Vater lernt zu Hause mit seinem Kind. © photophonie, stock.adobe.com
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22.4.2020

AK-Umfrage: Corona-Schulsperre überfordert Hälfte der Familien

„Die Corona-Schulsperre muss bald aufgehoben werden – natürlich in einer Weise, die mit der Kontrolle des Coronavirus verträglich ist. Es geht nicht, dass Eltern zwischen Job und Schulerfolg der Kinder wählen müssen“, sagt AK Präsidentin Renate Anderl. Bereits jetzt müssen Familien ihre Kinder zeitweise in die Schule schicken können, immer unter höchst möglichem Gesundheitsschutz und mit einem sinnvollen Betreuungsangebot (und nicht „Stillbeschäftigung“!).  

Mehrheit braucht rasche Entlastung

In einer gerade durchgeführten Ifes-Befragung für die AK wünscht sich mehr als die Hälfte der befragten Eltern, dass mindestens einmal pro Woche ein Halbtag für ihre Kinder in Kleingruppen in der Schule angeboten wird. Die Hälfte der Eltern tut sich schwer als ErsatzlehrerIn, und die Kinder brauchen andere Kinder, ihre SchulfreundInnen und LehrerInnen. Deshalb verlangt Anderl: „Es muss rasch der schulische Anschluss geschafft werden. Ich unterstütze die Eltern. Sie haben lang genug ihr Bestes gegeben. Besonders intensiv muss sich die Schule um die Kinder kümmern, deren Eltern selbst beim Lernen nicht helfen können.“

Grafik © Tea Mina Jaramaz
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AK-Befragung: Die wichtigsten Ergebnisse

Für die Arbeiterkammer ist gerade die aktuelle Befragung zum jährlichen Nachhilfe-Barometer im Feld. Dabei befragte Ifes jetzt auch 316 Eltern mit insgesamt 456 Schulkindern, wie es ihnen beim Lernen mit den Kindern zu Hause aufgrund der Corona-Schulsperre geht. Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Genau die Hälfte der Befragten (50 Prozent) tut sich jetzt schwer beim Lernen mit ihren Kindern zu Hause – 34 Prozent allgemein plus 16 Prozent in einzelnen Fächern. Mehr als ein Viertel (28 Prozent) sagt dazu, ihr Kind ist mit den Online-Aufgaben überfordert. Hilfe brauchen besonders jene Eltern, die selbst wenig Bildung genossen haben.

  • Die zeitliche Belastung durch das Lernen ist für fast die Hälfe (49 Prozent) der Eltern ein Problem, ein Drittel (32 Prozent) berichtet deshalb sogar von Konflikten daheim. Für sie einen sind Homeoffice, Familienleben und LehrerIn-Rolle spielen längerfristig nicht vereinbar, anderen fehlen pädagogische Kenntnisse, manche sind grundlegend mit den Lernaufgaben überfordert.

  • Den Lehrkräften wird angesichts der schwierigen Situation allerdings ein gutes Zeugnis ausgestellt. 72 Prozent der Befragten sagen, dass die LehrerInnen bemüht sind.

  • Keineswegs top ist die Ausstattung der Kinder mit Laptops, Tablets oder PC. Ein Viertel hat überhaupt kein Gerät oder eines, das es sich mit mehreren teilen muss.

Die wichtigsten Wünsche

Die wichtigsten Wünsche der Befragten sind mehr Kontakt mit der Schule, Online-Sprechstunden, mehr Arbeitsmaterialien und ein Kleingruppen-Halbtag pro Woche in der Schule.

Grafik © Tea Mina Jaramaz
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AK Präsidentin Renate Anderl unterstützt die Wünsche der Eltern: „Die Schule muss wieder ihre Arbeit mit den Kindern aufnehmen. Ich verlange Gerechtigkeit für Kinder und ihre Eltern beim Lernen.“

Tipp

Mehr Ergebnisse der Ifes-Befragung für die AK finden Sie hier

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