13.3.2017

Arbeitszeit intelligent verteilen

Wollen die Menschen in Österreich kürzer arbeiten? Im Mikrozensus der Statistik Austria mit jährlich rund 90.000 befragten Haushalten werden regelmäßig auch Arbeitszeit und Arbeitszeitwünsche abgefragt. In der vorliegenden Studie „Arbeitszeiten in Österreich: zwischen Wünschen und Realität“ hat Michael Schwendinger im Auftrag der AK Wien die Daten von 2006 bis 2014 ausgewertet – und die Frage differenziert beantwortet. 

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Im Gesamtdurchschnitt aller unselbständig Erwerbstätigen liegt Österreich mit 35 Stunden und 48 Minuten pro Woche unter den zehn EU-Ländern mit den kürzesten Arbeitszeiten. Ist die Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung damit hinfällig? Keineswegs!
  • Ursache für die niedrige Gesamtarbeitszeit ist die hohe Teilzeitquote von 28 Prozent an der Gesamtbeschäftigung aller 15- bis 64-Jährigen. Österreich hat damit die zweithöchste Teilzeitquote in der EU. Nur in den Niederlanden ist der Anteil noch höher.
  • Von Teilzeit sind überwiegend Frauen betroffen. Die hohe Teilzeitquote spiegelt die ungleiche Verteilung von Erwerbsarbeit und unbezahlter Arbeit zwischen Frauen und Männern wider.
  • Bei der durchschnittlichen Arbeitszeit der Vollzeitbeschäftigten inklusive Überstunden erreicht Österreich jedoch ebenso einen „Spitzenwert“: Rang drei mit 41 ½ Stunden pro Woche. Nur in Großbritannien und in Portugal sind die Arbeitszeiten für Vollzeitkräfte noch länger.

Auf einen Blick

Vollzeitarbeitskräfte wollen durchschnittlich um 1 Stunde und 48 Minuten pro Woche kürzer, Teilzeitarbeitskräfte um 2 Stunden und 42 Minuten länger arbeiten.

Im Saldo überwiegt der Wunsch nach kürzeren Arbeitszeiten: 610.000 Menschen bzw. 17,5 Prozent aller unselbständig Erwerbstätigen wollen ihre Arbeitszeit verringern. 304.000 Menschen (8,7 Prozent) wollen sie erhöhen. Insgesamt ergibt sich damit ein Wunsch nach einer Arbeitszeitverkürzung im Ausmaß von 50.000 Vollzeitarbeitsplätzen.

Arbeitszeit muss intelligenter verteilt werden!

AK Präsident Rudi Kaske fordert: „Es muss etwas zwischen ausufernden Überstunden und Teilzeitfalle geben. Die Arbeitszeit muss intelligenter verteilt werden!“

  • Weniger Überstunden: Der Überstundeneuro soll die Unternehmen motivieren, die Arbeitszeit besser aufzuteilen.
  • Unternehmen, die ArbeiterInnen und Angestellten Überstundenentgelte mutwillig vorenthalten, sollen künftig das Doppelte zahlen müssen. 
  • Her mit der sechsten Urlaubswoche nach 25 Berufsjahren für alle! 
  • Vorrang für Teilzeitarbeitskräfte bei der Besetzung von Vollzeitstellen im selben Betrieb.
  • Mehrarbeitszuschlag für Teilzeitkräfte ab der ersten Stunde.
  • Frauen mit Kindern in Teilzeit brauchen mehr Kinderbildungsangebote, die mit einer Vollzeitarbeit vereinbar sind, sowie einen weiteren Ausbau der Ganztagsschulen.

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