stehe zum Beispiel alleine da mit 14 Kindern (...) da können manche nicht essen, ich muss aber wickeln, muss die Betten wegräumen.“


„Also du musst dem Zweieinhalbjährigen gerecht werden, der halt gerne am Schoß sitzt und der gerne individuelle Zuwendung hat und du musst aber die Sechsjährigen auch auf die Schule vorbereiten.“

Uneinheitliche Aufgabengebiete der unterstützenden Kräfte

Während manche vorwiegend für die Arbeit mit den Kindern zur Verfügung stehen, sind andere durch umfangreiche haushälterische Aufgaben gebunden und daher kaum in der Gruppe präsent. Wie die unterstützenden Kräfte eingesetzt sind, variiert nicht nur zwischen den Bundesländern, sondern auch zwischen den Trägern. Dazu kommt, dass es keine bundeseinheitlichen Ausbildungsstandards für die AssistentInnen gibt. 

Fokusgruppen

Zitate aus den Fokusgruppen, wie „ich habe die komplette Putzarbeit über“, „ich muss (täglich) eineinhalb Stunden putzen“ oder „ich habe das Gartenhaus lackiert“ illustrieren, dass in diesen Fällen dementsprechend wenig Zeit bleibt, um die PädagogInnen in der Arbeit mit den Kindern zu unterstützen.

Mangelnde Anerkennung als Bildungseinrichtung

Im internationalen Trend zeigt sich die Anerkennung von Kinderbetreuungs- als Bildungseinrichtungen durch die Zuordnung der Verantwortlichkeit zum Bildungsministerium. In der EU ist das nur noch in Deutschland und Österreich nicht der Fall. Auch der Mangel an Vorbereitungszeit zeigt, wie wenig selbstverständlich Bildungsarbeit im Kindergarten ist. Ebenso wenig ist verankert, dass es eine laufende Supervision geben soll. 

Im internationalen Vergleich sind Österreichs ElementarpädagogInnen auch bei der Entlohnung vergleichsweise schlechter gestellt. Während Kindergartenfachkräfte in Italien, Frankreich, Polen, Baden-Württemberg und Dänemark annähernd gleich viel verdienen wie LehrerInnen, werden sie in Österreich deutlich schlechter entlohnt. So weist der AMS-Gehaltskompass für KindergartenpädagogInnen beim Berufseinstieg ein Gehalt von 1.920 bis 2.130 Euro aus, bei LehrerInnen der Primarstufe (VolksschullehrerInnen) aber 2.120 bis 2.360 Euro brutto pro Monat. Damit besteht bereits zu Beginn ein Unterschied von 200 Euro.

Fokusgruppe

Zitate aus der Fokusgruppe: „Ich merke ganz stark den Unterschied zu den Lehrern. Ich habe eine Freundin, die hat jetzt als Volksschullehrerin begonnen, die ist wer anderer.“


„Aber im Grunde sieht man den Wert dann, wenn Sachen gemacht werden wie [die] PISA-Studie und alles dann umgewälzt wird auf den Kindergarten. Wir müssen Sprachstands-Erhebungen machen, wir müssen Sprachförderung machen. [Aber wir] bekommen keine finanziellen Mittel, keine Ausbildung, kein zusätzliches Personal (...)“

Bedarf nach einer neuen PädagogInnenausbildung

Derzeit findet nach Meinung der PädagogInnen zu wenig Kontakt mit den Kindern statt und die Vorbereitung auf die Erziehungs- und Bildungspartnerschaft mit den Eltern fehlt vollkommen. Als Lösungsansätze werden einerseits ein stärkerer Praxisbezug in der Ausbildung erachtet, andererseits die Akademisierung der Ausbildung. Internationale Empfehlungen sehen einen Anteil von 50 Prozent Fachkräften mit Ausbildung auf Hochschulniveau vor.

Einheitliche Standards in ganz Österreich

Das betrifft vor allem die maximale Gruppengröße, den Betreuungsschlüssel, aber auch die Vereinheitlichung von Vorbereitungszeit, Öffnungszeiten und Mindeststandards der Räumlichkeiten.

Forderung

AK und Gewerkschaften fordern auf Basis der Ergebnisse:

  • Verantwortung beim Bildungsressort und ein Bundesrahmengesetz für die Elementarbildung
  • Besserer Fachkraft-Kind-Schlüssel und kleinere Gruppen
  • Verteilung der Ressourcen nach sozialen Kriterien
  • Ausbildung auf Hochschulniveau
  • Ausreichend bezahlte Vor- und Nachbereitungszeiten
  • Genug Raum und passende Ausstattung auch für die Beschäftigten
  • Angemessene Entlohnung
  • Mehr Diversität bei den Beschäftigten
  • Eine nachhaltige Finanzierung über einen aufgabenorientierten Finanzausgleich

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