Chancen-Index: Schule gerecht finanzieren

Jede sechste Schule in Österreich kann ihre Kinder auf Grund der Lernumgebung nicht fördern. Es ist daher wichtig, eine transparente und bedarfsorientierte Schulfinanzierung zu erreichen. Für Schulen mit großen Herausforderungen sind mehr finanzielle Mittel vorzusehen. Damit könnten Schulen mit vielen SchülerInnen, die großen Förderbedarf haben, strukturelle Ungleichheiten durch mehr Förderangebote, pädagogisches Unterstützungspersonal, administrative Supportstrukturen etc. ausgleichen. Die Zuteilung der Mittel soll konkret über einen Chancen-Index erfolgen, wie ihn die AK vorgeschlagen hat. Basis für die Berechnung ist der Bildungshintergrund der Eltern und die Alltagssprache der Kinder. Dabei werden die durch den Chancen-Index vergebenen zusätzlichen Mittel mit aktiver Schulentwicklung und pädagogischer Freiheit der Standorte verknüpft, um eine nachhaltige Weiterentwicklung zu gewährleisten. 

Investition in mehr Gerechtigkeit

Die Einführung der Finanzierung auf Basis des Chancen-Index für Volksschulen und Neue Mittelschulen würde rund 300 Millionen Euro pro Jahr betragen. Alle Standorte erhalten eine definierte Mittelzuteilung. Auf Basis des Chancen-Index werden zusätzliche Mittel zugeteilt. Der zusätzliche Budgetbedarf für den Chancen-Index in der Volksschule beträgt rund 176 Millionen Euro. Diese zusätzlichen Mittel führen vor allem zu mehr Personal an den Schulen. So würde beispielsweise mit den zusätzlichen Mitteln für die Volksschule der Anteil der Vollzeitäquivalenten um rund 11,5 Prozent (also um 3100 Vollzeit-Beschäftigte) ansteigen. Durch den Einsatz dieser weiteren MitarbeiterInnen in multiprofessionellen Teams an Standorten mit besonderen Herausforderungen können die SchülerInnen zu besseren Bildungserfolgen begleitet werden.

Zusätzlicher finanzieller Bedarf ist gering

Im Jahr 2016 lagen die Ausgaben des Bundes für den Elementar- und Primarbereich bei insgesamt 1,45 Prozent des BIP. Der zusätzliche Budgetbedarf für den Chancen-Index in der Volksschule (176 Millionen Euro) hätte den Anteil der Bildungsausgaben gemessen am BIP 2016 um insgesamt 0,05 Prozentpunkte auf 1,5 Prozent des BIP erhöht. Das entspricht genau dem EU-28 Durchschnitt für das Jahr 2016. Der zusätzliche finanzielle Bedarf für den Chancen-Index ist somit gering und verbessert die Durchlässigkeit im Bildungssystem nachhaltig.

Chancen-Index nicht budgetiert

Um Chancengerechtigkeit im Bildungssystem zu erreichen, muss die bedarfsorientierte Mittelzuteilung (zumindest für Pflichtschulen) oberste Priorität haben. Leider sind im aktuellen Bildungsbudget 2018/2019 weder zusätzliche finanzielle Mittel für einen Chancen-Index berücksichtigt, noch ist die bedarfsorientierte Mittelzuteilung als Projekt oder Vorhaben für 2018 und 2019 definiert. Dabei zeigen Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern mit sozialindizierter Mittelverteilung (zB in Hamburg sowie in einigen Kantonen in der Schweiz), dass dadurch Schulleistungen von sozial schwächeren SchülerInnen nachweislich verbessert werden (PISA-Vergleich). Das Chancen-Index-Modell wäre ein wichtiger Schritt für mehr Gerechtigkeit und könnte dazu beizutragen, dass jedes Kind optimal gefördert wird – unabhängig von seinem sozialen Hintergrund.