Beschäftigung im Hoch­schul­bereich - die Haupt­ergebnisse der Hoch­schul­befragung 2018

Die AK Wien beauftragte 2018 eine Forschungs­gemeinschaft von IFES und NPO-Institut der WU Wien mit der Durchführung einer Studie zur Arbeits­situation von Beschäftigten im Hoch­schul­bereich. An der Befragung nahmen 2.535 Beschäftigte teil.

Hauptergebnisse

Arbeits­zeit und Arbeits­zeit­lagen

Aufgrund eines hohen Teil­zeit­anteils beträgt die durchschnittliche vereinbarte Arbeitszeit an den Universitäten lediglich 31,8 Wochen­stunden. In der Realität wird insbesondere im Forschungs­bereich das vereinbarte Arbeits­zeit­ausmaß jedoch tw. erheblich über­schritten. Jeweils rund die Hälfte der Forscher­Innen (UNI: 58%, FH: 49%) leisten häufig, und jeweils rund ein Drittel zumindest gelegent­lich Mehr­arbeit bzw. Über­stunden, wobei mehr als ein Drittel der Befragten fallweise auch am Wochen­ende arbeitet. 

Aspekte der Arbeits­zu­frieden­heit, Arbeits­be­lastungen

Die Tätigkeits­merkmale bieten den im Hoch­schul­bereich Beschäftigten zahlreiche Gratifikationen und ein grundsätzlich interessantes und motivierendes Umfeld. Das äußert sich etwa in einer hohen Zu­frieden­heit mit dem Autonomie­spielraum in der Tätigkeit oder mit dem Arbeitsinhalt an sich. Weitaus kritischer werden der Führungs­stil, die Möglichkeiten der Weiter­bildung und die Anerkennung der eigenen Arbeit im unmittelbaren beruflichen Umfeld bewertet. Vergleichsweise größte Unzufriedenheit lösen jedoch die Einkommenssituation, die unsicheren Karriere­optionen sowie die mangelnden Mit­bestimmungs­möglichkeiten aus.

FRAGE: Wie zufrieden sind Sie mit den folgenden Bereichen in Ihrer beruflichen Tätigkeit? 
Beschäftigte an Universitäten, in Prozent

Grafik © IFES/WU

Die meisten Faktoren, die von den Hoch­schul­beschäftigten insgesamt als belastend empfunden werden, betreffen direkt oder indirekt die Zusammenarbeit und die Arbeitsorganisation. Besonders häufig werden Zeit­druck und Stress, die unsichere berufliche Perspektive und die schlechte Kommunikations­kultur als mehr oder weniger starke Belastungen genannt.  Die prekäre finanzielle Situation ist für jede/n Dritte/n ein Belastungsfaktor. Hinzu kommt für rund ein Drittel des wissenschaftlichen Personals subjektiv empfundene Belastung durch den Publikations­druck.

In den meisten wahr­genommenen beruflichen Erschwernissen weist das wissenschaftliche Personal gegenüber dem Allgemeinen Personal erheblich höhere Belastungen auf: In 7 von 11 abgefragten Aspekten ist die Belastung der ForscherInnen signifikant höher. Das betrifft u.a. den Zeit- und Konkurrenzdruck, die hohen Mobilitäts­anforderungen, die prekäre finanzielle Situation und mangelnde Lebens­plan­barkeit sowie generell die unsicheren beruflichen Perspektiven.

Bei Assistent­Innen und generell bei wissenschaftlichem Personal in der Einstiegs­phase sind die genannten Belastungen nochmals ausgeprägter, so dass man diese Beschäftigten­gruppen trotz hohen formalen Qualifikationen als in vieler Hinsicht Prekarisierte charakterisieren kann.

Auf die in der offen gestellten Frage nach sonstigen Belastungs­faktoren entfielen zudem häufige Nennungen an den Universitäten auf Belastungen durch die Gestaltung ihren Dienst- bzw. Arbeitsverträge insbesondere der „Ketten­verträge“. Tendenziell stellt sich die Situation in den FH ähnlich dar, wenngleich nicht mit derart extremen Ausprägungen wie im universitären Bereich.

FRAGE: Wie sehr fühlen Sie sich in Ihrer beruflichen Tätigkeit belastet durch…? 
Beschäftigte an Universitäten, in Prozent

Grafik © IFES/WU

Resümee, Schluss­folgerungen

  • Als positiv hervorzuheben ist bei Beschäftigten im Hochschulbereich eine hohe generelle Tätigkeits­zufriedenheit und eine gleichfalls zu vermutende hohe intrinsische Motivation.
     
  • Der bestimmende Faktor für die unterschiedliche Wahrnehmung der Arbeits­situation ist primär die Zugehörigkeit zum Allgemeinen (bzw. administrativen) Personal auf der einen und zum Forschungsbereich auf der anderen Seite.

  • Besonders hohen Arbeits­belastungen sind Nachwuchs­wissenschaftler­Innen an Universitäten unterworfen. Neben den hohen Arbeits­zeit­anforderungen, die oft weit über das vereinbarte Maß hinausgehen, sind es insbesondere die unsichere berufliche Stellung und die mangelnden Perspektiven mit allen - nicht nur materiellen - Begleit­erscheinungen, die die Arbeits­situation dieser Gruppe massiv beeinträchtigen. 

Zielsetzung, Methodik

Die Arbeiter­kammer Wien beauftragte im Vorjahr eine Forschungs­gemeinschaft von IFES und NPO-Institut der WU Wien mit der Durchführung einer Studie zur Arbeits­situation von Beschäftigten im Hoch­schul­bereich. Zielsetzung des Forschungs­projektes war es, der Arbeiter­kammer als gesetzlicher Interessen­vertretung tieferen Einblick in die spezifischen arbeits­bezogenen Problemlagen dieses Berufsfeldes als Grundlage für die zukünftigen interessen­politischen Schwer­punkt­setzungen in diesem Bereich zu bieten. Mittels einer schriftlichen Selbst­ausfüll-Befragung von in Wiener FH’s und Universitäten beschäftigten AK-Mitgliedern wurden einerseits die objektiven Rahmen­bedingungen der Dienst­nehmer­Innen im öffentlichen Forschungs­bereich sowie die daraus abgeleiteten subjektiven Beurteilungen erhoben und analysiert. Die Ergebnisse dieser Studie liegen nunmehr vor. Im Folgenden werden allen interessierten Teilnehmer­Innen die Haupt­ergebnisse und zentralen Erkenntnisse näher gebracht.

Struktur der Stichprobe

An der Befragung haben insgesamt 2.535 Beschäftigte teilgenommen, wobei der Großteil der Befragten (91%) an Universitäten und 9% an Fach­hoch­schulen tätig sind. 64% der Befragten an den Unis sind der Forschung und Lehre zuzuordnen, die restlichen rund 40% (mit Doppel­verwendungen) den Allgemeinen, hauptsächlich administrativen Tätigkeiten. Das Gros der Forschungs­beschäftigten sind dritt­mittel­finanzierte Projekt­mitarbeiter­Innen sowie InhaberInnen von Pre-Doc-bzw. Post-Doc-Stellen. Zumeist handelt es dabei also um temporäre Anstellungen. Insgesamt haben jeweils rund die Hälfte der Universitäts­beschäftigten ein befristetes oder unbefristetes Dienstverhältnis.

Die Dauer der Beschäftigung im Hoch­schul­bereich liegt im Schnitt bei 10,9 Jahren. Im Durch­schnitt verweisen die UNI-Beschäftigten auf 3,8 einschlägige Dienst­verhältnisse bisher (FH: 4,5). Nicht überraschend weist das wissen­schaftliche Personal gegenüber den „Allgemeinen Tätigkeiten“ ein signifikant kürzeres durchschnittliches Dienstalter auf.

Hinsichtlich unterschiedlicher beruflicher Problem­wahrnehmungen erweist sich die Zugehörigkeit zum - weitgehend abgesicherten - ­ Allgemeinen Personal oder zum - tw. prekarisierten - Forschungs­bereich als das relevante Differenzierungs­merkmal.